Samstag, 23.02.2008

Rüstiger Renn-Rentner

"Hans im Glück" Herrmann wird 80

Stuttgart - Mit dem legendären Silberpfeil W 196 und seinem letzten Siegerauto Porsche 917 dreht Hans Herrmann auch heute noch begeistert seine Runden.

Motorsport, Hans Hermann
© DPA

"Ich fahre immer noch gerne die alten Rennwagen", gesteht er seine ungebrochene Liebe zum Motorsport. Am liebsten würde der rüstige Renn-Rentner auch an seinem 80. Geburtstag am 23. Februar ins Cockpit steigen und durch die Gegend brausen.

"Aber das geht nicht. Flucht ist unmöglich", sagt der lebensfrohe Schwabe. Herrmanns Geburtstag wird groß gefeiert - unter anderem im Mercedes- Museum: "Ich freu' mich drauf."

Ruhestand ist für den umtriebigen Schaffer ein Fremdwort. Autos und Motoren bestimmen noch heute seinen Lebensrhythmus. Täglich fährt Herrmann in seine Firma für Autotechnik in Sindelfingen-Maichingen.

"Ich hab das Sagen" 

"Ich würde meiner Frau ja auf den Wecker gehen, wenn ich zu Hause sitzen würde", sagt er. "Ich bin fit und voll im Geschäft." Klar, dass er auch nach seinem Achtzigsten dank seiner Gesundheit weiter der Chef bleibt: "Ich hab' immer noch das Sagen und kann mir das auch gar nicht anders vorstellen."

Vor drei Monaten erhielt Herrmann eine neue Hüfte - Spätfolge eines schweren Unfalls beim Großen Preis von Monaco 1955. "Die Ärzte sagten mir damals, ich würde damit früh Probleme bekommen", berichtet er. "Sonst brauche ich keine Ersatzteile. Mein Motor läuft noch rund."

Damals war dem Unfallopfer aber nicht zum Scherzen zumute gewesen. "Ich war dem Tod näher als dem Leben. Wäre nicht zufällig ein Stuttgarter Arzt, ein Spezialist für Herz- und Kreislauferkrankungen, als Rennbesucher in Monaco gewesen, wäre ich gestorben", schrieb Herrmann in seinem Buch "Ich habe überlebt".

Das Glück auf seiner Seite 

Aus jener Zeit rührt Herrmanns Spitzname "Hans im Glück". Seinen ersten schweren Crash hatte er 1954 bei Testfahrten mit dem Mercedes W 196 auf dem alten Hockenheimring überstanden. Nach neun Tagen im Krankenhaus trat er für Porsche auf dem Nürburgring an, obwohl seine Beine noch stark schmerzten. Dann kam Monte Carlo.

1959 flog er auf der Berliner Avus nach einem Einschlag in die Strohballen 70 Meter durch die Luft, nachdem die Bremsen an seinem BRM versagt hatten. Trotz mehrerer Überschläge kam der damals 31-Jährige mit leichten Verletzungen davon. "Ich hatte immer Sau-Glück", räumt Herrmann ein.

Vom Rennbazillus war Herrmann schon als Knirps infiziert. "Motorsport hat für mich alles bedeutet. Das war schon als kleiner Bub mein Traumberuf", erzählt er. Allerdings endete sein Debüt als 24-Jähriger in einem Fiasko: Der Neuling verfuhr sich bei der Hessischen Winterfahrt hoffnungslos. "Es war Nacht und wir hatten keine Ahnung, wo wir waren. Da wusste ich, Rallyes sind nichts für mich", schildert er den Reinfall.

22 Siege in 100 Rennen 

Als ihn Porsche 1953 als Werksfahrer verpflichtete, war Herrmanns Aufstieg besiegelt. Das Naturtalent bewies seine Fähigkeiten mit Klassensiegen bei den Klassikern Mille Miglia und Le Mans. Der legendäre Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer nahm den Jungspund 1954 beim Comeback der Silberpfeile in sein Formel-1-Team auf. "Benjamin", so der von Neubauer verpasste Spitzname, schloss seine erste Grand-Prix-Saison nach einem dritten Platz in der Schweiz und einem vierten Rang in Italien als Gesamtsechster ab.

Herrmann war ein Allrounder wie alle guten Piloten in jener Zeit. In 18 Jahren Motorsport fuhr er vom Bergrennen bis zur Formel 1 beinahe alles, was vier Räder hatte: Neben seinen Hausmarken Porsche und Mercedes steuerte er Abarth, Borgward, BRM, Ferrari, Lotus, Lola Cooper und Maserati. In genau 100 Langstreckenrennen feierte er 22 Siege.

Dreimal wurde Herrmann deutscher Rennsportmeister. Zu seinen schönsten Triumphen zählt er den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1970 im anfangs nur als "das Geschwür" geschmähten 917er: "Es war für Porsche und mich der erste Gesamtsieg bei diesem Langstrecken-Klassiker." Zudem war es Herrmanns letztes Rennen. "Ich hatte meiner Frau Magdalena vor der Abreise am Gartentürle versprochen, dass ich im Fall eines Sieges aufhöre."


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