Donnerstag, 27.03.2008

Motorsport

Ex-Weltmeister Mang warnt vor Euphorie um Bradl

Hohenstein-Ernstthal - Der frühere Weltmeister Toni Mang hat vor dem Großen Preis von Spanien am bevorstehenden Wochenende vor zu viel Euphorie um Stefan Bradl gewarnt und gleichzeitig den deutschen Nachwuchs kritisiert.

"Man darf ihn nicht so hochjubeln. Damit wächst der Druck und die Leistung schlägt ins Negative um", bemerkte der fünfmalige Weltmeister. "Er muss sich entwickeln, braucht Zeit und Ruhe. Dann wird er ja vielleicht einmal ein Großer", sagte Mang bei einem Pressetermin auf dem Sachsenring.

Bradl war beim Weltmeisterschaftsstart in der 125er Klasse in Katar überraschend auf den dritten Rang gefahren und hatte damit Hoffnungen bei den seit Jahren nicht mehr zur Weltspitze gehörenden Deutschen geweckt. In Jerez wird nun der zweite WM-Lauf der Saison gestartet.

Talente zu stark hofiert

Eine übertriebene Hofierung der Talente sieht Mang als eine Ursache, warum deutsche Piloten vor allem den Spaniern und Italienern hinterherfahren.

"Die Nachwuchspiloten trägt man auf der Sänfte und macht ihnen alles zurecht. So kommt es, dass sie zwar Rennen fahren können, aber von der Technik unter ihnen keine Ahnung haben. Man muss sich aber in die Welt des Motorsports einlernen", sagte der 58-Jährige, der selbst viel für die Förderung junger Fahrer tut.

Spanien kein Vorbild

Mang selbst war zunächst jahrelang als Mechaniker von Dieter Braun tätig und entwickelte nebenbei seine eigenen Maschinen. Mit 25 Jahren ging er erstmals bei einem Weltmeisterschaftslauf als Pilot an den Start.

Die frühzeitige gezielte Förderung des Nachwuchses nach spanischem Modell hält Mang für zu einseitig und plädiert stattdessen für eine ausgewogene Kombination aus Sport und Schule. "Wenn es parallel zum Training nicht auch eine gute schulische Ausbildung gibt, kann sich der Weg im Motorradsport schnell als Sackgasse erweisen", stellte Mang klar und betonte: "Nur mit viel Arbeit und Entbehrungen kommt man an die Spitze."


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