Montag, 07.04.2008

Turnen

Team-Playerin statt Einzelkämpferin

Clermont-Ferrand - Nach 15 Jahren als Einzelkämpferin hat sich Oksana Tschussowitina im Dress der deutschen Turn-Riege zu einer perfekten Team-Playerin entwickelt.

"Nicht mein Sieg steht im Mittelpunkt. Die Mannschaft ist das Wichtigste, darauf baut alles auf", betonte die 32 Jahre alte Kölnerin nach ihrem Titelgewinn bei den Europameisterschaften im Maison des Sports von Clermont-Ferrand.

Nachdem sie 1992 mit der Mannschaft der damaligen Sowjetunion olympisches Team-Gold gewonnen hatte, musste sie in ihrer usbekischen Heimat eineinhalb Jahrzehnte ihren Sport im Alleingang bewältigen.

Das Teamwork in Deutschland ist für die älteste Titelträgerin der Turn-Geschichte eine völlig neue Erfahrung. "Ich finde das so herrlich: Eine ist für die andere da. So motivieren wir uns gegenseitig. Nur so sind Erfolge möglich", sagte sie.

Cheftrainerin Ulla Koch ließ in Frankreich keine Gelegenheit aus, die Einstellung von "Tschusso" zu würdigen: "Sie stellt sich immer in den Dienst des Teams. Auf Oksana können wir bauen."

23 Jahre ohne EM-Titel haben ein Ende

Kein Wunder, dass die neue Sprung-Europameisterin, die mit ihrem Sieg eine deutsche Durststrecke von 23 Jahren ohne EM-Titel beendete, bei ihren Olympia-Zielen zuerst vom Team-Wettbewerb spricht. "Wir haben uns als Mannschaft erstmals seit 16 Jahren für Olympia qualifiziert, jetzt wollen wir auch ins Finale."

Natürlich will Tschussowitina dafür so viele Punkte wie möglich einbringen und ihre Medaillenchancen beim Sprung und am Boden erhöhen. "An beiden Geräten werde ich in Peking neue Schwierigkeiten präsentieren und die Ausgangswerte steigern", kündigte sie an.

Den in Clermont verpatzten Tsukahara will sie in China sogar mit zwei Schrauben zeigen, am Boden den Abschluss der drei Akrobatik-Bahnen weiter toppen.

Tschussowitina: "Ich liebe diesen Sport"

Ans Aufhören will Tschussowitina auch nach ihren fünften Olympischen Spielen - als erste Turnerin könnte sie diese in China bestreiten - nicht denken. "Mein Ziel für Peking: Weitermachen bis zu den sechsten Spielen", sagte sie und spaßte ein wenig über ihr für Turnerinnen hohes Alter.

"Ich werde so lange turnen, wie der Körper mitspielt. Und dabei geht es nicht um das Geld. Ich liebe diesen Sport." 1991 war Tschussowitina schon Weltmeisterin, ein Großteil der EM-Teilnehmerinnen war da noch gar nicht geboren.

Das Größte im Leben sind für Tschussowitina aber ohnehin nicht ihre zahlreichen sportlichen Erfolge. "Das Wichtigste ist, dass es Alisher wieder gut geht", sagte die Mutter über ihren fast neunjährigen Sohn, der vor sechs Jahren schwer an Leukämie erkrankt war.

Titel für Deutschland

Von Kölner Ärzten und auch dank einer Spenden-Aktion (120 000 Euro) wurde er gerettet. "Ich bin Deutschland so dankbar und freue mich, dass ich mit dem Titel auch etwas wieder zurückgeben konnte. Ich bin rundum glücklich in meiner neuen Heimat", sagte sie.

Um während der Behandlungen von Alisher immer in dessen Nähe sein zu können, war sie vor Jahren von Taschkent nach Köln gezogen und im Oktober 2006 auch deutsche Staatsbürgerin geworden.


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