Samstag, 12.01.2008

Leichtathletik

Jones und Ex-Trainer müssen ins Gefängnis

White Plains/Boston - Sie flehte und bettelte - doch die Richter kannten keine Gnade mit Marion Jones. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin muss wegen zweimaliger Falschaussage gegenüber Untersuchungsbehörden für sechs Monate ins Gefängnis.

Jones, Marion
© Imago

Das entschied ein US-Gericht in White Plains im US-Bundesstaat New York und folgte somit der Empfehlung der Staatsanwaltschaft. Richter Kenneth Karas begründete seinen Rechtsspruch damit, dass "eine generelle Abschreckung und mehr Respekt gegenüber dem Gesetz nötig war. Athleten haben in der Gesellschaft einen erhöhten Status. Sie unterhalten, inspirieren und - das ist die wohl wichtigste Aufgabe - sie sind Vorbilder", erklärte Karas.

"Ich bitte sie, so gnädig zu sein, wie ein Mensch nur gnädig sein kann", sagte Jones, die das Sorgerecht für ihre beiden kleinen Söhne hat, noch vor der Urteilsverkündung. Ihre Anwälte hatten eine Bewährungsstrafe gefordert. "Ich weiß, dass der Tag schnell kommt, an dem meine Söhne mich zu diesen Dingen befragen werden. Ich will dann offen und ehrlich zu ihnen sein und sie dazu erziehen, nicht die gleichen Fehler zu machen", betonte die 32 Jahre alte Marion Jones.

Fünf Jahre und drei Monate Haft  

Auch der Ex-Trainer von Jones, Steve Riddick, muss wegen Bankbetrugs und Geldwäsche in Millionenhöhe für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis und 375.000 Dollar Strafe zahlen. Dies entschied US-Richter Kenneth Karas in White Plains im US-Bundesstaat New York, nachdem er bereits die Sprinterin verurteilt hatte.

Riddick, 4x100 Meter Staffel-Olympiasieger von 1976, wurde schuldig gesprochen, jahrelang mit drei Komplizen, darunter dem ehemaligen 100 Meter- Weltrekordler Tim Montgomery, mehrfach Banken betrogen und Geld gewaschen zu haben. Sein Anwalt Bryan Hoss kündigte Einspruch gegen das Urteil an.

Die Amerikanerin hatte am 5. Oktober 2007 vor einem Gericht in New York zugegeben, gegenüber Untersuchungsbehörden gelogen zu haben und widersprach damit ihren Aussagen, die sie bei einer Anhörung im November 2003 gemacht hatte. Damals wurde sie im Zuge des Balco-Skandals befragt und bestritt jeglichen Dopingmissbrauch vehement.

Medaillen offiziell aberkannt 

Vor drei Monaten räumte sie dann ein, von September 2000 bis Juli 2001 gedopt zu haben. Im Anschluss an ihr Geständnis erklärte sie unter Tränen ihren Rücktritt vom Leistungssport. Die Kalifornierin bekannte sich außerdem schuldig, im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen zu haben.

Jones hatte 2005 behauptet, nichts von einer Verwicklung ihres ehemaligen Freundes und Vaters des gemeinsamen Sohnes Monty, Ex-100-Meter- Weltrekordler Tim Montgomery, in einen millionenschweren Kriminalfall gewusst zu haben.

Sowohl der Weltleichtathletik-Verband IAAF als auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) strichen die Amerikanerin nach ihrem Dopinggeständnis aus allen Siegerlisten. Ihre 2000 in Sydney gewonnenen fünf Olympia-Medaillen, darunter drei goldene, hat Jones bereits zurückgegeben. Sie wurden ihr im Dezember von der IOC-Exekutive in Lausanne offiziell aberkannt.


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