Vorolympische Muntermacher: Poewe und Meeuw

SID
Sonntag, 20.04.2008 | 12:30 Uhr
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Berlin - Sarah Poewes Beitrag zur psychologischen Aufbauarbeit dauerte 1:07,10 Minuten, Helge Meeuw leistete seinen in 53,10 Sekunden. Gut 100 Tage vor den Spielen in Peking rissen zwei Europarekorde den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) aus seiner vorolympischen Lethargie.

Aus Zweifeln soll ein stimulierender Effekt entstehen, die Wuppertalerin Poewe und der für Frankfurt startende Wiesbadener Meeuw sind die aktuellen Mut- und Muntermacher einer Sportart, die derartiger Protagonisten so kurz vor Olympia dringend bedarf.

Dabei zweifelten Brustschwimmerin Poewe und Rücken-Experte Meeuw bis zu den deutschen Meisterschaften noch an sich selbst. "Ich bin total überrascht, denn vor zwei Jahren ging gar nichts mehr", kommentierte die früher für Südafrika startende Sarah Poewe ihre Glanzzeit über 100 Meter.

Und auch Meeuw hatte bis Berlin allen Grund zum Grübeln. Als 100-Meter-Europarekordler schwamm der jetzt 23 Jahre alte Medizin-Student bei den Welt-Titelkämpfen 2007 in Melbourne auf Platz 15, "da habe ich einen Bauchplatscher hingelegt". 25. über 200 Meter war er bei der WM in Australien.

Aus Fehlern gelernt

Beide hatten in der Vergangenheit ihre Probleme. Meeuw hielt bei den internationalen Top-Ereignissen nie das, was seine Vorleistungen versprachen. Und Sarah Poewe gab frank und frei zu, dass sie bei der Ernährung etwas zu nachlässig für eine Sportlerin war, die Weltklasse sein will:

"Ich liebe mein Essen. Vor eineinhalb Jahren hatte ich 73 oder 74 Kilo, jetzt sind es 66" - Erleichterung über wiedergewonnene schwimmerische Leichtigkeit war der Olympia-Vierten von Sydney, damals noch für Südafrika aktiv, deutlich anzumerken.

Beide haben gemerkt, dass etwas falsch lief. Sarah Poewe war in den USA, wo sie studierte und trainierte, einsam, ihr fehlte die Familien-Bande. Sie ging zurück, arbeitete in Südafrika wieder mit ihrem ungarischen Trainer Karoly von Türös zusammen.

Und Meeuw lernte im wirklichen Wortsinn das Laufen neu. Eine X-Beinstellung machte ihm das Joggen zur Qual, er stellte sich, auch mit psychologischer Hilfe, generell um, orientierte sich in vielen Bereichen professioneller und strotzt vor neuem Selbstbewusstsein: "Ich bin nicht überrascht, ich weiß jetzt, dass ich gut unterwegs bin. Ich sehe überhaupt kein Problem, in Peking schnell zu sein."

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