Mittwoch, 04.06.2008

Leichtathletik

Lars Riedel vor dem Abschied

Hamburg - Der "Herr der Ringe" steht vor dem leisen Ende seiner ruhmreichen, am Ende aber zu langen Karriere: Lars Riedel, Diskus-Olympiasieger von 1996 und Olympia-Zweite von 2000, plagen wieder einmal Rückenbeschwerden - "wie immer bei voller Belastung".

Leichtathletik, Lars Riedel
© DPA

Dass der gebürtige Zwickauer, der am 28. Juni 41 Jahre alt wird, nach fast zwei Jahren Wettkampf-Pause noch ein Ticket für Peking ergattern kann, glaubt in der Szene fast niemand mehr.

Noch will Riedel seinen Rücktritt nicht bekanntgeben, aber der beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zuständige Disziplintrainer Jürgen Schult sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Ich weiß was, aber das soll er selber sagen."

Riedels letzte Saison

Es wäre schon ein Wunder, wenn der Riese Riedel 16 Jahre nach seinem Olympia-Debüt 1992 in Barcelona seine fünfte Teilnahme an Sommerspielen noch durch die Hintertür schaffen würde. Einen erneuten Kraftakt im nächsten Jahr wird es auf keinen Fall geben. "Das ist definitiv meine letzte Saison. Es wird kein 2009 mit Lars Riedel als Athlet geben", betonte er.

"Ich habe permanenten Kontakt zu seinem Trainer, ich kann aber nicht sagen, ob er überhaupt trainiert", meinte Schult. Riedels Heimcoach Karl-Heinz Steinmetz (Darmstadt) wollte die schwierige Situation zunächst gar nicht kommentieren, meinte dann aber: "Ich halte mich raus. Es wird bald eine Entscheidung fallen. Alles geht zu Ende. Wir müssen abwarten, wie es weitergeht."

Letzter Sieg 2006

Seit Anfang 2007 steht der 1,99 Meter große Riedel beim TuS Saulheim unter Vertrag, hat aber noch keinen einzigen Wettkampf für den rheinhessischen Dorfverein bestritten. Das letzte Mal stand er am 27. August 2006 in Bad Köstritz im Ring und belegte mit 61,34 Meter den zweiten Platz. Seinen letzten Sieg landete er am 30. Juli des gleichen Jahres in Nürnberg, zwei Wochen zuvor war er in Ulm deutscher Meister geworden.

Bei der EM 2006 in Göteborg/Schweden kam er auf den achten Platz. Im vergangenen Jahr schrieb Riedel nur einmal Schlagzeilen, als er vom DLV eine öffentliche Verwarnung erhielt, weil er bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle nicht an seinem Wohnort angetroffen worden war.

Deutsche Meisterschaften im Juli 

Seit über vier Jahren wohnt der Modellathlet im bayrischen Rottach-Egern und nutzt dort nach eigenen Angaben regelmäßig ein Rehabilitations-Zentrum. Über 20 Jahre Leistungssport haben Spuren hinterlassen. "Ich muss mal sehen, wann die Behandlung anschlägt", sagt der elfmalige deutsche Meister.

"Ich hoffe, dass es bis Anfang Juli reicht." Am 5. und 6. Juli steht mit den deutschen Meisterschaften in Nürnberg die letzte Olympia-Qualifikation an. "Ich wollte mit zwei, drei großen Dingern nochmal angreifen", sagte Riedel und scheute die Vergangenheitsform nicht. "Mit der Qualifikation und den Olympischen Spielen."

Der Europameister von 1998 muss die DLV-Norm von 64,50 Meter allerdings - wie Schult bestätigte - zweimal werfen. Bisher haben diese Weite der Vize-Weltmeister Robert Harting (Berlin) und Michael Möllenbeck (Wattenscheid) geschafft.

Bundestrainer drückt die Daumen

"Es gibt noch keinen Dritten. Ich weiß nicht, ob ich die Norm ein- oder zweimal erfüllen muss", sagte Riedel. Er will auch mit dem DLV reden, ob es eine Möglichkeit gibt, dass er notfalls nach den nationalen Titelkämpfen noch einen Extra-Start eingeräumt bekommt, falls es für Nürnberg nicht reicht.

"Von einem Sonderstatus ist mir bis jetzt noch nichts bekannt. Das sind Spekulationen", sagte Schult jedoch. "Ich hoffe als Bundestrainer darauf, dass er zweimal die Olympia-Norm macht. Lars ist fünfmal Weltmeister, und es wäre ein riesiger Abschluss für ihn, wenn er sich noch einmal für Olympia qualifizieren würde."


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