Leichtathletik

Der Totalabsturz von Tim Montgomery

SID
Samstag, 17.05.2008 | 13:22 Uhr
Leichtathletik, Montgomery, Gefängnis
© Getty
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White Plains - Tim Montgomery bat um Nachsicht, wie im Januar bereits seine frühere Lebensgefährtin Marion Jones. Doch wie bei der einst schnellsten Frau der Welt kannte Bundesrichter Kenneth Karas in White Plains/New York auch beim ehemaligen 100-Meter-Weltrekordler keine Gnade.

Der gestürzte Sprintstar wurde wegen Geldwäsche und Scheckbetrugs zu 46 Monaten Haft verurteilt. "Leichtathletik-Star zu sein, heißt nicht, dass man nicht nein sagen kann, wenn man Teil einer kriminellen Handlung werden soll", erklärte Karas.

Montgomery hatte bereits im April 2007 zugegeben, an der Straftat aus dem Jahr 2006 beteiligt gewesen zu sein.

Montgomery geschockt

"Ich hatte in meinem Leben alles, was ich haben wollte. Ich stand an der Spitze. Jetzt hingegen sitze ich mit Mördern und Pädophilen in einer Zelle", meinte der US-Amerikaner, der die Urteilsverkündung mit hängendem Kopf verfolgte.

Der 33-Jährige ist seit dem 30. April in Portsmouth/Virgina in Haft. Ihm wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr in Virginia mit mehr als 100 Gramm Heroin gehandelt zu haben.

Wegen dieses Deliktes muss er sich am 9. Juli vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm laut Gesetz mindestens weitere fünf Jahre Gefängnis.

Riddick Mittäter

Im Geldwäsche- und Scheckbetrugs-Prozess hatte Montgomery laut Staatsanwaltschaft gefälschte Papiere im Wert von 1,1 Millionen Euro bei verschiedenen Banken deponiert. Einer der Mittäter war sein früherer Trainer Steve Riddick, der bereits eine fünfjährige Haftstrafe absitzt.

Montgomery, der 1996 Olympiasilber und 2000 Gold mit der 4 x 100-Meter-Staffel der USA gewann, gab an, dass er andere Leute habe entscheiden lassen, wie er sein Leben zu führen habe. Das habe schon morgens damit angefangen, was er zum Frühstück esse, sagte der einstige Weltklasse-Sprinter.

Gewohnt zu folgen

Als Athlet sei er es schlichtweg gewohnt gewesen, den Anweisungen seines Trainers zu folgen. "Sich zu einer Geldwäsche überreden zu lassen, ist nicht dasselbe, wie 'du solltest Müsli essen'", entgegnete Karas.

Es gäbe nicht einen noch so kleinen Beweis dafür, dass jemand anderes für das Verbrechen verantwortlich sei, so der Richter weiter. Montgomerys Anwalt, Timothy Heaphy, betonte, dass sein Mandant unter anderem von Marion Jones auf Abwege gebracht worden sei.

Gleiches Schicksal wie Jones

Jones, mit der Montgomery einen Sohn hat, war ebenfalls in den Scheckbetrugs-Fall verwickelt. Vor Gericht hatte sie im Oktober vergangenen Jahres zugegeben, gegenüber Untersuchungsbehörden im Zusammenhang mit der Geldwäsche und dem Scheckbetrug gelogen zu haben.

Unter anderem wegen dieses Meineides verbüßt sie derzeit in Texas derzeit eine sechsmonatige Haftstrafe. Somit teilt das einstige Glamour-Paar der Sprint-Szene das gleiche Schicksal. Beide waren einst die Schnellsten der Welt, beide glänzten bei Olympia - und beide kamen später auf die schiefe Bahn.

Weltrekord aberkannt

Ihre Namen tauchten im Zuge des Balco-Prozesses auf und wurden mit Doping in Verbindung gebracht. Im Dezember 2005 wurde Montgomery deshalb sein 100 Meter Weltrekord von 9,78 Sekunden aus dem Jahr 2002 aberkannt.

Einen Tag später beendete er daraufhin seine Karriere. "Die Goldmedaillen, der Jubel der Leute, das war alles Teil einer anderen Welt", meinte Montgomery kleinlaut, bevor er den Gerichtssaal verließ, "im Gefängnis zählt das alles nicht mehr."

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