Bloß den schönen Schein wahren!

SID
Freitag, 04.04.2008 | 15:32 Uhr
Olympia, Maskottchen
© Getty
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Stuttgart - Bei der Diskussion um einen Olympia-Boykott sind Thomas Bach und Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, heftig aneinandergeraten.

Der SPD-Politiker warf dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nicht nur eine "voreilige und überflüssige Festlegung" in der Boykott-Frage vor, sondern griff Bach auch wegen dessen geplanten Teilnahme am olympischen Fackellauf in China an. Das wiederum bezeichnete der höchste deutsche Sportfunktionär in einem offenen Brief vom Freitag als "schlicht niveaulos".

Der DOSB hatte in einer Erklärung vom 24. März einen Olympia-Boykott ausgeschlossen und bekanntgegeben, er werde "nach Abwägung aller Argumente und in Wahrnehmung seiner Verantwortung gegenüber den Athleten eine Mannschaft zu den Olympischen Spielen 2008 entsenden".

"Die Dinge könnten sich zuspitzen"

Danckert findet nun, "dass der Sport solche Dinge nicht ohne Abstimmung mit der Politik machen darf und machen kann. Denn die Dinge könnten sich - was ich nicht hoffe - so zuspitzen, dass man an so etwas denken muss, jedenfalls aus Sicht der Politik", sagte er über die Situation in Tibet und das Vorgehen der chinesischen Regierung im Vorfeld der Sommerspiele in Peking.

"Es gehört schon eine gewisse Chuzpe von Ihnen dazu, zwei Reisen des Sportausschusses des Bundestages nach China zu den Olympischen Spielen und Paralympics zu bestätigen und gleichzeitig den Beschluss des DOSB, Athleten dorthin zu entsenden als voreilig und überflüssig zu bezeichnen", sagte Bach in einem auf der DOSB-Internetseite (www.dosb.de) veröffentlichten Schreiben.

Der DOSB-Chef verweist darauf, dass sowohl die Bundeskanzlerin als auch der Bundesaußenminister ebenso wie der Bundesinnenminister sich mehrfach gegen einen Boykott der Athleten ausgesprochen hätten - "im übrigen im Einklang mit dem Dalai Lama."

Kein Verständnis hat Danckert zudem für das Vorhaben Bachs, am Fackellauf teilzunehmen. "Seine Teilnahme hätte eine politische Komponente. Da muss man sich nicht ausgerechnet dort zeigen, wo es politisch am brisantesten ist", sagte der 67-Jährige. Dass Danckert dabei über "private Gründe" Bachs spekuliert, entspricht laut Bach "nicht den demokratischen Umgangsformen".

Danckert fordert Bach und Tröger heraus

Der Bundestagsausschuss-Vorsitzende forderte Bach und Walther Tröger als Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf, deutlich Stellung zu beziehen. Er erwarte von führenden Sportfunktionären, "dass sie Dinge, die die ganze Welt beschäftigen, kommentieren. Der Sport ist Teil der Gesellschaft."

Nicht hilfreich seien Äußerungen wie jene von Tröger. Der IOC- Funktionär hatte Sportlern mit dem Ausschluss von den Wettkämpfen gedroht, sollten sie in Peking offen gegen Chinas Tibet-Politik protestieren.

"Wir werden sehr genau darauf achten, ob Meinungsäußerungen von Athleten in Peking bestraft werden", kündigte Danckert an. "Die zentrale Frage ist: Akzeptieren der Sport, das IOC und der DOSB das Recht auf freie Meinungsäußerung als Menschenrecht?"

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt/Main bezeichnete die Drohung Trögers als einen "Skandal". In einer Erklärung vom Freitag erinnerte die Organisation nachdrücklich daran, "dass die freie Meinungsäußerung ein Grundrecht ist, dass auch durch die Olympische Charta nicht außer Kraft gesetzt werden könne".

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