Sonntag, 22.06.2008

Tour de Suisse

Klöden Zweiter in seiner Wahlheimat

Bern - Der von der Tour de France ausgesperrte Andreas Klöden hat seinen ersten Sieg bei der Tour de Suisse auf Rang zwei um 49 Sekunden verpasst. Roman Kreuziger sicherte sich als erster tschechischer Radprofi den Gesamtsieg bei der Rundfahrt durch die Schweiz.

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© Getty

Die Gesamtwertung der Tour de Suisse im Überblick

Ausschlaggebend für den überraschenden Erfolg des 22-Jährigen, der im Anschluss vom 5. Juli an mit dem italienischen Liquigas-Team auch die Tour de France bestreiten wird, war der Sieg beim Bergzeitfahren am Vortag.

Kreuziger war auf den 25 Kilometern von Altdorf auf den Klausenpass nicht zu schlagen und verwies Jose Rujano aus Venezuela (+ 16 Sekunden) und den Wahlschweizer Klöden (+17) auf die folgenden Plätze.

Fothen und Knees in Tour-Form

An dieser Reihenfolge änderte das Ergebnis der 9. und letzten Etappe, die Fabian Cancellara in seiner Heimatstadt Bern nach 168 Kilometern gewann, nichts mehr. Es war der zweite diesjährige Etappensieg des Schweizer Zeitfahr-Weltmeisters.

Markus Fothen (Kaarst/Gerolsteiner) auf Rang acht und Christian Knees (Bonn/Milram) auf Rang neun komplettierten das erfreuliche deutsche Ergebnis in der Schweiz.

"Mehr als ich erwartet habe"

Klöden, der den Giro wegen einer fiebrigen Erkältung aufgeben musste, hatte schon vor dem Zeitfahren seinen Plan für die nächsten Wochen dargelegt: "Erstmal ausspannen und auskurieren." Sein Team Astana ist bekanntlich wegen seiner Doping-Vergangenheit nicht zur Frankreich-Rundfahrt zugelassen. 

Der Cottbusser, der seinen 33. Geburtstag feierte, war mit dem Ergebnis zufrieden. "Ehrlich gesagt, ist das mehr als ich erwartet hatte. Nach meiner Krankheit beim Giro kam ich ohne eine richtige Vorbereitung in die Schweiz. Ich verlor zweimal 20 Sekunden - das hat wahrscheinlich den Unterschied gemacht. Aber ich will mich nicht beschweren: Kreuziger ist ein großes Talent", sagte der Wahlschweizer aus Cottbus nach dem Rennen. 

Bruyneel mit Klöden zufrieden

"Wenn ihn der deutsche Verband nominiert, fährt er nach Peking, dann ist er für die Deutschland-Tour und die Polen-Rundfahrt bei uns eingeplant. Für die Vuelta ist er nicht vorgesehen", sagte Astana-Sprecher Philipp Maertens.

Nach den Worten des Belgiers kann Klöden, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft, auch mit einem neuen Angebot rechnen: "Teamchef Johan Bruyneel ist sehr zufrieden mit ihm", sagte Maertens der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Kreuziger überrascht Konkurrenz

"Bisher war mein Sieg bei der Junioren-WM in Verona 2004 mein wichtigster Erfolg. Das ist mein erster großer Triumph bei den Profis", strahlte Kreuziger nach seinem Zeitfahrsieg, mit dem er dem High-Road-Profi Kim Kirchen das Gelbe Trikot entrissen hatte. Der Luxemburger vom T-Mobile-Nachfolger war beim Bergzeitfahren eingebrochen und hatte über drei Minuten auf Kreuziger verloren.

"Bei der Tour de France will ich nur lernen und vielleicht zehn Tage im Rennen bleiben", sagte der frisch gekürte Tour-de-Suisse-Sieger, der wie vor ihm Jan Ullrich 2004 und 2006 den Gesamtsieg durch einen Erfolg im Zeitfahren perfekt gemacht hatte.

Auf Konfrontationskurs mit der UCI

Die Schweizer Veranstalter gingen auf Konfrontationskurs mit dem Radsport-Weltverband UCI, wie vor ihnen die Chefs der großen Rundfahrten in Italien, Frankreich und Spanien. Tour-de-Suisse-Direktor Armin Meier, 1998 als Mitglied der Festina-Mannschaft in die Doping-Affäre verwickelt und danach reumütig geständig, fordert mehr rechtliche Freiheiten.

Meier rechtfertigte die prompte Ausladung von Ex-Weltmeister Tom Boonen nach dessen Kokainaffäre. "Wir tragen zu 100 Prozent das finanzielle Risiko, aber wir haben nicht die geringste rechtliche Handhabe", meinte Meier, dessen Rennen anders als Giro, Tour de France oder Vuelta noch zum ProTour-Wettbewerb der UCI gehört.


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