Donnerstag, 26.06.2008

Wimbledon, Tag 4

Sensation durch Schüttler

London - Rainer Schüttler ist Nicolas Kiefer, Mischa Zverev, Simon Stadler und Tommy Haas in Wimbledon in die dritte Runde gefolgt. Für Benjamin Becker war dagegen Schluss.

Schuettler, Wimbledon
© Getty

In einem hart umkämpften Match setzte sich Schüttler gegen den an Nummer neun gesetzten James Blake in fünf Sätzen durch. Der Korbacher bot eine starke Vorstellung und gewann am Ende verdient mit 6:3, 6:7 (8:10), 4:6, 6:4 und 6:4. Dadurch brachte Schüttler dem US-Amerikaner die dritte Niederlage im vierten Vergleich bei. 

"Ich bin richtig froh über diesen Sieg. Vor Paris habe ich grauenhaft gespielt. Das hier gibt mir wieder Selbstvertrauen", sagte Schüttler, der älteste im Turnier verbliebene Spieler. In der dritten Runde trifft er nun auf Guillermo Garcia Lopez.

Wie ein Wirbelwind fegte Nicolas Kiefer durch ein 6:0, 6:3, 6:1 gegen den überforderten Martin Vassallo Arguello aus Argentinien ebenso in die dritte Runde wie der nicht minder entschlossen auftrumpfende Haas.

Der Hamburger setze sich dank einer deutlichen Leistungssteigerung im Vergleich zu seinem Auftakt bei dem Grand-Slam-Turnier in London mit 6:4, 6:4, 6:3 gegen den Spanier Tommy Robredo durch.

Kiefer ohne Mühe

Mit grimmigem Blick und wehenden Haaren unter der weißen Basecap kaufte Kiefer seinem Gegenüber den Schneid ab. "Der Wind war recht unangenehm. Manchmal blieb der Ball plötzlich stehen", sagte der Weltranglisten-33. Erst im zweiten Spiel des zweiten Satzes gelang dem in Buenos Aires lebenden Weltranglisten-86. das erste Erfolgserlebnis, das er jubelnd quittierte.

Einem Zwischenhoch, während dem er das Match für kurze Zeit ausgeglichen gestalten konnte, folgte jedoch prompt der zweite Satzverlust. Danach ging es rasch und nach nur 91 Minuten war die einseitige Partie gelaufen.

"Heute war es nicht leicht. Ich war der Favorit und musste gewinnen. Das ist auch Druck", sagte Kiefer. Im Vorjahr scheiterte er gegen den Serben Novak Djokovic. Haas schaffte damals sogar das Achtelfinale gegen Roger Federer, das er wegen eines Bauchmuskelrisses aber absagen musste.

Harte Brocken für Haas und Kiefer

Für Kiefer und Haas, die beiden Aushängeschilder, kommt es jetzt allerdings knüppeldick. Kiefer erwartet in Rafael Nadal den Finalisten der beiden Vorjahre, der seine Topform auf Rasen zudem beim Turniersieg in Nottingham unter Beweis gestellt hat. "Das wird ein schweres Spiel", sagte Kiefer, der dem Spanier zuletzt beim Davis Cup in Bremen einen harten Kampf geliefert hat.

Außerdem sei es gut, dass Nadal "ordentlich schuften musste" beim 5:7, 6:2, 7:6 (7:2), 6:3 gegen den Letten Ernests Gulbis, meinte der 30-Jährige. Haas bekommt es mit Andy Murray zu tun. Der Schotte nimmt in Wimbledon als Nachfolger von Tim Henman die Rolle des Lokalmatadoren ein.

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Aus für die letzte Deutsche

Die Rasen-Reise von Benjamin Becker endete dagegen ebenso in der zweiten Runde wie das Debüt von Julia Görges. Zwei Tage nach dem Marathon-Match gegen Katarina Srebotnik war die 19-Jährige aus Bad Oldesloe müde und unterlag der Neuseeländerin Marina Erakovic 2:6, 6:7 (5:7). Damit schied auch die letzte der vier gestarteten deutschen Tennis-Damen aus.

Der Mettlacher Becker verabschiedete sich gegen den Franzosen Arnaud Clement mit einer 6:7 (7:9), 6:7 (3:7), 3:6-Niederlage abermals von den All England Championships, ohne einen Besuch im Wohnzimmer seines berühmten Namensvetters Boris Becker gemacht zu haben.

Scharapowa überraschend draußen

Dort spielte zur selben Zeit Titelverteidigerin Venus Williams aus den USA und gewann nach Startschwierigkeiten mit 7:5, 6:2 gegen die Britin Anne Keothavong.

Maria Scharapowa ist überraschend gescheitert. Die 21 Jahre alte Weltranglisten-Zweite verlor ein russisches Duell gegen Alla Kudrjawzewa mit 2:6, 4:6. Die Australian-Open-Siegerin und Wimbledon-Gewinnerin von 2004 war auch bei den French Open bereits im Achtelfinale ausgeschieden.

Die junge Mutter Lindsay Davenport, die eigentlich nach Kiefer auf den Nebenplatz 3 kommen sollte, musste derweil ihre Zweitrundenpartie gegen Gabriela Dulko aus Argentinien wegen einer Knieverletzung absagen. Die Siegerin von 1999, die damals Steffi Graf im Finale bezwang, ließ offen, ob dies der Abschied von Wimbledon war. "Im Moment glaube ich nicht, dass ich nächstes Jahr wiederkomme. Aber darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken."


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