Olympia

Keine Angst vor gedopter Peking-Ente

SID
Donnerstag, 21.02.2008 | 11:42 Uhr
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Peking - Reicht der Genuss einer fetten Peking-Ente oder einer hoch gezüchteten Hühnerbrust, um sich beim Doping-Test während der Olympischen Spiele in China unangenehme Fragen anhören zu müssen?

Der Chef der Pekinger Lebensmittelaufsicht, Lu Yong, will davon nichts wissen: "Wir haben bislang keinen wissenschaftlichen Bericht gesehen, dass das möglich ist." Wer den Beweis irgendwo lese, solle ihm den Artikel schicken, forderte der Nahrungsmittelwächter der Olympiastadt die kritische internationale Presse auf.

So weit hergeholt scheint die Sorge aber keineswegs: Selbst der frühere Direktor des chinesischen Doping-Kontrollzentrums, Yang Shumin, warnte schon vor einem Jahr vor einem solchen Szenario: Chinesisches Fleisch enthalte so viel Anabolika, dass die Möglichkeit durchaus real sei, zitierte ihn die "China Daily".

"Die Sorge geht bis hoch in die Spitze der Regierung." Tatsächlich ist der Einsatz von Wachstumshormonen oder Antibiotika in Chinas Viehzucht so weit verbreitet, dass informierten Verbrauchern der Appetit vergeht.

Doch bestreitet Direktor Lu Yong Berichte, dass Putenbrüste mit hohen Rückständen in Supermärkten zu finden seien und allergische Reaktionen auslösen könnten, was zum Beispiel die US-Athleten stark beunruhige.

Sicherheit garantiert 

"Das Hühnerfleisch ist sehr sicher", beteuert Lu Yong auf der Pressekonferenz, die einmal mehr demonstriert, wie stark die jüngsten Skandale um mangelnde Lebensmittelsicherheit in China die Olympia-Organisatoren in die Defensive gebracht haben.

"Wir haben ein solides System für die Nahrungsmittelsicherheit aufgebaut", schwört die Sprecherin des städtischen Amtes für Lebensmittelsicherheit, Tang Yunhua: "Wir können die Sicherheit während der Spiele garantieren."

Das aufwendige System geht nach ihren Worten sogar so weit, dass alle Bestandteile etwa einer Fischsuppe, die in einem Olympia-Hotel auf den Tisch kommt, in Sekundenschnelle über eine Datenbank zurück verfolgt werden könnten: Wo der Fisch herkomme, welche Medikamente bei seiner Aufzucht eingesetzt worden seien, woher das Fischfutter stamme und wie der Fisch nach Peking und zum Hotel transportiert worden sei - einschließlich des Namens der Fahrers und Autonummer.

Genaue Überwachung 

Die Antwort der Sprecherin auf eine Frage einer unverändert skeptischen US-Journalistin, wie denn sichergestellt werde, ob der Fischzüchter bei seinen Angaben nicht gelogen habe, bleibt leider auffällig vage.

Damit bei dem feuchtheißen Augustwetter zumindest alles frisch bleibt, werden Lieferwagen auf ihren Routen aber mit Navigationssystemen verfolgt. Thermometer schlagen über Funk Alarm, wenn der Fahrer vergessen sollte, die Tür zum Kühlraum zu schließen. Innerhalb von 30 Sekunden könne die Aufsicht unterrichtet werden.

Die Nahrungsmittel würden vom Züchter oder Bauern über ihre Verarbeitung bis hin zum Verzehr im Olympischen Dorf genau überwacht. Auch für Rückstände von Chemikalien gebe es strenge Vorschriften, "die deutlich über internationalen Standards liegen", versichert Sprecherin Tang Yunhua. Doch ist damit gemeint, so wird erläutert, dass es andere Länder gibt, die niedrigere Grenzwerte ansetzen.

USA bringen eigene Lebensmittel 

Dass die amerikanische Olympia-Mannschaft kein Vertrauen hat und lieber ihre eigenen Lebensmittel mitbringen will, ist ein Schlag für die sichtlich bemühten Organisatoren.

"Ich bin enttäuscht", gibt die Leiterin des Essensprogramms der Spiele, Kang Yi, zu. Ganz unproblematisch ist die Sache auch nicht: Wie schon bei früheren Spielen dürfen Sportler keine Nahrungsmittel ins Olympische Dorf bringen. Auch müssen strenge Einfuhrregeln beachtet werden.

Allerdings soll "Team Amerika" ohnehin außerhalb von Peking ein ganzes Hotel als Stützpunkt angemietet haben, um seine Sportler autark versorgen zu können. Dafür besteht aus Sicht der Pekinger Verantwortlichen aber überhaupt kein Anlass: Es wäre doch auch schade, wenn die US-Sportler getrennt wären von den anderen Athleten aus aller Welt und auf das olympische Gemeinschaftserlebnis verzichten müssten, meinte Direktorin Kang Yi etwas resigniert.

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