Mittwoch, 19.03.2008

Eistanz

Eistänzer: Ohne Pass kein Olympia 2010

Göteborg - Sie haben ein großes Ziel und würden fast alles dafür tun: das russisch-deutsche Sportlerpaar Nelli Zhiganshina und Alexander Gazsi träumt von Olympia 2010 in Vancouver.

Das größte Hindernis ist jedoch die fehlende deutsche Staatsbürgerschaft der 20 Jahre alten Moskauerin, die mit Ausnahme der Olympischen Spiele bei allen Wettbewerben für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) starten darf.

"Wir würden alles machen, sogar heiraten", sagte der drei Jahre ältere Gazsi nach dem 19. Platz im Pflichttanz bei den Weltmeisterschaften in Göteborg. Eine Einbürgerung braucht in der Regel drei Jahre - viel zu lang für die Winterspiele in zwei Jahren.

Strapazen für den Erfolg

Vor genau drei Wintern zog es den Chemnitzer aus Mangel an guten deutschen Tanzpartnerinnen nach Moskau. Mit der grazilen Nelli, die die exzellente russische Ballettausbildung genossen hatte, klappte es sofort.

Seitdem nimmt der Sachse eine Menge Strapazen in Kauf, wohnt nicht gerade luxuriös in der russischen Hauptstadt, quält sich stundenlang durch den Verkehr zur Eishalle und lernte die Landessprache.

Gazsi bald öfter in Deutschland 

"Wenn ich meinen Trainingskollegen von den guten Bedingungen in Deutschland erzähle, werden die richtig neidisch. Leider gibt es so wenig gute Eistanz-Trainer, sonst würden wir sofort nach Deutschland umziehen, egal wohin", erzählt der hochgewachsene Gazsi, der in diesem Jahr wegen des Eintritts in die Sportfördergruppe der Bundeswehr viel öfter in Deutschland sein wird.

Operation steht an

Möglicherweise wird er sich dann auch am Handgelenk operieren lassen, denn seit vergangener Saison quält er sich mit Schmerzen von einem gerissenen Band von Wettkampf zu Wettkampf.

"Die Ärzte sagen, ich muss es dringend machen lassen, sonst droht irgendwann die Arthrose", erzählt Gazsi, "aber wir haben keine Zeit, und der Körper gewöhnt sich an die Schmerzen".

Eigentlich hätte er Zeit gehabt nach den Show-Auftritten bei der Abschiedstournee von Katarina Witt.

Unverhoffte Nominierung

Doch dann kam die Last-Minute-Nominierung für die WM, weil die Geschwister Christina und William Beier (Sehnenscheidenentzündung) ausfielen.

"Wir hätten schon erwartet, dass man uns etwas früher Bescheid gibt", sagt Gazsi, der sich mit kritischen Worten nicht zurückhält. Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), wurde auch nicht frühzeitig informiert.

Er zeigt Verständnis für die Probleme des Paares und will die Einbürgerung von Nelli vorantreiben. Wenn das nicht zu spät ist.


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