Mittwoch, 23.04.2008

Schwimmen

Steffen: Frust wegstecken und in Peking fit sein

Berlin - Britta Steffens Körperhaltung und Mimik sprachen Bände. Die Weltklasse-Schwimmerin schwankte zwischen positiver Aggressivität und erleichterndem Weinen: "Ich bin ja ein ziemliches Sensibelchen."

Doch es flossen keine Tränen, stattdessen gab es einen tiefen Seufzer der Erleichterung und klare Worte nach herber Kritik an ihrer Entscheidung, die olympische Staffel über 4 x 200 Meter Freistil anderen zu überlassen.

Der Vorwurf, Egoistin und im Becken eine Mannschafts-undienliche Solistin zu sein oder gar zu kneifen, saß tief. "Das hat mich sehr getroffen. Das hat mich nicht zu Boden geworfen, aber gekränkt." - so sehr, dass sich die 24-Jährige vor ihrem Europarekord von Berlin über 100 Meter Freistil und der erfolgreichen Olympia-Qualifikation in die Defensive gedrängt sah und "einen ganzen Tag ein wenig depressiv" zubrachte.

Priorität liegt auf Einzel-Gold

Die sportliche Reaktion war phänomenal, die verbale Replik eindeutig: "Ich gebe mir größte Mühe, teamfähig zu sein." Das hat sie als Mitglied der Weltrekord-Staffeln von Budapest 2006 bewiesen. Und will es wieder tun, aber dabei in China eine Ausnahme machen. Olympisches Einzel-Gold, von der in Deutschland eine ganze Sportart profitieren würde, soll Priorität haben.

Da muss sie Anfeindungen wegstecken, da muss sie Ärger schlucken, da muss sie darauf hoffen, "dass sich alles wieder glättet". Zwischenzeitlich habe sie nicht mehr gewusst, "wer Freund oder Feind ist".

Bei der WM im vergangenen Jahr sah sie sich Angriffen australischer Medien ausgesetzt. "Dass es aus den eigenen Reihen kommt, ist noch eine Nummer härter."

"Hopp oder Top"

Sie hat ihren ersten Teil dazu beigetragen, dass Kritiker irgendwann, möglichst bei den Spielen in Peking, verstehen werden, warum sich Britta Steffen und ihr Trainer Norbert Warnatzsch für die Strategie "hopp oder top" (Steffen) und damit gegen die 4 x 200- Meter-Staffel entschieden haben.

Die kontinentale Bestmarke von 53,20 Sekunden ist die klare Ansage an Australiens Weltmeisterin Lisbeth Trickett, dass die Deutsche ihren Weltrekord zurückerobern will. Momentan sieht sich Britta Steffen noch nicht so weit: "Das Rennen war zufriedenstellend, mehr aber auch nicht."

Lisbeth Tricketts 52,88 sind Britta Steffens Leitlinie und Ansporn: "Der Weltrekord ist mein Ziel." Dafür will sie in den verbleibenden gut 100 Tagen "schrubben" und trotzdem versuchen, so locker zu bleiben, wie sie sich äußerlich in Berlin präsentierte - nachdem das Olympia-Ticket gesichert war.

Sie strahlte, genoss die unzähligen Umarmungen und Küsschen, bedankte sich herzhaft bei jugendlichen Fans für deren lautstarke Unterstützung von der Tribüne: "Ich komm' gleich mal rauf zu euch" - Egoismus stellt sich anders dar.


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