Weitere Verdachtsfälle in Freiburg

SID
Sonntag, 09.12.2007 | 11:51 Uhr
Radsport, Michael Rogers
© Getty
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Berlin - Der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Michael Rogers könnte nach Veröffentlichungen der "Stuttgarter Zeitung" wieder in den Fokus von Doping-Verdächtigungen geraten.

Der Kapitän des nach dem Telekom-Ausstieg neu formierten High Road-Teams von Bob Stapleton steht unter Verdacht, wie Patrik Sinkewitz zu Beginn der Tour de France 2006 in der Uni-Klinik Freiburg mit Blut-Transfusionen behandelt worden zu sein.

Mindestens fünf T-Mobile-Radprofis hätten sich während der Tour im Vorjahr in der sportmedizinischen Abteilung der inzwischen geschassten Team-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid illegal behandeln lassen. Bisher hatte das nur der Kronzeuge und ehemalige T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz gestanden.

Hals über Kopf nach Hause 

"Vielleicht hören wir im Januar die nächsten Geständnisse, wenn an der Sache etwas dran ist", sagte die ehemalige Verbands-Präsidentin Sylvia Schenk der "dpa". Die heutige Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International hatte von einem vermutlich vertuschten Doping-Fall Sinkewitz aus dem Jahr 2000 unter dem damaligen BDR- Präsidenten Manfred Böhmer berichtet.

Offenbar mit EPO gedopt war der Nachwuchsfahrer von der WM aus Plouay/Frankreich wegen einer Erkältung, so die offizielle Version, Hals über Kopf nach Hause geschickt worden. Von der Mitwisserschaft Böhmers sprach Schenk in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Rhein-Konvoi 

Die "Stuttgarter Zeitung" bezog sich in ihrem Bericht auf die Untersuchungskommission der Universität. Dort ist von einem "Rhein-Konvoi" die Rede. Dieser soll am selben Abend wie Sinkewitz, am 1. Juli 2006, von Straßburg nach Freiburg gefahren sein.

In dem Institut sei den Fahrern am Abend des Tour-Prologs Blut zugeführt worden. Der Molekularbiologe Werner Franke, der in der Kommission sitzt, kommentierte den Vorgang so: "Jeder kann nachschauen, wer beim Einzelzeitfahren in Rennes vorne war."

Eine Woche nach dem Tour-Auftakt hatten sich vier T-Mobile-Fahrer unter den ersten Acht platziert: Der wegen auffälliger Blutwerte im Sommer entlassene Sergej Gontschar hatte das 52-Kilometer-Zeitfahren in Rennes gewonnen. Rogers, der sich gegen den Doping-Verdacht verwahrte, war Vierter geworden.

Nicht der einzige Blutdoper

Sinkewitz landete auf Rang sechs, der seit 2007 für Astana fahrende Andreas Klöden war Achter geworden. Der im Juli wegen Testosteron-Dopings von Astana entlassene Matthias Kessler hatte nach Platz 14 im Zeitfahren auch noch seine erste Tour-Etappe gewonnen. Rogers betonte später in einem Interview, in Rennes hätte die Mannschaft ihre "wahre Stärke" gezeigt.

T-Mobile-Kommunikations-Chef Christian Frommert zeigte sich von den Anschuldigungen nicht überrascht. Ihm sei bewusst geworden, dass Sinkewitz nicht der einzige Blutdoper im Team gewesen sein konnte. Die Mitglieder des High-Road-Teams, die zur Zeit auf Mallorca unter Stapleton an einer neuen Marschroute für die kommende Saison basteln, waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach ersten Verdächtigungen gegen Rogers hatte der frühere T-Mobile-Team-Sprecher Stefan Wagner, der diese Position auch in der neuen Mannschaft innehat, im Vormonat erklärt, dass der Australier nach Befragen durch die Teamleitung Fahrten nach Freiburg zum Blutdopen verneint hatte.

Kooperation nötig 

Die "Stuttgarter Zeitung" zitierte auch aus einem Vertrag, den die Telekom 1999 mit dem damaligen Freiburger Institutsleiter Joseph Keul geschlossen hatte. Das Bonner Unternehmen wollte zur Dopingbekämpfung den Missbrauch von EPO erforscht wissen und bezahlte dafür 1,35 Millionen Mark.

Hauptnutznießer war der Freiburger Sportmediziner Schmid, der sechs Forschungsvorhaben zum EPO-Nachweis mit dem Geld finanzierte. Im Mai dieses Jahres gestand er wie sein Kollege Heinrich, Telekom-Fahrer mit EPO versorgt zu haben.

Die Wende zum Besseren im Radsport könnte laut Schenk nur durch einen kompletten Austausch des bekannten Personals ("Auch Stapleton ist schon eineinhalb Jahre dabei") gelingen. Zudem müssten alle Rennställe, der Weltverband UCI und die Organisatoren der Tour de France an Kooperation interessiert sein. Schenk: "Es gibt doch genug Sportärzte, die mit Doping nichts zu tun haben."

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