Dienstag, 15.01.2008

Suche nach dem Retter

Team Gerolsteiner setzt auf fremde Hilfe

Gerolsteiner - Die Mannschaft für die Abschiedstournee steht, doch die Suche nach dem künftigen Sponsor für den Gerolsteiner-Radrennstall geht weiter.

Gerolsteiner
© Getty

Trotz intensiven Werbens kann Teammanager Hans-Michael Holczer noch immer keinen Retter präsentieren, der beim Rad-Team die Nachfolge des am Jahresende scheidenden Mineralwasser-Herstellers antreten will. 

Um die Chance auf eine erfolgreiche Akquise zu erhöhen, setzt Holczer auf Mithilfe des Sportvermarkters Sportfive. "Nicht auszuschließen, dass dieses Team am Ende des Jahres nicht mehr existiert. Aber ein solches Worst-Case-Szenario ist bei uns im Moment nicht präsent", sagte er bei der Vorstellung der neuen Mannschaft, die nach den jüngsten Schlagzeilen um Stefan Schumacher mehr denn je um ihre fernere Zukunft bangen muss. Schumacher selbst drohen teaminterne Konsequenzen, deutete Holczer an.

Schumacher-Affäre erschwert Mission

Obwohl die Zeit langsam aber sicher knapp wird, hofft Holczer noch immer auf ein Happy End im Kampf um etwa 60 Arbeitsplätze. Doch die Affäre Schumacher erschwert seine Mission ungemein.

Der schon kurz nach der WM in Stuttgart mit auffälligen Blutwerten ins Gerede gekommene Profi ließ vor einer Woche über ein Medienbüro mitteilen, dass die Polizei nach seiner Alkoholfahrt im Auto am 7. Oktober 2007 auch Spuren von Amphetaminen in seinem Blut gefunden hatte.

Aus seiner Verärgerung machte Holczer keinen Hehl. "Anwälte haben mir zwar empfohlen, es als Schumachers Privatangelegenheit anzusehen. Aber so kann es nicht weiter gehen. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Es gibt Gespräche", kündigte der Manager an, der eine Trennung von Schumacher nicht kategorisch ausschließen wollte.

"Dazu sage ich nichts" 

Holczers ausweichende Antwort auf die Frage, ob der WM-Dritte in der Saison 2008 definitiv für das Team Gerolsteiner in die Rennen gehe, ließ Raum für Spekulationen: "Dazu sage ich nichts."

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte den Vorfall nicht als positiven Test gewertet, weil das Aufputschmittel auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping Agentur WADA außerhalb der Wettkampfzeit nicht aufgeführt wird.

Der Radprofi beteuerte seine Unschuld und sieht sich mehr als Opfer denn als Täter. "Ich werde da in eine Schublade gesteckt, in die ich nicht gehöre und fühle mich unfair behandelt. Warum sollte ich eine Woche nach dem Saisonende dopen? Ich bin ein sauberer Sportler und werde ein sauberer Sportler bleiben."

Sportfive soll helfen 

Von atmosphärischen Störungen zwischen ihm und Holczer will der Schwabe nichts bemerkt haben. "Natürlich war er verärgert, weil diese Geschichte schlecht für die Sponsorensuche ist. Aber ich spüre noch immer Rückhalt."

Solche Diskussionen kommen für Holczer zur Unzeit. Längst ist die von Doping-Affären überschattete Sportart bei Sponsoren in Verruf geraten. Mit Hilfe des Vermarkters Sportfive will der Manager die zum Überleben nötigen acht Millionen Euro auftreiben.

"Es wäre doch ein Jammer, wenn diese Erfolgsgeschichte zu Ende gehen würde", sagte Sportfive-Geschäftsführer Thomas Röttgermann, "dieser Sport hat noch immer Einiges zu bieten."

Team hat sich viel vorgenommen

Angesichts solcher Nöte gerieten die rein sportlichen Aspekte bei der Vorstellung des neuen Teams fast in den Hintergrund. Dabei hat sich das 1998 gegründete Team für das letzte Jahr einiges vorgenommen.

Angeführt von Profis wie Davide Rebellin (Italien), Schumacher (Nürtingen), Fabian Wegmann (Freiburg), Markus Fothen (Kaarst) und Robert Förster (Markkleeberg) gilt das Hauptaugenmerk der 25 Fahrer umfassenden Mannschaft den Frühjahrsklassikern sowie einzelnen Etappen der wichtigen Rundfahrten in Frankreich, Italien und Deutschland.


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