Tennis

Kühnen will trotz Pleite Teamchef bleiben

SID
Montag, 14.04.2008 | 11:42 Uhr
kühnen, berrer, davis cup
© Getty
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Bremen - Ein bisschen wirkte es wie eine Flucht. Patrik Kühnen schnappte sich seine sieben Sachen und verließ die Bremer Stadthalle, während die unverdrossenen Fans noch immer den ersten Punkt der deutschen Tennis-Nationalmannschaft beim 1:4- Viertelfinal-Aus gegen Spanien feierten.

Doch was wie Flucht des Teamchefs hätte aussehen können, war nicht mehr als die seinem "Nebenjob" als Turnierdirektor in München geschuldete Terminhatz. Erst auf dem Weg zum Flughafen fand der 42-Jährige die Muße, sich über das auf dem Papier so unerfreuliche Davis-Cup-Wochenende Gedanken zu machen.

"Was die Mannschaft geleistet hat gegen einen übermächtigen Gegner, der das Zeug hat, den Pokal zu gewinnen, war das, was man beim Blick auf die Weltrangliste erwarten konnte", sagte Kühnen. "Alle haben alles gegeben, und Nicolas Kiefer hat zum Abschluss noch mal sehr gut gespielt und verdient den einzigen Punkt geholt."

Kühnen hofft auf Rückkehr von Haas 

Vor allem mit dem Geist im Team war der dreimalige Davis-Cup-Gewinner hochzufrieden. "Es hat alles gestimmt bei uns von A bis Z." Das war nicht immer so. Und dennoch hofft Kühnen, dass Thomas Haas im kommenden Jahr zurückkehrt, wenn die Davis-Cup-Saison auch für die deutsche Mannschaft wieder losgeht. "Natürlich wäre ich froh, wenn Tommy wieder spielen würde", sagte Kühnen - wohlwissend, dass das Gerangel um die Führungsrolle dann ungleich heftiger werden würde.

Welche Gefahren selbst einem intakten Teamgeist drohen, zeigte sich in den eigentlich friedlichen und harmonischen Tagen von Bremen. "Diese Woche war Weltklasse", sagte Michael Berrer, der am Schlusstag für den nach Einzel und Doppel müden "Leitwolf" Philipp Kohlschreiber spielen durfte. Es seien harmonische Tage gewesen, das Klima in der Mannschaft habe gestimmt. Wer etwas anderes behaupte, leide unter "Realitätsverlust".

Vertragsverlängerung ist nur mehr Formsache

Dem könne er nichts hinzufügen, sagte Kühnen, der sich, einem Mitglied des diplomatischen Tennis-Korps gleich, nicht dezidierter äußern mochte. Leider, denn die gezielten Indiskretionen und augenscheinlichen Unwahrheiten belasten das Team der "Egoisten" (Kohlschreiber), das gerade dabei ist, miteinander klar zu kommen.

Doch Kühnens Art hat sich schon in schwereren Zeiten bewährt, als der einstige Weltklassespieler und dreimalige Cup-Gewinner als Teamchef so manchen kindischen Streit schlichten musste.

Auch der Deutsche Tennis Bund (DTB) weiß die Arbeit des in München lebenden Saarländers zu schätzen. "Ich glaube, es gibt niemanden im Verband, der den Vertrag mit Patrik Kühnen nicht verlängern wollte", sagte DTB-Präsident Georg von Waldenfels der dpa. Die Fortsetzung des am Jahresende auslaufenden Kontraktes sei nur eine Formsache. Zumal Kühnen keinen Zweifel lässt, weitermachen zu wollen: "Das Feuer brennt noch immer - sogar mehr denn je."

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