Montag, 14.04.2008

Leichtathletik

Mikitenko: London als Schrittmacher für Peking

London/Hamburg - Als Eiskunstläuferin hatte sie einst begonnen, als Spätstarterin auf der Marathon-Distanz will London-Siegerin Irina Mikitenko auch in Peking wieder ganz früh aufstehen und die etablierte Konkurrenz ärgern.

"Richtung Olympia gedacht, half mir London sicher mehr als ein anderes Rennen. Zum Beispiel gab es keine Pacemaker, es war unser eigenes Rennen, weil wir vor den Männern gestartet sind", sagte die 35-Jährige nach ihrem Sieg an der Themse über die klassischen 42,195 Kilometer.

London soll für Irina Mikitenko der Schrittmacher für Peking sein, der 17. August könnte der wichtigste Tag ihrer Leichtathletik- Karriere werden. Früh um 7.30 Uhr fällt der Startschuss für den olympischen Frauen-Marathon.

Marathon-Premiere mit 34

Von Ansagen und Spekulationen hält die gebürtige Kasachin, die 1996 als Spätaussiedlerin kam und seit zehn Jahren für Deutschland startberechtigt ist, aber nichts. "Prognosen kann ich jetzt nicht abgeben. Bis dahin ist es noch eine Weile hin. Wer am besten vorbereitet ist, der wird gewinnen", sagt sie nur.

Erst im Vorjahr, mit 34, hatte die ehemalige Bahn-Spezialistin (Olympia-Fünfte über in Sydney über 5000 Meter) ihren ersten Marathon absolviert - und was für eine Premiere: In 2:24.51 Stunden kam sie in Berlin mit der besten Debüt-Zeit einer Deutschen ins Ziel. "Ich war vorher mental nicht bereit für den Marathon. Jetzt ist der Marathon meine Disziplin geworden", versicherte Irina Mikitenko, die beim hochkarätig besetzten Rennen deutschen Rekord (2:24.14) lief und am Ende mit Glückshormonen sowie einer Prämie von 65.000 Dollar belohnt wurde.

Ehemann als Trainer 

"Wenn man immer nur in Deutschland läuft, kann man sich nicht weiterentwickeln", versichert Irina Mikitenko, die sich 2001 im Trainingslager viel von der heutigen Weltrekordlerin Paula Radcliffe abgeschaut hat. "Ich würde mich freuen, wenn Paula im nächsten Jahr in London laufen würde. Da erwarte ich ein schnelles Rennen."

Spätestens seit London ist Irina Mikitenko keine unbekannte Größe mehr. Die zweifache Mutter lebt in Freigericht bei Hanau. Sie wird von ihrem Ehemann Alexander trainiert, der als Metallarbeiter aber voll berufstätig ist. Ein Problem und eine Herausforderung für das "Familien-Unternehmen" Mikitenko: Als vor kurzem im Kindergarten die Viren umherflogen, sprang der 14-jährige Sohn Alex ein und passte auf seine zweieinhalbjährige Schwester Vanessa auf. Dass die Marathon- Mutter in den Osterferien gut durchtrainieren konnte, hat sich schon in London ausgezahlt.

Martin Lel gewinnt Männerrennen

Das Männerrennen gewann bei fast perfekten Wetterbedingungen - nur am Ende setzte starker Regen ein - Vorjahressieger Martin Lel. Der 29-jährige Kenianer stellte mit der Weltklassezeit von 2:05.15 Stunden einen Streckenrekord auf und triumphierte vor seinem Landsmann Sammy Wanjiru (2:05.24) sowie Abderrahim Goumri (Marokko/2:05.30).

Zum ersten Mal blieben in einem Marathonrennen drei Läufer unter 2:06 Stunden. Den Weltrekord hält der Äthiopier Haile Gebrselassie mit 2:04.26 Stunden. Lel kassiert für den Sieg und den Streckenrekord 130.000 US-Dollar.


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