Freitag, 27.06.2008

Tennis

Schüttler glaubt wieder an sich

London - Auf diesen Moment hatte Rainer Schüttler lange gewartet. Nach kaum mehr zu zählenden Erstrunden-Niederlagen schaffte der Tennis-Senior in Wimbledon zum ersten Mal seit 2004 wieder den Sprung in die dritte Runde.

schuettler, wimbledon
© Getty

"Dass ich es kann, weiß ich ja", sagte der selbstkritische Korbacher. "Aber es ist eben schwierig, an sich zu glauben, wenn man andauernd als Verlierer vom Platz geht."

Erfolge wie den mit unbändigem Kampfgeist errungenen Fünfsatz-Sieg gegen den in London an Nummer neun gesetzten Amerikaner James Blake hat es wahrhaftig wenige gegeben seit Schüttlers Super-Jahr 2003.

Damals stand er im Finale der Australian Open und am Ende des Jahres auch im Halbfinale der ATP-Weltmeisterschaft. Beide Male fand er in Andre Agassi seinen Meister, aber die Zukunft schien für den Weltranglisten-Fünften dennoch rosarot zu sein.

Dass er danach viel zu viel spielte und seinem vom kraftraubenden Spielstil geschundenen Körper viel zu wenig Ruhe gönnte, wollte der im schweizerischen Altstätten lebende Hesse nicht akzeptieren - bis ihn eine Knie- Operation und das Pfeiffer'sche Drüsenfieber stoppten.

Kein Gedanke an Rücktritt

Geholfen habe ihm in dieser schweren Zeit vor allem die eigene Motivation, wieder erfolgreich spielen zu wollen. Ans Aufhören verschwendete er keinen Gedanken. Er spielte bei Challenger- statt bei Grand-Slam-Turnieren. Und die Niederlagen schmerzten. Vor allem, "wenn man gegen Leute verliert, deren Schwächen man kennt. Eine Niederlage gegen solche Leute ist wie ein Schlag vor den Kopf", sagte er.

In den 3:19 Stunden gegen James Blake blieb ihm dies erspart. Im vierten Vergleich schaffte er mit dem 6:3, 6:7 (8:10), 4:6, 6:4, 6:4 den dritten Sieg und freute sich wie ein Schneekönig auf das nächste Match gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez.

"Ich bin unheimlich froh, ganz klar. Aber ich muss fairerweise zugeben, dass es gegen James auch anders hätte ausgehen können." Da war er wieder, der untadelige Sportsmann, der sich im Spielerrat der ATP auch um die Belange der Kollegen kümmerte. "Es ist wahrlich lange her, dass ich einen Top-Ten-Spieler geschlagen habe. Ich glaube, es war David Nalbandian vor drei Jahren in Halle."

Aufwärtstrend zur richtigen Zeit

Danach war es wieder bergab gegangen. Besonders frustrierend war auch das Frühjahr verlaufen. "Vor Paris habe ich grauenhaft gespielt", erzählte er. Und das Schlimmste sei gewesen, dass "ich nicht mehr an mich geglaubt habe".

Der Aufwärtstrend jetzt sei deshalb genau zum richtigen Moment gekommen. Nun stört ihn auch nicht, dass er mit 32 Jahren der älteste Spieler ist, der noch im Turnier ist. "Ist das so?", fragte er und fügte spitzbübisch lächelnd hinzu: "Dann hab' ich wohl noch ganz schön schnelle Beine."

Trotz seiner außergewöhnlichen Fitness, die er auf dem Platz wieder als großes Faustpfand einzusetzen vermag, musste sich Rainer Schüttler von einem großen Traum verabschieden. "Olympia ist ein Megaziel", hatte der Silbermedaillen-Gewinner von 2004 gesagt und auf einen erneuten Doppel-Start gehofft. Doch während sein Athen-Partner Nicolas Kiefer wieder nominiert wurde, darf Schüttler nur zuschauen.


Diskutieren Drucken Startseite
WTA
ATP

Weltrangliste der Damen

Weltrangliste der Herren

Trend

Wer sichert sich 2016 in Rio Olympisches Gold?

Novak Djokovic
Roger Federer
Andy Murray
Rafael Nadal
Stan Wawrinka
Ein anderer Spieler

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.