Freitag, 11.04.2008

Olympia

Rogge zuversichtlich - Fackellauf bestätigt

Peking - Das IOC hat sich auf ein Kräftemessen mit den chinesischen Olympia-Machern eingelassen und verspricht sich von dem vor-olympischen Gewitter eine reinigende Wirkung.

Am Tag, nachdem Jacques Rogge die Chinesen an ihre moralischen Versprechen der Einhaltung der Menschenrechte erinnert hatte und dafür vom Außenministerium abgemahnt worden war, zog der IOC-Präsident ein positives Fazit der turbulenten olympischen Woche in Peking, die von weltweiten Protesten um den Fackellauf überschattet wurde.

"Wir hatten sehr gute Gespräche mit der Regierung und dem Organisations-Komitee, und ich erwarte ausgezeichnete Spiele", resümierte der Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Der Stand der Vorbereitungen ist exzellent. Wir haben noch 119 Tage, es gibt noch 10 Testwettkämpfe und nur noch ein paar kleine Details zu verbessern."

Olympische Bewegung "völlig vereint"

Entschlossen und sichtlich erleichtert ließ der Ober-Olympier vor mehr als 200 internationalen Journalisten im feudalen "China World Hotel" selbst kritische Fragen von sich abprallen. Er habe keine "Kristallkugel", wann die von ihm deklarierte Krise zu ende sei, und die olympische Bewegung sei "völlig vereint".

Über die Schelte des Außenministerium, er möge sich "nicht in interne politische Dinge einmischen", wollte er sich nicht äußern. "Bemerkungen des Außenministeriums kommentiere ich nicht", sagte der 65-Jährige, der zufrieden wirkte, das IOC in der heiklen Menschenrechts- und Tibet-Frage am Tag zuvor deutlich positioniert und damit seine Mission erfüllt zu haben.

Knapp vier Monate vor der Eröffnungsfeier gab es keinen Grund für weitere Klarstellungen. Rogge hatte der Regierung, wie von der Weltöffentlichkeit erwartet, mutig die Stirn geboten und scheint gestärkt aus dem verbalen Konfrontationskurs herausgegangen zu sein. Von angespannter Stimmung war jedenfalls zumindest öffentlich wenig zu spüren.

Proteste gehören dazu

Das Pekinger Organisations-Komitee BOCOG meldete, 66 Prozent aller Eintrittskarten für Olympia seien bereits verkauft, und das Organisations-Komitee der kommenden Winterspiele in Vancouver (VANOC) gab bekannt, dass es beim Fackellauf 2010 keine internationale Route geben würde. "Das war nie vorgesehen", so VANOC- Präsident John Furlong. Dafür bestätigte das IOC noch einmal, dass die Weltreise der Flamme wie geplant auch in Tibet Station machen würde.

Unangenehme Begleitgeräusche wie Protestaktionen beim Fackellauf, Menschenrechtsdiskussionen und politische Debatten gehören für den selbst ernannten "Krisenmanager" Rogge dazu. "Die Olympischen Spiele sind die größte Medienveranstaltung der Welt. Es ist klar, dass diese Wichtigkeit diese Dinge anzieht", sinnierte er, "niemand greift die Spiele an, aber es gibt ein paar, die die Spiele benutzen."

Trotz aller Negativ-Schlagzeilen sei die Stimmung unter den Olympia- Sponsoren "merkwürdig gut", verriet IOC-Marketing-Chef Gerhard Heiberg, "sie sind ruhig."

Dialog mit Chinesen

Für den Norweger hatte die öffentliche Demütigung seines Chefs sogar etwas Positives: "Wir bekommen viel Prügel, das sind wir sicher nicht gewöhnt, aber wir haben klar Stellung bezogen. Das war wichtig. Die Chinesen denken einfach anders als wir. Das ist schwierig."

Ob aus der momentanen Zweckgemeinschaft irgendwann eine Freundschaft, zumindest aber eine gleichberechtigte Partnerschaft wird, bleibt offen. "Wir sind näher dran an einer Partnerschaft als noch vor einem Monat. Die Probleme sind sogar hilfreich", so Heiberg weiter, "es sind unsere Spiele, das wissen auch die Chinesen. Sie sind von uns abhängig und wir von ihnen."

Der Weg bis zu einem olympischen Frieden zwischen beiden Parteien ist steinig. "Das Wichtigste ist eine Dialog-Lösung in der Tibet- Frage", erklärte IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

Staatsoberhäupter bleiben Eröffnung fern

Rogge wollte sich unterdessen nicht weiter in politische Debatten reinziehen lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister Gordon Brown und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon werden der Eröffnungsfeier fernbleiben, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy denkt darüber nach, der Druck auf US-Präsident George Bush wächst.

"Wir würden es vorziehen, wenn die Politiker nicht über Boykott reden, aber sie müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Das IOC wird sich da nicht einmischen", sagte der oberste Sportpolitiker, der beim Spagat, seine politisierte Organisation unpolitisch führen zu wollen, eigentlich nur verlieren kann.

Das IOC soll sogar überlegt haben, der scheinbar beratungsresistenten chinesischen Regierung zu empfehlen, den Dalai Lama zur Eröffnungsfeier einzuladen. Das Oberhaupt der Tibeter hatte sich bei einem Zwischenstopp in Japan quasi selber eingeladen. Wenn die Tibet-Krise gelöst sei, würde er "gern die Eröffnungsfeier genießen", so der Dalai Lama.


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