Dienstag, 15.01.2008

Tennis

Illegale Wetten auch auf der Damen-Tour?

Melbourne - Die Wettaffäre im Tennis scheint sich nun auch auf die Damen-Tour auszuweiten. Fünf oder sechs Spielerinnen seien angesprochen worden, Matches zu verschieben, erklärte der Chef der Spielerinnenvereinigung WTA, Larry Scott, am Rande der Australian Open.

"Ich will keine weiteren Details nennen, weil die Untersuchungen noch laufen. Aber wir waren überrascht von der Menge an Wetten im Tennis allgemein und von der Zahl an Spielerinnen, die angesprochen worden sind", erklärte Scott in Melbourne und sprach sich bei Verstößen gegen das Wettverbot für lebenslange Sperren aus.

Nur Vermutungen und Gerüchte

Noch immer laufen die Ermittlungen der Herrenorganisation ATP gegen Nikolai Dawidenko, nachdem im August beim Turnier im polnischen Sopot große Summen auf eine Niederlage des favorisierten Russen gegen Martin Vassallo Arguello aus Argentinien gesetzt worden waren. Dawidenko hatte im dritten Satz wegen einer Fußverletzung aufgegeben.

Zudem untersucht die ATP eine ominöse Liste mit 140 Matches, bei denen der Verdacht besteht, dass sie verschoben worden sein könnten. Beweise gibt es keine, nur Vermutungen und Gerüchte. So sollen nach Informationen der ARD sieben deutsche Profis auf der Liste stehen, darunter Davis-Cup-Spieler Philipp Kohlschreiber.

"Vorwürfe aus der Luft gegriffen" 

"Dazu gibt es nichts Neues und nichts Altes zu sagen", sagte der 24 Jahre alte Augsburger nach seinem Auftaktsieg in Melbourne gegen den Kroaten Roko Karanusic.

"Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen." Bislang habe kein ATP-Verantwortlicher Kontakt mit ihm aufgenommen. "Ich werde in Ruhe gelassen, will aber mit allen Mitteln meine Unschuld beweisen."

Dawidenko dagegen hatte kurz vor seinem ersten Auftritt in Melbourne in einem Interview die schleppende Arbeit der Ermittler kritisiert. "Ich fand es nicht gerade lustig, dass ATP-Chef de Villiers gemeint hat, es könnte Jahre dauern. Die ATP macht da einen furchtbaren Job", sagte der Weltranglisten-Vierte, der sich in Runde eins allerdings scheinbar unbeeindruckt von den Vorwürfen locker in drei Sätzen gegen den Franzosen Michael Llodra durchsetzte.

Ermittlungen bei der WTA

Auch die WTA befindet sich nach den Worten ihres Vorsitzenden noch im Stadium der Ermittlungen. "So weit wir das bislang beurteilen können, gibt es keinen Beweis für Korruption bei Spielerinnen oder im Umfeld der Spielerinnen."

Einen Tag vor Beginn des Grand-Slam-Turniers habe er alle Teilnehmerinnen getroffen und "das Wett-Thema stand auf meiner Agenda ganz oben", sagte Scott. "Härtere Strafen" forderte Trainer-Legende Nick Bolletieri.

"Wir müssen noch stärker, noch intensiver kontrollieren und viel härtere Strafen finden", sagte der 74 Jahre alte US-Amerikaner in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt".

Starace und Bracciali gesperrt  

Vor rund drei Wochen hatte die ATP ein erstes Zeichen gesetzt und die italienischen Profis Potito Starace und Daniele Bracciali wegen illegaler Wetten gesperrt.

Starace habe vor zwei Jahren fünf Mal auf den Ausgang von Spielen gewettet, Bracciali in den Jahren 2004 und 2005 rund 50 Mal. Zuvor war Alessio di Mauro suspendiert worden.

Auf der Anlage in Melbourne wacht derzeit eine Spezialeinheit, die von ehemaligen Polizisten geleitet wird, darüber, dass alle Matches korrekt ablaufen. Laptops sind an den Plätzen verboten, der Zugang zu den Spielern soll erschwert worden sein.

Rainer Schüttler, der in der zweiten Runde gegen den Franzosen Gilles Simon spielte, äußerte sich allerdings skeptisch über den Sinn der Maßnahmen. "Ich denke nicht, dass es was bringt, aber es sieht gut aus", sagte der 31-Jährige.


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