Donnerstag, 10.07.2008

Leichtathletik

Issinbajewa taucht in Rom wieder auf

Rom - Auf ihrer Homepage hält Jelena Issinbajewa noch Winterschlaf, doch will die beste Stabhochspringerin der Welt hellwach in die Sommersaison starten.

Beim Golden-League-Meeting in Rom hat die 26 Jahre alte Russin quasi ein Heimspiel: Derzeit lebt und trainiert die Olympiasiegerin mit ihrem Coach Vitali Petrow im italienischen Formia. Bei der Golden Gala im Stadio Olimpico will sie dem Himmel wieder rund fünf Meter näher kommen.

Genau 40 Tage vor dem olympischen Finale beginnt für Jelena Issinbajewa in der Ewigen Stadt der Countdown für Peking.

Unvergessliches Jahr

"Dieses Jahr ist sehr bedeutsam für mich. Ich hoffe, es wird ein unvergessliches Jahr. Im Sommer mache ich nicht so viele Wettkämpfe, meine Höchstform will ich in Peking erreichen", meinte Issinbajewa, die ihren letzten Wettkampf am 8. März in Valencia bestritten hatte: WM-Gold in der Halle.

"Sie ist körperlich und psychisch besser in Form als vor einem Jahr. Wenn Geist und Körper harmonieren, dürfte bei den Spielen in Peking alles glatt laufen", meinte Petrow. "Es wird neue Freiluft-Rekorde geben. Daran habe ich keinen Zweifel."

Offenbar hat der erfahrene Coach im Wintertraining neue Erkenntnisse gewonnen, denn sowohl 2006 als auch 2007 war Issinbajewa zehn Zentimeter von ihrem Weltrekord (5,01 Meter/2005) entfernt.

Vier Chancen hat die Überfliegerin aus Wolgograd bis zum Olympia-Start noch, um die Konkurrenz zu beeindrucken: Nach Rom startet sie in Stockholm (22. Juli), London (26. Juli) und in Monte Carlo (29. Juli).

Zu groß als Turnerin

Dass sie in der technisch anspruchsvollen Disziplin Stabhochsprung bereits mit 26 alles gewonnen hat, verdankt sie nicht nur ihrem Talent, sondern wohl auch den Genen: Eigentlich wollte die Russin Turnerin werden, doch als 15-Jährige war sie mit 1,74 Meter schon viel zu groß für Salti, Schrauben und rasante Sprungfolgen.

Also meisterte Jelena Gadschijewna Issinbajewa den heikelsten Seitensprung ihres Lebens - zur Leichtathletik. 21 Weltrekorde (11 Freiluft/10 Halle) hat die Welt- und Europameisterin von 2003 bis 2008 gesammelt. Noch 14 fehlen ihr, um mit ihrem großen Vorbild und Mentor Sergej Bubka (Ukraine) gleichzuziehen.

Eilig hat es die "Kosmonautin" aus der Heldenstadt Wolgograd damit aber nicht. Es sei ausgemachte Sache, verriet Trainer Petrow unlängst dem "Sport-Express", dass sie "auf jeden Fall noch bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London weitermacht".

Keine Lust auf russische Fahne 

Vielleicht trägt sie dann auch die russische Fahne ins Stadion, was sie diesmal noch dankend abgelehnt hat. Dies störe ihre Vorbereitung, denn die Eröffnungsfeier (8. August) steigt schon eine Woche vor Beginn der Leichtathletik-Wettbewerbe.

"Außerdem ist die Fahne sehr schwer", erklärte Issinbajewa. "Die sollte definitiv ein Mann tragen."

Petrow verfolgt die Szene offenbar weltweit - und nicht nur bei den Frauen. Kürzlich kritisierte er sogar Vielflieger Tim Lobinger. Der deutsche Stabhochsprung-Rekordhalter und Olympia-Starter, habe Petrow gehört, soll in einer Sommersaison mal 44 Wettkämpfe absolviert haben.

"Er ist also jeden zweiten Tag gesprungen, praktisch ohne zu trainieren", meinte der Coach. "Wie kann man sich so noch verbessern?"


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