Montag, 07.04.2008

Radsport

Fall Ullrich ohne "umstrittenstes Stück"

Thurgau/Bonn - Im Rahmen der Ermittlungen gegen Jan Ullrich wird die Bonner Staatsanwaltschaft auf das "umstrittenste Stück", das in der Schweizer Villa des ehemaligen Radprofis sichergestellt wurde, verzichten müssen.

Jan Ullrich
© DPA

Ein dünner Ordner vorwiegend mit Anwaltspost habe er dem Tour-de-France-Sieger von 1997 zurückgeschickt, sagte der leitende Staatsanwalt des Kantons Thurgau, Hans-Ruedi Graf.

"Der Ordner war das umstrittenste Stück." Die restlichen Akten und Daten, die noch beim Bezirksamt in Kreuzlingen lagern, würden noch in dieser Woche an die Bonner Behörde versandt.

Einstellung gegen auflagen?

"Das sind die Sachen, die im Ausscheidungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Bonn angefordert wurden", sagte Graf. Die Unterlagen waren bei einer Durchsuchung der Ullrich-Villa in Scherzingen am 13. September 2006 sichergestellt worden, als der 34- Jährige in den Flitterwochen war.

Der zuständige Bonner Staatsanwalt Fred Apostel bestätigte, dass es im Fall Ullrich die "Möglichkeit einer Einstellung gegen Auflagen" gebe. Eine Einigung hänge "nicht an Zahlungen allein, das setzt sich zusammen aus verschiedenen Komponenten".

Die "Bild"-Zeitung mutmaßte, dass das Verfahren gegen eine Zahlung von 250 000 Euro eingestellt werden könnte. Das Magazin "Focus" hatte von einer Million Euro berichtet.

"Keine Bauch- oder Kopfschmerzen" 

Dass für Ullrich bei einem solchen Deal nach den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs trotz belastender Doping-Indizien weiter die Unschuldsvermutung gilt, stört Apostel nicht: "Da werde ich keine Bauch- oder Kopfschmerzen haben."

Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen Ullrich wegen Betruges zu Lasten seines ehemaligen Sponsors T-Mobile. Der Magenta-Rennstall hatte den Ex-Profi kurz vor der Tour 2006 suspendiert, drei Wochen später wurde der Vertrag Ende Juli aufgelöst.

"Wir beobachten das aufmerksam, sind aber kein direkter Teilnehmer der Entwicklung", kommentierte Christian Frommert, Sponsoringleiter der Deutschen Telekom, die jüngsten Geschehnisse.

Ullrich bestreitet Doping 

Ullrich hat jegliches Doping stets bestritten. Die Bonner Ermittler hatten ihm durch einen DNA-Abgleich nachgewiesen, dass 4,5 Liter seines Blutes beim spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes lagerten.

Außerdem wurden Konto-Bewegungen zwischen Ullrich und Fuentes zumindest über 25.000 Euro belegt. Zuletzt wurde das einstige Sportidol durch die Aussagen seines ehemaligen Masseurs Jef D'hont und einen Bericht des Untersuchungsausschusses der Uniklinik Freiburg erneut belastet.

Ullrich hatte im Februar 2007 seinen Rücktritt als Radprofi erklärt.


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