Schwanitz: 100 Kilo Lebensfreude im Ring

SID
Freitag, 07.03.2008 | 12:18 Uhr
mehrsport, leichtathletik, schwanitz
© DPA
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Valencia - Kugelstoßerin Christina Schwanitz, gut 100 Kilo schwer und der neue "Kugelblitz" in der erfolgsverwöhnten deutschen Werferszene, hofft bei der Hallen-WM in Valencia auf ein fulminantes Comeback auf internationaler Bühne.

Beim Meeting in Chemnitz vor einer Woche stieß sie mit 19,68 Meter in die Weltspitze vor. "Irgendwann, wenn ich groß bin", sagte die erst 22-Jährige im Mannschaftshotel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), "hoffe ich, dass es mal 23 Meter gibt".

DLV-Präsident Clemens Prokop und der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow bemühten sich in diesem Moment, ihre Gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen.

Die Weltrekorde im Kugelstoßen stehen seit 1977 bei 22,50 Meter in der Halle (Helena Fibingerowa/Tschechien) und seit 1987 bei 22,63 Meter im Freien (Natalja Lisowskaja/Russland).

"21 Meter wären auch nicht schlecht"

Sie gehören zu jenen Bestmarken, die die Anti-Doping-Kämpfer am liebsten aus den Rekordlisten löschen würden. "Wenn 21 Meter dabei rauskommen würden, wäre das auch nicht schlecht", kommentierte Mallow die Ankündigungen seiner schwergewichtigen Athletin.

Ob 23 Meter ohne verbotene Mittel überhaupt möglich sind? "Ich gehe davon aus", sagte Schwanitz und streckte ihre mächtigen Oberschenkel. "Ich glaube, dass ich die körperlichen Voraussetzungen dazu habe."

Allerdings ist die gebürtige Sächsin, die für den schwäbischen SV Neckarsulm startet und im Bürgermeisteramt von Sersheim eine Ausbildung zur Sekretärin macht ("Vorzimmerdame - mein Traumberuf"), nach ihrem neunten Platz bei der WM 2005 in Helsinki mächtig gebeutelt worden: Fünf Operationen musste sie wegen einer angeborenen Zehenschrägstellung über sich ergehen lassen.

Ärzte-Pfusch an den Füßen

"Es wurde gepfuscht, gepfuscht und noch mal gepfuscht und einmal zu viel vom Knochen weggenommen", erklärte sie. Vier ganze Schrauben habe sie noch in den Füßen, dazu zwei abgebrochene.

"Wenn ich mit dem Finger über die Haut streiche, spüre ich die Riffel vom Kreuz", erklärte sie und lachte glucksend. "Und bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen piepe ich."

Bei den deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen in Sindelfingen sei ihr der Titel "definitiv geklaut worden" wegen eines zu Unrecht nicht gegebenen Versuchs, so Schwanitz.

Quantensprung auf Rang zwei

In Chemnitz haute sie das vier schwere Eisen dann auf 19,68 Meter hinaus - ein Quantensprung auf Platz zwei in der Weltbestenliste. Ein bisschen Wut habe dahintergesteckt " und die pure Freude am Sport.

"Ich habe schließlich zwei Jahre nicht Kugelstoßen dürfen, nicht in den Kraftraum dürfen und nicht sprinten dürfen". Sie möchte, betonte sie, "auffallen - und zwar durch Leistung und nicht dadurch, dass ich mir im Sommer schon mal die Haare pink färbe".

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