Montag, 31.03.2008

Überschattet von der Tibet-Krise

Rekord-Fackellauf in Peking gestartet

Peking - Überschattet von der Tibet-Krise hat in Peking der längste Fackellauf in der olympischen Geschichte begonnen. Für die farbenfroh inszenierte Feier zum Auftakt der Reise hatten chinesische Sicherheitskräfte den Platz des Himmlischen Friedens streng abgeriegelt.

Olympia, Fackel
© DPA

Als erster Läufer nahm Chinas Olympiasieger und Weltrekordler über 110-Meter-Hürden, Liu Xiang, die Flamme aus den Händen von Staats- und Parteichef Hu Jintao entgegen, der die Fackel zuvor entzündet hatte.

In einer Sondermaschine war das Feuer aus Athen in der chinesischen Hauptstadt eingetroffen. Mit den ersten Olympischen Spielen in China vom 8. bis 24. August "wird ein hundert Jahre alter Traum der chinesischen Nation Wirklichkeit", sagte Chinas Olympia-Koordinator und Vizepräsident Xi Jinping.

Keine Zwischenfälle in Peking 

An der Begrüßungsfeier mit Zirkusakrobatik, Volkstänzen, Trommlern und Peking-Oper nahmen einige tausend ausgewählte Zuschauer teil. Ein massives Polizeiaufgebot hatten den Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen), der auch 1989 Schauplatz der blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung war, weiträumig gesperrt und den Fußgängerverkehr am Rande gestoppt.

Der Verkehr auf der "Straße des Ewigen Friedens", der wichtigen Ost-West-Achse Pekings, wurde während der Zeremonie angehalten. Aus Angst vor Protesten waren auch Zeitplan und Details bis zuletzt geheim gehalten worden.

Anders als bei der Entfachung des Feuers im antiken Olympia in Griechenland und bei der Übergabe an die Pekinger Olympia-Organisatoren am Vortag in Athen, wo Exiltibeter protestiert hatten, wurden in Peking keine Zwischenfälle bekannt.

Gelegenheit, Respekt zu lernen 

In einer Grußbotschaft sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, die Fackel trage "die Botschaft von Frieden und olympischen Werten wie Spitzenleistung, Freundschaft und Respekt" um die Welt. Die Spiele in Peking seien eine Gelegenheit für die Menschen Chinas und der Welt, mehr von einander zu lernen.

In seiner Erklärung, die der Chef der IOC-Koordinierungskommission, Hein Verbruggen, vorlas, dankte Rogge auch Chinas kommunistischer Führung für ihre Unterstützung. Von Peking geht die Fackel am Dienstag auf ihre 137.000 Kilometer lange Reise durch 134 Städte auf fünf Kontinenten. Nächste Station nach Peking ist Almaty, die Hauptstadt von Kasachstan.

Politisierung der Spiele 

Die "Reise der Harmonie", wie der Fackellauf von den Olympia-Organisatoren genannt wurde, begann wegen der seit drei Wochen anhaltenden Unruhen in Tibet recht unharmonisch.

Rund 150 tibetische Aktionsgruppen haben weltweit zu Protesten entlang des Weges aufgerufen. Andere China-Kritiker wollen auch gegen Menschenrechtsverletzungen, die Verfolgung von Bürgerrechtlern oder die mangelnde Presse- und Meinungsfreiheit in China demonstrieren. Aktionen sollen auch auf die umstrittene Rolle Chinas in der Flüchtlingstragödie im sudanesischen Darfur aufmerksam machen.

China hat wiederholt eine "Politisierung der Spiele" beklagt und die Staaten entlang des Fackellaufes aufgefordert, Vorbereitungen gegen Demonstrationen zu treffen.

Machtanspruch über das Hochland 

Auf seiner Reise kehrt das Olympische Feuer am 4. Mai nach Peking zurück und besucht in den folgenden drei Monaten mehr als 100 chinesische Städte. Allein in China nehmen 19.000 Läufer teil - im Rest der Welt nur 2000. Zum Auftakt wurde das Feuer in Peking noch für das Vorhaben geteilt, mit der Flamme den Mount Everest zu besteigen.

An einem Tag im Mai, wenn das Wetter günstig ist, soll das Olympische Feuer mit einer windsicheren Spezialfackel auf den Gipfel des höchsten Berges der Erde getragen werden, während die Welt live am Fernsehen zuschaut.

Exiltibeter beklagen allerdings, dass Peking mit dem Fackellauf durch Tibet und auf den höchsten Berg der Erde seinen Machtanspruch über das Hochland bekräftigen will.

Souveränität aberkannt 

Der 8848 Meter hohe Mount Everest ist den Tibetern heilig. Das IOC und Sponsoren wurden aufgerufen, auf Peking einzuwirken, von dem Fackellauf durch Tibet abzusehen.

Nach dem Abstieg vom Mount Everest soll die Flamme in Lhasa wieder mit dem um die Welt gegangenen anderen Feuer vereint werden, das am 20. Juni in der tibetischen Hauptstadt eintrifft.

Nach dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatte sich die damals neu gegründete kommunistische Volksrepublik das Hochland einverleibt. Bei allen Sympathien heute für die Tibeter hat die Staatengemeinschaft die Souveränität Chinas über das Hochland seither aber anerkannt.


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