Dienstag, 18.03.2008

Olympia 2008

Boykott derzeit offensichtlich kein Thema

Hamburg - Ein Boykott der Olympischen Spiele in Peking ist auch nach den jüngsten Zwischenfällen in Tibet derzeit offensichtlich kein ernsthaftes Thema für Politik und Sport.

Präsident Jacques Rogge betonte, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) von keiner Seite zu einer Absage der Sommerspiele vom 8. bis 24. August in der chinesischen Hauptstadt aufgefordert worden sei. Auch die USA werden ein Team entsenden.

"Sie können sicher sein, dass das Team der Vereinigten Staaten im August in Peking dabei sein wird", erklärte Darryl Seibel, der Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC) in Denver. Zudem lehnte auch das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, erneut einen Boykott ab.

"Spiele nicht politisieren" 

Allerdings hat in Peking Regierungschef Wen Jiabao Aufrufe zum Boykott der Sommerspiele kritisiert. Mit den antichinesischen Protesten sollen nach seiner Ansicht die Olympischen Spiele "unterminiert" werden, sagte der Ministerpräsident am Dienstag auf einer Pressekonferenz zum Abschluss der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking.

"Wir sollten die Spiele nicht politisieren." Die Grundsätze der Olympischen Charta müssten gewahrt werden.

"Es hat absolut keinen Ruf nach einem Boykott gegeben", sagte Rogge der "BBC". "Wir sind ermutigt worden von der Haltung der Europäischen Union und den wichtigsten Regierungen der Welt, die alle einstimmig erklärt haben, dass ein Boykott keine Lösung ist."

Dalai Lama gegen Boykott 

USOC-Sprecher Seibel erklärte: "Stellen Sie ein Ranking der schlimmsten Ideen, die Sie sich vorstellen können, zusammen und "Olympia-Boykott" wird an der Spitze der Liste stehen."

Gegen einen US-Boykott der Peking-Spiele spricht auch schon die Geschichte. China hatte sich 1984 dem Boykott der Sommerspiele in Los Angeles durch die Sowjetunion und andere Ostblock-Staaten nicht angeschlossen.

Tashi Wangdi, der Repräsentant des Dalai Lama bei den Vereinten Nationen und für die USA, sagte der "Frankfurter Rundschau", der Dalai Lama lehne einen Boykott ab, "weil wir uns in einem Konflikt mit der chinesischen Regierung, nicht aber mit dem chinesischen Volk befinden". An dieser grundsätzlichen Unterscheidung halte der Dalai Lama allen Unruhen zum Trotz weiter fest.

"Politische Lösung"

Auch weitere deutsche Spitzenpolitiker sprachen sich gegen einen Olympia-Boykott aus. "Es macht keinen Sinn, den Sport mit einem Problem zu belasten, das politisch gelöst werden muss", sagte SPD-Vize und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Rande einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Potsdam.

Ein Boykott würde keinen durchschlagenden Erfolg bringen. Dies hätten die Erfahrungen aus dem Boykott der Spiele 1980 in Moskau gezeigt.

Der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher verwies ebenfalls auf die Erfahrungen mit dem Boykott der Spiele 1980, die gezeigt hätten, dass ein solches Vorgehen nicht immer die gewünschte Wirkung erziele.

"Die Wirkung, die wir erzielen wollten, nämlich den Krieg der Sowjetunion in Afghanistan zu beenden, die konnten wir durch unsere Politik des Dialogs und der Zusammenarbeit erreichen", sagte der FDP-Politiker im "RBB"-Inforadio.

Eröffnungsfeier boykottieren 

Dagegen hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler appelliert, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren.

"Wenn deutsche Politiker nicht zu den Eröffnungsfeierlichkeiten erschienen, würden sie ein deutliches Zeichen für die Einhaltung internationaler Standards in Sachen Menschenrechte und Völkerrecht setzen. Die Sportler würden dadurch nicht getroffen", erklärte GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch.


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