Ruhe nach dem Doping-Sturm

SID
Montag, 24.03.2008 | 12:42 Uhr
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© Getty
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Freiburg - Nach dem Doping-Sturm ist erst mal Ruhe eingekehrt. Doch der nächste Aufreger um das ehemalige T-Mobile-Team ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Denn neue Indizien für eine mögliche Verstrickung der beiden Freunde Jan Ullrich und Andreas Klöden sowie für einen "Rhein-Konvoi" des Bonner Tour-de-France-Teams 2006 zum Dopen nach Freiburg lassen den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nicht zur Ruhe kommen.

Nach Ostern will sich BDR-Chef Rudolf Scharping mit der Untersuchungskommission der Uniklinik Freiburg treffen, um "Informationen auszutauschen und abzugleichen".

Wohl keine Sanktionen für Klöden

Klöden hat derweil trotz einer umstrittenen Medikamentenlieferung zunächst keine Sanktionen durch seinen Astana-Rennstall zu befürchten.

Beim Treffen von BDR und Kommission, sofern es überhaupt stattfindet, wird es um den vorgestellten Zwischenbericht gehen, nach dem bei T-Mobile und dessen Vorgänger-Team Telekom zwischen 1993 und 2006 unter ärztlicher Kontrolle systematisch gedopt worden sein soll.

Auch Klödens Name dürfte fallen, da der Kommissionsvorsitzende Hans Joachim Schäfer von einer nächtlichen, gekühlten Medikamentenlieferung an dessen Freundin im Jahr 2000 berichtet hatte.

Klöden räumte Lieferung ein

Gegenüber seinem Team räumte Klöden die Lieferung ein, bestritt aber ein Doping-Vergehen. "Er hat unserem Teamchef Johan Bruyneel gesagt, dass da nur Vitamine drin waren", sagte Astana-Sprecher Philippe Maertens.

Kronzeuge Jörg Jaksche, der wie Patrik Sinkewitz der Kommission Rede und Antwort gestanden hatte, wies auf ein doppeltes Dilemma hin, das typisch für die mühsame Aufklärungsarbeit sei: "Klöden kann nie beweisen, dass keine Doping-Mittel drin waren, aber es kann auch keiner beweisen, dass welche drin waren."

Klöden, der bei der spanischen Rundfahrt Castilla y Leon zum Zeitfahren antrat, habe keine Strafe zu erwarten, sagte Maertens: "Uns sind im Moment die Hände gebunden, bis klare Fakten auf dem Tisch liegen. Am Dienstag wird es ein persönliches Gespräch zwischen Klöden und Bruyneel geben."

Doch nicht nur die merkwürdige Lieferung wirft Zweifel an Klödens sauberer Vergangenheit auf. Auch das Verwirr-Spiel um den möglichen "Rhein-Konvoi" des T-Mobile-Teams während der Tour 2006 könnte zwischen BDR und Kommission zur Sprache kommen.

Sinkewitz fordert Namen

Laut Kommission sollen sich außer dem geständigen Sinkewitz, der die Verwicklung anderer Fahrer zurückweist, mindestens zwei weitere Profis Eigenblut-Transfusionen unterzogen haben.

Sinkewitz forderte die Mitglieder auf, Namen zu nennen: "Dann sollen sie auch sagen, wer und wie das war." Der Hesse betonte: "Was meine Sache betrifft, ist alles durch."

Unterdessen gab Erik Zabel, dessen Name in dem Bericht ebenfalls auftaucht, detailliert über seine elf Jahre zurückliegende Doping- Praxis mit EPO Auskunft.

"Ich habe jeden zweiten Tag zehn Einheiten gespritzt - 13 Tage vor der Tour de France, eine Woche während der Tour. Dann habe ich die Sache abgebrochen."

Der Milram-Sprinter und Schäfer betonten, dass sich die Berichtspassage "Auch Zabel begann 1996 während der Tour de Suisse eine dreiwöchige EPO-Kur" mit Zabels öffentlichem Geständnis vom 24. Mai 2007 decke.

Jaksche kritisiert Publikmachung

Nach dem "vertraulichen Gespräch" mit Schäfer kritisierte Jaksche die Publikmachung, laut der 1993 "das ärztlich kontrollierte EPO- Doping im Team Telekom Einzug gehalten" habe.

In Deutschland werde der Doping-Skandal "brutal moralisiert: Hauptsache es wird aufgeklärt". Doping sei beileibe kein deutsches Problem. Jaksche als Profi in italienischen, spanischen und dänischen Mannschaften dürfte sich auskennen.

"Es geht jetzt weniger um Strafen als um Lösungen für die Zukunft. Es darf nicht soweit kommen, dass es wieder ein Doping- Monster gibt", mahnte der noch bis Ende Juni gesperrte Ansbacher.

Das 23-seitige Protokoll lieferte auch weitere Indizien für eine mögliche Verwicklung von Ullrich, der wie Klöden jegliches Doping bestreitet.

Eine fingierte Patientenakte unter dem Namen 'Maier, Ulrich, geboren am 02.12.1937' kommentierte Schäfer mit den Worten: "Wenn man das Geburtsjahr dreht, wird dieser alte Mann deutlich jünger." Ullrich wurde am 02.12.1973 geboren.

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