Donnerstag, 10.01.2008

Leichtathletik

Marion Jones wegen Meineid vor Gericht

New York - Gefängnis oder Gnade für Marion Jones? Für die einst schnellste Frau der Welt steht am 11. Januar vor einem New Yorker Gericht viel auf dem Spiel. Wegen zweifachen Meineides drohen der 32-Jährigen bis zu sechs Monate Haft. Ihre Anwälte plädieren auf eine Bewährungsstrafe.

"Sie ist von der amerikanischen Heldin zur nationalen Schande abgestürzt", hatte die Verteidigung vergangene Woche in einem Schreiben an die Justiz ihren Antrag auf mildernde Umstände begründet. Der öffentliche Hohn einer Nation, die sie einst vergötterte, und ihr tiefer Fall seien bereits harte Strafen gewesen. Jones habe ihre Goldmedaillen, ihren Wohlstand und ihren Ruf verloren, argumentierten die Anwälte.

Die Staatsanwaltschaft hatte schon im Oktober bis zu sechs Monate Haft gefordert. Dies bekräftigte US-Staatsanwalt Michael Garcia in New York gegenüber Richter Kenneth Karas. "Die sechs Monate sollten nicht nur bestätigt werden, weil sie dem vorgegebenen Rahmen entsprechen, sondern vor allem, weil sie eine angemessene Strafe sind", so Garcia. Jones-Anwalt Henry DePippo sprach sich dagegen erneut gegen eine Haftstrafe aus und betonte, dass die ehemalige Sprinterin das Sorgerecht für ihre zwei Söhne habe.

Opfer des Balco-Skandals 

Jones hatte am 5. Oktober 2007 vor einem Gericht in New York zugegeben, gegenüber Untersuchungsbehörden gelogen zu haben und widersprach ihren Aussagen, die sie bei einer Anhörung im November 2003 gemacht hatte. Damals wurde sie im Zuge des Balco-Skandals befragt und bestritt jeglichen Dopingmissbrauch vehement.

Vor drei Monaten räumte sie dann ein, von September 2000 bis Juli 2001 gedopt zu haben. Im Anschluss an ihr Geständnis erklärte sie unter Tränen ihren Rücktritt vom Leistungssport. Die Kalifornierin bekannte sich außerdem schuldig, im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen zu haben.

Aus allen Ergebnislisten gestrichen

Jones hatte 2005 behauptet, nichts von einer Verwicklung ihres ehemaligen Freundes und Vaters des gemeinsamen Sohnes Monty, Ex-Weltrekordler Tim Montgomery, in einen millionenschweren Kriminalfall gewusst zu haben. Sowohl der Weltleichtathletik-Verband IAAF als auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) strichen die Amerikanerin nach ihrem Dopinggeständnis aus allen Siegerlisten.

Ihre 2000 in Sydney gewonnenen fünf Olympia-Medaillen, darunter drei goldene, hat Jones bereits zurückgegeben. Außerdem stehen Rückzahlungen von Preis- und Antrittsgeldern an die IAAF in Höhe von geschätzten 700.000 Dollar an. Die einstige Millionärin steckt laut US-Medienberichten jedoch in finanziellen Schwierigkeiten. Sie hatte im vergangenen Juni nur ein Bargeldvermögen von 2.000 Dollar angegeben.


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