Der Kampf gegen die Doping-Vergangenheit

SID
Dienstag, 08.07.2008 | 12:21 Uhr
Jones, USA
© Getty
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Eugene - Fünf Weltjahresbestleistungen, diverse nationale Rekorde, superschnelle Sprints: Die US-Leichtathletik-Meisterschaften in Eugene/Oregon haben sportlich alle Erwartungen erfüllt.

Wichtigste Erkenntnis: Die Qualifikation für die Sommerspiele stand im Vordergrund, nicht leistungssteigernde Mittel oder Wachstumshormone wie 2004. Damals waren bei den Olympic-Trails Zeiten und Weiten wegen des ein Jahr zuvor aufgedeckten Balco-Skandals zweitrangig.

In Eugene dagegen sprangen mehr als 20 000 Fans begeistert auf, als Tyson Gay windunterstützt den schnellsten Lauf der Menschheits-Geschichte (9,68 Sekunden) hinlegte und Lolo Jones (12,29) bei ebenfalls zu starkem Rückenwind am 20 Jahre alten 100-Meter-Hürden-Weltrekord kratzte.

Von Rampenlicht ins Gefängnis

"Gleich nach dem Rennen kam jemand zu mir und sagte, ich müsse zum Bluttest. Ich habe gesagt, 'Ja, lass uns das sofort machen'", meinte Jones unbekümmert auf die Frage, ob sie nach ihrer Fabelzeit Doping-Vermutungen befürchte.

Der Name Jones steht für das dunkelste Kapitel der US-Leichtathletik: Marion Jones dominierte und düpierte einst die Konkurrenz, wurde mit fünf Medaillen, davon dreimal Gold, zum Star der Sommerspiele 2000. Aus dem Glamour-Girl ist aber eine Gefängnis-Insassin geworden.

Jones verbüßt als Häftling Nr. 84868/054 in Fort Worth/Texas eine sechsmonatige Strafe wegen zweimaliger Falschaussage gegen Untersuchungsbehörden im Zusammenhang mit Doping. Ihrem Ex- Coach Trevor Graham drohen fünf Jahre Haft. Er hatte in Raleigh/North Carolina ein regelrechtes Doping-Zentrum aufgebaut.

Kampf mit den Spätfolgen

Neben Marion Jones waren Justin Gatlin und Tim Montgomery seine prominentesten Profis. Beide frühere 100-Meter-Weltrekordler, beide des Dopings überführt. Montgomery sitzt zudem wegen millionenschweren Scheckbetruges im Gefängnis und muss sich noch wegen Heroin-Handels verantworten.

Zwar habe der US-Leichtathletik-Verband (USATF) trotz dieser Negativ-Schlagzeilen keine Sponsoren verloren, aber doch mit Spätfolgen zu kämpfen, sagte Verbands-Sprecherin Jill Geer.

"Die größte Herausforderung für unsere Sportler ist, die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass sie sauber sind und ohne Doping mithalten können. Unsere heutigen Athleten haben verstanden, dass sich Betrug nicht lohnt, da man gefasst wird", glaubt der dreimalige 110 Meter-Hürden-Weltmeister Greg Foster.

Die Thematik beeinflusse sie nicht und sie müsse auch immer weniger Fragen dazu beantworten, sagte 400-Meter-Meisterin Sanya Richards. "Schauen Sie sich die Entwicklung bei uns an. Niemand läuft plötzlich zwei Sekunden schneller und gewinnt alles. Das zeigt doch, dass wir wirklich nur hart trainieren, um die Besten zu sein."

Kein Ende von Lug und Betrug

In Eugene wurden rund 300 Dopingproben genommen. Geer betont, kein anderer Verband kontrolliere öfter, kein anderes Land gehe gegen Missbrauch gerichtlich vor. Zudem führte USATF ein Null-Toleranz- Programm ein, klärt Athleten, Trainer, Manager, Nachwuchssportler und Übungsleiter gezielt auf. Dennoch sieht der frühere 110-Meter-Hürden- Weltrekordler Renaldo Nehemiah kein totales Ende von Lug und Betrug.

"Doping ist vergleichbar mit Regelverstößen in der Gesellschaft. Es wird immer Betrüger geben - in der Gesellschaft wie im Sport. Wir versuchen aber, es diesen Leuten immer schwerer zu machen." Nehemiah ist Manager Gatlins, der vergeblich versuchte, eine Einstweilige Verfügung gegen seine Dopingsperre zu bekommen, um sich so für Peking qualifizieren zu können. Er habe Gatlin zwar in Eugene vermisst, so Nehemiah, aber wenn die Gesetze so seien, müsse man dies akzeptieren.

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