Samstag, 16.02.2008

Doping

Doping-Experte Holdhaus: Anzeige fragwürdig

Wien - Der Wiener Sportwissenschaftler und Dopingexperte, Hans Holdhaus, hat die anonyme Anzeige gegen rund 30 Spitzensportler überwiegend aus Österreich und Deutschland scharf kritisiert.

"Eine anonyme Anzeige ist nicht mehr als ein Gerücht. Schlimm ist dabei nur, dass man sich nicht dagegen wehren kann", sagte Holdhaus. "Ich bin, weiß Gott, gegen Doping. Wenn es Indizien gibt, dann gehören sie auf den Tisch und die Schuldigen gehören gnadenlos verfolgt."

Holdhaus, langjähriger Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung in Wien, will nicht ausschließen, dass die inzwischen veröffentlichte Liste von Spitzensportlern "frei erfunden ist". Zumindest aus österreichischer Sicht wirke die Namensliste "bunt zusammengewürfelt". Ein Doping-Netzwerk sei hier überhaupt nicht zu erkennen. Von all den Medizinern, die genannt werden, "kenne ich überhaupt nur einen". Holdhaus: "Man hat fast das Gefühl, das alles ist frei erfunden", und eine "böse Absicht" sei nicht auszuschließen. "Wenn es hier einen Geschädigten gibt, dann ist es der Sport", klagte der Mediziner.

Am Vortag war in Österreich eine Liste aufgetaucht, auf der unter anderem Namen deutscher Biathleten stehen sollen, die mit einer Wiener Blutbank in Verbindung gebracht werden. Ins Rollen kam die Affäre durch eine anonyme Anzeige. Die komplette deutsche Biathlon-Mannschaft bei der WM in Östersund und auch ehemalige Biathleten haben die Gerüchte zurückgewiesen. Der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), Alfons Hörmann, sprach von einer "böswilligen Rufmordkampagne, die den DSV und den Biathlonsport in Gänze nachhaltig beeinträchtigen."


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