Sonntag, 29.06.2008

Der Überraschungsmann

Schüttler allein in Wimbledon

London - Der flinke Tennis-Senior Rainer Schüttler hat Thomas Haas und Nicolas Kiefer in Wimbledon die Show gestohlen. Als einziger Deutscher darf der fast schon vergessene Korbacher auch in der zweiten Woche der All England Championships im Konzert der Großen mitspielen.

Tennis, Wimbledon, Rainer Schüttler, Thomas Haas, Nicolas Kiefer
© Getty

Während die beiden Aushängeschilder auf dem Center Court in der dritten Runde scheiterten, meisterte der 32-Jährige auf einem Nebenplatz seine Aufgabe gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez und zog mit einem 6:2, 6:3, 6:4 ins Achtelfinale ein.

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Während Schüttler das deutsch-spanische Kräftemessen vor dem EM-Finale der Fußballer für sich entschied, verlor Kiefer wie vor zwei Monaten im Davis Cup gegen den Mallorquiner Rafael Nadal, der ihm mit 6:7 (3:7), 2:6, 3:6 das Nachsehen hatte.

Mehr drin gewesen wäre für Haas gegen Lokalmatador Andy Murray, der bei seinem 6:4, 6:7 (4:7), 6:3, 6:2-Sieg gegen den Hamburger die wichtigen Bälle besser spielte.

"Ich wusste: Es geht noch"

"Für mich ist das alles keine Überraschung", sagte Schüttler nüchtern. "Seit September spiele ich schon wieder sehr viel besser, und ich wusste: Es geht noch." Trotz Knie-Operation, Pfeiffer'schen Drüsenfiebers und dem von zahllosen Erstrundenpleiten erzwungenen Sturz aus den Top 100 der Weltrangliste habe er sich nie entmutigen lassen.

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"Natürlich frustet das und es nagt auch am Selbstvertrauen." Aber mit fleißiger Arbeit und dem Glauben an sich schaffte der Australian-Open-Finalist von 2003 den Weg zurück in die Weltelite. Der Einzug ins Achtelfinale wird ihm erstmals seit drei Jahren wieder einen Platz unter den besten 70 der Weltrangliste bescheren.

Noch lange nicht am Ende

Und der Aufschwung soll noch weitergehen. Gegen seinen Freund Janko Tipsarevic kämpft Schüttler um den Einzug ins Viertelfinale. Nach etlichen Trainingsstunden ist es der erste Vergleich mit dem 57 Plätze besser eingestuften Serben.

Schüttlers Trainer ist jetzt der Tscheche Jan Stocis, der den gesundheitlich angeschlagenen Dirk Hordorff vertritt. "Alles in Abstimmung mit Dirk", sagte Schüttler und verlängerte den Aufenthalt bei einer deutschen Familie in London.

Haas auf dem richtigen Weg 

Auch Thomas Haas schien nach sechs Wochen Zwangspause wegen seiner lädierten rechten Schulter auf dem richtigen Weg zu sein. Doch gegen den "gereiften Andy Murray" ("Sunday Times") versagte er bei den "Big Points".

Seinen Fehlstart konnte er im Tiebreak des zweiten Satzes noch korrigieren, doch letztlich war das zu wenig gegen den von 15.000 Zuschauern angefeuerten 21-jährigen Schotten, der die Rolle des zurückgetretenen Publikumslieblings Tim Henman übernommen hat.

Haas' größte Sorge bleibt derweil die Gesundheit: "Ich hoffe, die Schulter hält und ich kann mal bis zum Jahresende durchspielen."

Nadal knipst die Licher und Kiefer aus

Bis in die Dämmerung hinein sorgte Nicolas Kiefer zumindest für Unterhaltung auf dem Center Court. Dass er Nadal auch spielerisch gewachsen sein könnte, zeigte er im ersten Satz, den er aber analog zum Davis-Cup-Viertelfinale knapp verlor.

Danach ging er unter, und "Nadal machte das Licht aus", wie der "Independent" schrieb.

"Alles, was ich hatte, habe ich auf dem Platz gelassen", sagte der Hannoveraner und tröste sich: "Ich habe heute gegen den besten Spieler der Zukunft verloren."

Kampfansage an Federer 

Tatsächlich spielte Nadal auf hohem Niveau und schickte eine Kampfansage an den fünfmaligen Champion Roger Federer, den er nach zwei Fehlversuchen im Finale endlich schlagen will.

Nächster Prüfstein des Spaniers ist der Russe Michail Juschni, während Federer im Duell der Wimbledonsieger auf den Australier Lleyton Hewitt trifft, der an der Church Road 2002 triumphiert hat.

Williams-Schwestern im Achtelfinale

Die Amerikanerin Venus Williams landete einen 6:1, 7:5-Pflichtsieg gegen die Spanierin Maria Jose Martinez-Sanchez und steht wie ihre Schwester Serena im Achtelfinale.

Ein dritter finaler Sister-Act auf dem "Heiligen Rasen" rückt näher, zumal nach Maria Scharapowa und Ana Ivanovic auch French-Open-Finalistin Dinara Safina ausgeschieden ist.


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