Donnerstag, 05.06.2008

Monfils begeistert Franzosen

"Das wichtigste Match meiner Karriere"

Paris - Mit nacktem Oberkörper stand Gael Monfils mitten auf dem Center Court von Paris. Das verschwitzte Muskel-Shirt mit den roten Sandspuren warf er in die Zuschauerränge, die französischen Fans tobten wie einst bei Yannick Noah.

Tennis, French Open, Gael Monfils, David Ferrer, Roger Federer
© DPA

Monfils trommelte einmal kurz mit der rechten Faust auf die Brust und verneigte sich artig vor dem Publikum. 6:3, 3:6, 6:3, 6:1 hatte der 21 Jahre alte Franzose gerade im Viertelfinale der French Open gegen den Spanier David Ferrer gewonnen, die Nummer fünf der Welt und einer der besten Sandplatzspieler auf der Tour.

Zum ersten Mal in seiner Karriere steht Gael Monfils im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers - und will sich auch von Branchenführer Roger Federer nicht aufhalten lassen.

Monfils: "Das Größte wäre das Finale"

"Jetzt möchte ich die Nummer eins der Welt schlagen", sagte der neue Liebling der Gastgeber-Nation im Überschwang seines überraschenden Erfolges. "Das wird das wichtigste Match meiner Karriere. Aber das Größte wäre das Finale."

Er darf also wieder auf den Center Court, diesmal gegen den Weltranglisten-Ersten aus der Schweiz, der nach verschlafenem Beginn den Chilenen Fernando Gonzalez ebenfalls in vier Sätzen deklassierte.

Sollte Monfils tatsächlich "das Größte" schaffen, dürfte er sich mit dem dreimaligen Roland-Garros-Champion Rafael Nadal oder dem serbischen Australian-Open-Sieger Novak Djokovic messen.

Auf den Spuren Tsongas

Dass es der gebürtige Pariser mit den karibischen Wurzeln bei "seinem" Turnier überhaupt so weit geschafft hat, grenzt an ein Wunder. Sechs Monate musste er von Oktober bis März wegen einer Knie- und einer Handgelenksverletzung pausieren.

Im März kehrte er in Dubai auf die Tour zurück und kassierte drei Erstrunden-Niederlagen. Zur Vorbereitung auf Paris spielte er Mitte Mai ein Challenger-Turnier in Marrakesch, das er gewann und das ihm Auftrieb gab für Roland Garros.

Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Australien hatte Monfils mitansehen müssen, wie Jo-Wilfried Tsonga, mit dem er seit früher Kindheit im Pariser Leistungszentrum trainiert, die Massen begeisterte und erst im Endspiel von Djokovic gestoppt wurde.

Wilander ist begeistert

Nun also wieder ein Franzose, der sich im Halbfinale zu den "Großen Drei" der Tennis-Zunft gesellt. "Monfils elektrisiert Paris so, wie es Tsonga in Melbourne geschafft hat", urteilt der ehemalige Weltklasse- Spieler Mats Wilander. "Die geben immer alles, die zeigen alles."

Monfils hat auch früher schon alles gegeben. Dabei aber oft zu viel gewollt, zu ungeduldig gespielt, zu viel Spektakel und Show auf dem Platz veranstaltet. Nun wirkt er gereifter, ohne deshalb an Attraktivität eingebüßt zu haben.

Sein Trainer Thierry Champion sagt: "Gael gibt so viel von sich selbst auf dem Platz. Seine Art, Tennis zu spielen, ist anders. Er hat seine eigene Kultur." So wie Yannick Noah, der als letzter Franzose vor 25 Jahren die French Open gewann.


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