Freitag, 11.01.2008

Leichathletik

Pistorius: Einspruch gegen Olympia-Bann

Pretoria/Monte Carlo - Der unterschenkelamputierte Sprinter Oscar Pistorius würde gegen das drohende Olympia-Startverbot durch den Weltverband IAAF Einspruch "auf höchster Ebene" einlegen.

Dies kündigte der 21 Jahre alte Südafrikaner vor der Presse in seiner Heimatstadt Pretoria an. Die IAAF will am 14. Januar endgültig darüber entscheiden, ob der Paralympics-Sieger von 2004 mit seinen Hightech-Prothesen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gegen nichtbehinderte Athleten antreten darf.

Der Weltverband stützt sich in seiner bereits zweimal verschobenen Grundsatz-Entscheidung auf eine unabhängige Studie des Kölner Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann, der Pistorius deutliche "mechanische Vorteile" attestiert hatte.

Keine mechanischen Vorteile 

Derartige Vorteile sieht Pistorius, dem im Alter von elf Monaten Teile beider Unterschenkel oberhalb der Sprunggelenke amputiert werden mussten, dagegen nicht. "Sollte die IAAF diese Informationen dazu verwenden, mich von IAAF-Veranstaltungen auszuschließen, werde ich gegen diese Entscheidung auf höchster Ebene vorgehen", kündigte der Behinderten-Weltrekordler über 100, 200 und 400 Meter an. Höchste Instanz in derartigen Streitfällen ist der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne.

"Ich werde nicht nachgeben", sagte Pistorius, der in diesem Präzedenzfall seine Verantwortung für sich und andere behinderte Athleten betonte. Man dürfe keiner Organisation gestatten, "unsere Fähigkeit in Zweifel zu ziehen, Wettkämpfe mit genau jenen Hilfsmitteln zu bestreiten, ohne die wir nicht einmal gehen, geschweige denn sprinten könnten".

Start bei Grand-Prix-Meetings 

Bei den Olympischen Spielen im August in Peking wollte sich der Leichtathlet auf seinen federnden Karbon-Unterschenkelprothesen der Konkurrenz nichtbehinderter Sprinter stellen und auch bei den anschließenden Paralympics antreten.

Neben der Brüggemann-Studie am Kölner Institut für Biomechanik und Orthopädie dürfte sich der Weltverband bei der richtungweisenden Entscheidung auf die IAAF-Wettkampfregel 144.2 (e) stützen, die jegliche technische Hilfsmittel wie Federn, Räder oder andere Geräte verbietet.

Mit einer Sonderregelung hatte die IAAF Pistorius im WM-Jahr 2007 allerdings den Start bei zwei Grand-Prix-Meetings "zu Studienzwecken" erlaubt und auch die Studie in Köln finanziert.


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