Donnerstag, 14.02.2008

Bei der Vuelta aber willkommen

Tour-Ausschluss bringt Contador in Rage

Berlin - Die Rote Karte durch die Veranstalter der Tour de France hat den Spanier Alberto Contador in Rage gebracht.

Radsport, Contador, Tour de France
© DPA

Als er vom Tour-Aus seines Astana-Teams erfuhr, startete der 25-Jährige auf der 4. Etappe der Mallorca-Rundfahrt einen wütenden Ausreiß-Versuch, schrie trotzig in die Mikrofone des spanischen Fernsehens: "Astana bei der Tour!" und gab im Ziel unter Tränen die dramatische Änderung seiner Saisonpläne bekannt. Er wolle sich nun zwangsläufig auf Olympia und die Vuelta konzentrieren, sagte Contador, im vergangenen Juli erstmals Toursieger.

Das dürfte auch auf Andreas Klöden zutreffen, der am 20. Februar bei der Algarve-Rundfahrt in Portugal verspätet in die Saison starten will und laut Manager Tony Rominger nicht an einen Wechsel denkt. Vuelta-Direktor Victor Cordero, der Astana im Vorjahr nicht starten ließ, folgt nicht dem aktuellen Giro- und Tour-Beispiel und erklärte: "Die Mannschaft ist willkommen."

Ein Teamwechsel, wozu ihm einige spanische Zeitungen rieten, dürfte für Contador wohl kaum infrage kommen. Tour-Chef Christian Prudhomme hatte dem Internetanbieter "cyclingnews" erklärt, in einem anderen Team stehe einem Contador-Start nichts im Wege.

Ein Wechsel ist kein Thema 

Auf Wechsel-Absichten angesprochen, die die Freigabe durch seinen kasachischen Sponsor voraussetzen würden, sagte der Spanier in Soller auf Mallorca nichts. Klöden würde seinen fürstlich dotierten Vertrag verlieren, sollte er sich einem anderen Team anschließen.

"Er hat einen laufenden Vertrag bis Ende des Jahres. Wir warten erst mal ab und erarbeiten einen alternativen Wettkampfplan. Ein Wechsel ist kein Thema", sagte Rominger.

Schon nach dem Giro-Aus hatten die Astana-Geldgeber - potente Industrie-Unternehmen Kasachstans unter der Schirmherrschaft der Landesregierung - dem Team Rückhalt signalisiert. Ob sie auch eine zumindest einjährige Tour-Abstinenz schlucken werden, bleibt abzuwarten.

Team-Manager Johan Bruyneel lamentierte nach der Schock- Nachricht aus Paris von himmelschreienden Ungerechtigkeiten und verwies auf seinen teaminternen, strikten Anti-Doping-Kurs unter dem dänischen Experten Rasmus Damsgaard, der seine zum ersten Mal bei CSC erprobten Test-Methoden inzwischen zum Export-Schlager machte.

Nicht ausreichend für Image-Politur 

"Wir geben 460.000 Euro dafür aus", meinte Bruyneel. Der Belgier, der hinter der Siegesserie des siebenfachen Tour-Rekordsiegers Lance Armstrong stand, musste aber einsehen, dass diese Mittel für seine Image-Politur und die des Teams offensichtlich nicht reichten.

"Im Vorjahr haben wir dem neuen Astana-Team vertraut", das aus der Asche des ehemaligen Liberty-Managers Manolo Saiz, eines Hauptakteurs der Doping-Affäre Fuentes, hervorgegangen sei, sagte Tour-Chef Prudhomme. Aus diesem Fehler habe man aber gelernt.

Marc Biver hatte das Saiz-Erbe übernommen und sich daran gründlich verhoben. Unter der Ägide des Luxemburgers war es bei der Tour 2007 zum Doping-Eklat um den Team-Kapitän Alexander Winokurow gekommen, der des Fremdblut-Dopings überführt wurde. Vorher war Astana-Fahrer Matthias Kessler positiv auf Testosteron getestet worden. Nach dem vorzeitigen Tour-Ausstieg der gesamten Mannschaft war Winokurow-Helfer Andrej Kaschetschkin den Doping-Fahndern ins Netz gegangen.

Geschockt und enttäuscht 

Die Problematik der Astana-Vergangenheit sei ihm klar, aber die gesamte Team-Struktur und die Führungs-Ebene habe sich total geändert, gab der neue Astana-Lenker Bruyneel zu bedenken. "Teams mit ähnlich verdächtiger Vergangenheit" dürften laut Bruyneel dagegen ungerechterweise starten.

"Ich bin geschockt und sehr enttäuscht. Zusammen mit meinen Freunden, der Familie und Fans können wir absolut nicht verstehen, warum wir Albertos Titel nicht mit zwei aussichtsreichen Fahrern, mich inklusive, verteidigen können", sagte Astana-Co-Kapitän Levi Leipheimer (USA), der bis 2006 das Team Gerolsteiner anführte. Leipheimer will ab Sonntag seinen Sieg vom Vorjahr bei der Kalifornien-Rundfahrt verteidigen.


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