Sonntag, 24.02.2008

Betrug und Anstiftung zum Betrug

Franke erstattet Anzeige gegen Klöden

Hamburg - Dopingexperte Werner Franke hat gegen Andreas Klöden und weitere frühere T-Mobile-Profis Strafanzeige wegen Betrugs erstattet.

Radsport, Werner Franke
© DPA

Dies sagte der Heidelberger Molekularbiologe und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel". Franke ist davon überzeugt, dass "zwischen fünf und sieben" Profis während der Tour de France 2006 an der Freiburger Universitätsklinik gedopt haben.

Namentlich habe er in der Strafanzeige auch Klöden, den Nürnberger Matthias Kessler, den damaligen Kapitän Michael Rogers (Australien), den Ukrainer Sergej Gontschar und Eddy Mazzoleni (Italien) aufgelistet, erklärte Franke.

Zudem werde er am 25. Februar eine Anzeige wegen Betrugs und Anstiftung zum Betrug gegen Olaf Ludwig, den damaligen Sportlichen Leiter des T-Mobile-Team, abschicken. Franke fragte: "Olaf Ludwig war der verantwortliche Teamleiter. Will der nicht gemerkt haben, dass seine Fahrer bei der Tour für mehrere Stunden verschwunden sind?"

Klöden und Kessler streiten ab 

Der 32-jährige Klöden und der bis Mitte 2009 wegen Testosteron-Dopings gesperrte Kessler bestreiten, jemals Blut-Doping betrieben zu haben. Der Wahlschweizer Klöden fährt seit 2007 für den Astana-Rennstall, der in diesem Jahr von Giro d'Italia und Tour de France ausgeladen wurde. Kessler wurde von Astana nach dem Dopingfall fristlos entlassen.

Ausgelöst wurden die Berichte über Doping mit Eigenblutkonserven an der Freiburger Uni-Klinik durch den Radsport-Kronzeugen Patrik Sinkewitz. Der frühere Magenta-Fahrer hatte zugegeben, nach der ersten Etappe der Tour 2006 von Straßburg nach Freiburg gefahren zu sein, um sich dort unter der Regie der damaligen T-Mobile-Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid Bluttransfusionen zu unterziehen.

Gerüchte über einen "Rhein-Konvoi" des früheren Bonner Rennstalls während der Frankreich-Rundfahrt zum Eigenblut-Doping im Breisgau bestätigte Sinkewitz nicht. "Es war kein anderer Fahrer in meinem Auto nach Freiburg dabei", hatte der Hesse Anfang Januar gesagt.

Der Tod der Kronzeugenregelung 

Doch Franke ist überzeugt, dass Sinkewitz nicht allein zur Uni- Klinik gefahren ist. Die Namen, die er in der Anzeige an die Staatsanwaltschaften Bonn und Freiburg aufgelistet habe, habe er von der Ergebnisliste der Tour 2006 abgeschrieben. "Ich habe gegen alle T-Mobile-Fahrer Anzeige gestellt, die beim sogenannten 'Rhein-Konvoi' dabei gewesen sein sollen. Herr Sinkewitz war nicht der allein von den Ärzten gedopte Fahrer", sagte der Heidelberger Anti-Doping- Aktivist. "Meine Intention ist, diesen immensen Missbrauch an einer deutschen Uni-Klinik aufzudecken."

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" und des "Spiegel" soll Sinkewitz in den kommenden Tagen von Beamten des Bundeskriminalamts in Anwesenheit eines Richters verhört werden. Dann soll der 27-Jährige die Namen anderer Fahrer nennen, die in Freiburg gedopt haben sollen.

Sollte Sinkewitz bei dieser Vernehmung falsche Aussagen machen, könnten ihm drastische Sanktionen bis hin zu einer Gefängnisstrafe drohen. "Das wäre der Tod der Kronzeugenregelung, wenn man ihn zwingen würde, Namen zu nennen", kritisierte Sinkewitz-Anwalt Michael Lehner.


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