Freitag, 11.04.2008

Tennis

Davis Cup: Kiefer verliert gegen Nadal

Bremen - Der Ärger über eine strittige Schiedsrichter-Entscheidung hat Nicolas Kiefer seinen "Feiertag" und der deutschen Nationalmannschaft einen gelungenen Auftakt im Davis-Cup-Viertelfinale gegen Spanien verdorben.

© Getty

Konzentriert und kampfeslustig hatte der 30-Jährige im längsten ersten Satz seiner Karriere dem Topfavoriten Rafael Nadal alles abverlangt - und musste schließlich nach 2:59 Stunden doch eine 6:7 (5:7), 0:6, 3:6-Niederlage einstecken. "Mehr als alles geben konnte ich heute nicht. Nach dem ersten Satz ist er immer besser ins Spiel gekommen. Egal, was ich gemacht habe, er hatte immer die bessere Antwort", sagte Kiefer.

Statt der möglichen Sensation gegen den Weltranglisten-Zweiten hatten Kapitän Patrik Kühnen und die lange Zeit begeisterten 7500 Zuschauer in Bremen das 0:1 gegen den Topfavoriten zu verdauen. Philipp Kohlschreiber steht im zweiten Einzel gegen David Ferrer in der Pflicht, damit die Chancen auf ein erneutes Halbfinale wie im Vorjahr nicht schon am ersten Tag ad acta gelegt werden müssen.

"Das sind die Tage, für die ich trainiere. Ein Feiertag", hatte Kiefer vor der Partie gesagt. Und wie sehr ihm die knifflige Aufgabe gefiel, bewies er bei eigenem Aufschlag gleich im ersten Spiel. Dabei geriet ihm der Start gegen das von 300 mit Pauken und Trompeten ausgerüsteten Schlachtenbummlern angefeuerte Kraftpaket aus Spanien, das den bislang einzigen Vergleich vor zwei Wochen in Miami glatt gewonnen hat, gehörig daneben.

15:40 stand es aus seiner Sicht und die konsternierten Beobachter richteten sich schon auf eine schlimme Packung für den Hannoveraner ein. Doch weit gefehlt. Kiefer zeigte erst die Zähne, dann die "Säge" und schien seine schwache Davis-Cup- Bilanz mit 9 Siegen bei 12 Niederlagen vergessen machen zu können.

Kiefer streckenweise grandios

Streckenweise grandioses Tennis zeigte der Rückkehrer, der vor gut zwei Jahren seine letzte Partie im Nationalteam absolviert hatte. Bis zum Stande von 5:5 und eigenem Aufschlag, als ein Return Nadals offenbar doch neben ihm auf die Linie tropfte. Statt 40:0 stand es plötzlich 30:15, was Kiefer erst nach längeren Protesten akzeptierte. Die Konzentration freilich war von einem Moment auf den anderen verflogen; der braun gebrannte Nadal nutzte die Schwäche eiskalt.

Zwar kam Kiefer mit ungeheurem Willen und großartigen Aktionen auf dem schnellen Hartplatz seinerseits zum Rebreak, aber der Tiebreak offenbarte gnadenlos die Stärke des 21-jährigen Nadal, der überdies auch das nötige Glück hatte. "Ich muss am Limit spielen und vielleicht sogar darüber hinaus", wusste Kiefer schon vorher.

Seine Ahnung wurde in den folgenden Sätzen zur Gewissheit, in denen der dreimalige French-Open-Sieger keinen Spaß mehr verstand und die Hoffnung des nach 373 Tagen Verletzungspause wieder auf Platz 47 der Weltrangliste gestürmten Kiefer ("vielleicht erwischt Rafael nicht seinen besten Tag") auf seine Art eindrucksvoll beantwortete.


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