Mittwoch, 19.03.2008

Olympia

Olympisches Feuer auf Dach der Welt

Peking - Trotz anhaltender Proteste gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet wird das Olympische Feuer durch das größte Hochland der Erde und wie geplant auf den Mount Everest getragen.

Es gebe aber für alle Eventualitäten Ausweichpläne für den Fackellauf, sagte der Vizepräsident des chinesischen Organisationskomitees (BOCOG), Jiang Xiaoyu, vor der Presse in Peking. Notfalls könne die Route geändert werden. Auch unter Hinweis auf angebliche terroristische Aktivitäten muslimischer Unabhängigkeitskräfte in Xinjiang, einer anderen Unruheregion in Nordwestchina, sagte der BOCOG-Vizechef jedoch: "Egal was in Tibet oder Xinjiang passiert, diese Zwischenfälle werden den normalen Ablauf des Fackellaufes nicht beeinträchtigen."

Der längste Fackellauf in der olympischen Geschichte soll als "Reise der Harmonie" über 130 Tage und fünf Kontinente gehen. Mehr Menschen als je zuvor werden teilnehmen: mehr als 20 000. Das Olympische Feuer wird am kommenden Montag in Olympia in Griechenland entzündet und am 30. März in Athen an die chinesischen Organisatoren übergeben. Die angekündigten Proteste von Exiltibetern und Kritikern der Menschenrechtslage in China aus verschiedenen Ländern kritisierte der BOCOG-Vizechef als "völlig im Widerspruch zum Geist der Spiele und zur Olympischen Charta" und als eine "Bedrohung für die Olympische Bewegung". Die nötige Sicherheit für die Fackelläufer herzustellen, sei Aufgabe der Behörden in den jeweiligen Länder.

In China könne die Sicherheit gewährleistet werden. Trotz des Aufruhrs in Tibet seien die örtlichen Behörden in der Lage, einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. "Diese Zwischenfälle sind das letzte, was wir sehen wollten", sagte Jiang Xiaoyu zu den schweren Ausschreitungen in Lhasa und anhaltenden Protesten an anderen Orten. "Die Situation hat sich aber stabilisiert." Trotz der Kritik von exiltibetischen Gruppen an der Besteigung des Mount Everest, die darin eine weitere Bekräftigung des chinesischen Machtanspruchs in dem Hochland sehen, wird die Flamme als Höhepunkt des Fackellaufes im Mai auf den höchsten Berg der Erde getragen. Bereits im August des vergangenen Jahres, genau ein Jahr vor der Eröffnung der Spiele, hatten exiltibetische Aktivisten gegen das Vorhaben protestiert.

Nach der Ankunft des Olympischen Feuers in Peking am 31. März wird die Flamme aufgeteilt, damit eine Fackel direkt für die Besteigung des 8848 Meter hohen Bergs nach Lhasa gehen kann. Die andere Fackel wird durch 113 Städte und 31 Provinzen Chinas getragen. Wenn die Bergsteiger an einem Tag im Mai, wenn das Wetter günstig ist, mit einer Spezialfackel den Gipfel erklimmen, wird der Fackellauf an den anderen Orten für einen Tag unterbrochen. Nach dem Abstieg wartet diese Flamme in Lhasa, um dort mit dem Feuer aus dem Fackellauf über das ganze Land vereinigt zu werden. Aus Furcht vor Protesten von Tibet-Aktivisten haben die Behörden in diesem Monat schon die Bergtouren auf den Mount Everest beschränkt, wie Pekinger Anbieter von Himalaya-Touren bestätigten.

Die Olympia-Organisatoren wiesen indirekt erste Überlegungen des französischen Außenministers Bernard Kouchner, aus Protest gegen die Gewalt in Tibet die Eröffnungsfeier am 8. August zu boykottieren, zurück. "Was einzelne Leute oder Organisationen darüber denken, ist ihre Sache", sagte BOCOG-Vizepräsident Jiang Xiaoyu. Die Mehrheit werde aber "die richtige Entscheidung" treffen und daran teilnehmen." Kouchner distanzierte sich am Mittwoch von seinen Äußerungen, in denen er auch die ganze Europäische Union aufgefordert hatte, über ein Fernbleiben nachzudenken. Ein Boykott wäre "unrealistisch", sagte Kouchner in Paris und machte deutlich, dass er die Gesprächskanäle zu Peking nicht gefährden wolle.

Die Proteste in Tibet und China sind nach Ansicht des Dalai Lama "ein spontaner Ausdruck einer tiefsitzenden Unzufriedenheit" nach Jahren von "Repression und Missachtung der Gefühle des tibetischen Volkes". Einen Boykott der Olympischen Spiele wegen der Ausschreitungen in seiner Heimat lehne er zwar ab, sagte er in einem Interview der Tageszeitung "Südwest Presse" in Ulm. Dennoch müssten die Funktionäre in China stets an ihre Pflichten erinnert werden, die sie mit der Ausrichtung der Spiele eingegangen seien. "Als die Spiele an Peking vergeben wurden, hat sich die chinesische Führung der Weltgemeinschaft gegenüber verpflichtet, die universellen Werte wie politische Freiheit, Demokratie, Presse- und Redefreiheit zu respektieren."

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hatte wegen der Gewalt in Tibet zu einem Boykott der Eröffnungsfeier, an der rund 100 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teilnehmen wollen, aufgerufen. Einen Boykott der Spiele selbst lehnte die weltweit für Pressefreiheit kämpfende Journalistenorganisation aber ab. Der BOCOG- Vizepräsident sagte, die lang erwartete Eröffnungsfeier, die der chinesische Starregisseur Zhang Yimou inszeniert, werde unter dem Motto "Zivilisation und Harmonie" den Fortschritt und die Offenheit Chinas zeigen.


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