Sonntag, 13.04.2008

Boxen

Sylvester schlägt Castillejo und will Sturm

Neubrandenburg - Europameister Sebastian Sylvester hat sich seinen größten sportlichen Traum erfüllt. Der Mittelgewichtler verteidigte vor 4600 begeisterten Zuschauern in Neubrandenburg seinen Titel durch einen K.o.-Sieg in der zwölften Runde gegen Javier Castillejo (Spanien).

Er darf nun WBA-Weltmeister Felix Sturm (Leverkusen) herausfordern. "Ich bin glücklich. Die Zuschauer haben mich zum Sieg geschrien", gestand der Greifswalder nach seinem grandiosen "Heimspiel".

Der boxerisch nicht eben begnadete Sylvester lieferte gegen den bereits 40 Jahre alten Castillejo, der einst Sturm zu Boden schlug, ein Musterbeispiel für Willensstärke und Kampfgeist.

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Schröder in Rage 

Vom ersten Gong an setzte der 27-Jährige seinen Kontrahenten unter Druck und ließ sich auch von einem tiefen Cut unter dem rechten Auge, der ihn bereits ab Runde zwei behinderte, nicht bremsen. "Ich habe zum Teil nicht mehr viel gesehen, aber ich musste einfach weitermachen", beschrieb der alte und neue Europameister die schwierige Situation in seinem 31. Profikampf (29 Siege).

Die Verletzung brachte seinen Trainer Hartmut Schröder so in Rage, dass er Ringarzt Walter Wagner mehrfach aufforderte, den Ringrichter zum Abbruch zu veranlassen.

"Sebastian wird unterschätzt" 

Sylvester ließ sich von dem hektischen Drumherum nicht beeinflussen, behielt seine Linie bei und bereitete dem Duell nach 1:53 Minuten der Schlussrunde mit einer präzisen Rechten an den Kopf des Herausforderers ein spektakuläres Ende. "Sebastian wird immer wieder unterschätzt - zu Unrecht, wie sich heute wieder gezeigt hat", lobte ARD-Kommentator Henry Maske.

Der einstige Weltmeister sieht den Boxer aus dem Berliner Wiking- Team auch gegen Felix Sturm nicht chancenlos. "Felix ist definitiv der bessere Boxer, aber Sylvester ist auf jeden Fall ein ernstzunehmender Gegner", urteilte Maske. Sturm hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, nicht gegen seinen deutschen Rivalen antreten zu wollen, weil der angeblich nicht in seiner Liga boxe.

Sturm bis Oktober herausfordern 

In die ist Sylvester aber spätestens jetzt aufgestiegen, und so kann ihm der WBA-Champ von der Hamburger Universum-Promotion nicht mehr aus dem Weg gehen. Die Modalitäten dafür müssen allerdings noch ausgehandelt werden. "Wir haben bis Oktober Zeit, Sturm herauszufordern", erläuterte Christian Meyer, Geschäftsführer des Berliner Sauerland-Boxstalls, noch in der Nacht.

In einem weiteren EM-Kampf des Abends nahm Karo Murat (Kitzingen) dem Italiener Cristian Sanavia den Titel im Supermittelgewicht ab. Der Schützling von Trainer Ulli Wegner gewann einstimmig nach Punkten und baute seinen makellosen Kampfrekord auf 17 Siege aus.

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