Freitag, 21.03.2008

EM-Sieger Paul Biedermann

Der schnellste Zivi Deutschlands

Eindhoven - Europameister Paul Biedermann musste kräftig einstecken. Örjan Madsens unbändiger Freudenausbruch drückte sich in drei, vier heftigen Schlägen des deutschen Cheftrainers auf den Rücken seines neuen Sieg-Schwimmers und einer innigen Männer-Umarmung aus.

© Getty

Der Norweger Madsen war maßlos erleichtert, weil einer seiner Besten dem Trend und der Lethargie trotzte und in Eindhoven mit Gold und dem tollen deutschen Rekord von 1:46,59 Minuten den Beweis antrat, dass Mut schnell machen kann.

"Er hat ein perfektes Rennen geliefert", sagte Madsen später über Biedermann, den 21 Jahre alten Zivildienstleistenden aus Halle/Saale. So perfekt und so verdammt schnell war er gewesen, dass sich die vielen Daheimgebliebenen aus dem Nationalteam womöglich neu orientieren werden.

"Paul ist einer der wenigen, die unserer Strategie gefolgt sind", lobte Madsen und erkannte schon vor Biedermanns erstem Rennen in Eindhoven dessen Angriffslust an.

Taktisch und technisch stark

Andere duckten sich daheim weg, Biedermann aber zeigte sich - und die europäische Konkurrenz sah am Schluss nur die Fersen des Deutschen. Taktisch ausgebufft, technisch exzellent, im Kopf frei. So machte sich Biedermann gleich doppelt zum Nachfolger von "Albatros" Michael Groß: Dessen Uralt-Rekord von 1:47,44 Minuten ist gelöscht, zudem ist Biedermann erster deutscher Europameister über 200 m Freistil seit Groß 1985 in Sofia.

Für Biedermann und seinen Trainer Frank Embacher war es keine Frage, sich trotz der nationalen Olympia-Qualifikation in Berlin (18. bis 23. April) schon in den Niederlanden zu stellen und ein kleines Kapitel Schwimm-Geschichte zu eröffnen.

"Die Zeit war reif"

Dabei hatte sich Biedermann höchst ungern mit der Groß-Marke beschäftigt: "Das wurde halt in den Medien geschrieben." Der neue Europameister reagierte auf seine Weise: "Ich bin froh, dass ich dieser Rekord-Diskussion entkommen bin." Und Embacher sagte nur: "Die Zeit war reif."

Auf einen wie Biedermann hat der deutsche Schwimmsport gewartet. Einfach schauen, was kommt, "lieber kleine Schritte machen als große" - der Zeitpunkt des Biedermann-Rekords und -EM-Titels ist zeitlich perfekt. Knapp fünf Monate vor Olympia ist einer da, der wachrüttelt. Und dabei will er selbst nur eines: "Ich muss auf dem Boden bleiben."


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