Radsport

"Die waren alle gedopt"

SID
Sonntag, 30.12.2007 | 12:57 Uhr
T-Mobile, Tour de France
© Getty
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Berlin/Freiburg - Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke ist überzeugt, dass zumindest der komplette Tour-de-France-Kader des T-Mobile-Teams 2006 in der Freiburger Uni-Klinik unerlaubte Blut-Transfusionen erhielt.

"Nach meinen Informationen war das gesamte T-Mobile-Team dort gelegen und wurde per Infusion vollgemacht mit eigenen roten Blutkörperchen. Das wird aber bis heute als so staatsgefährdend angesehen, dass hier einfach nicht durchermittelt wird", sagte der Heidelberger Molekularbiologe und Krebsspezialist in einem Rundfunk-Interview des hr-INFO, das Neujahr ausgestrahlt wird.

Klöden und Rogers auch gedopt?

Stimmen Frankes Informationen, beträfen die Vorwürfe auch Michael Rogers, den heutigen Kapitän des T-Mobile-Nachfolgers High Road, und den zweifachen Tour-Zweiten Andreas Klöden, der 2007 zu Astana wechselte und dort weiter unter Vertrag steht.

Beide standen 2006 an der Seite von Jan Ullrich im Tour-Kader der Bonner. Der Wahlschweizer Klöden ließ eine Beteiligung am Doping-System unter T-Mobile-Regie dementieren. Der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Rogers hat Doping mehrfach abgestritten.

"Klöden hat Anfang Dezember mit Johan Bruyneel gesprochen, der die Freiburg-Problematik kennt. Andreas hat ihm versichert, er sei nicht in die Affäre involviert. Wir glauben seinen Aussagen", erklärte Philippe Maertens, Sprecher des neuerdings vom ehemaligen Lance Armstrong-Chef Bruyneel geleiteten Astana-Teams.

Astana will strengers Anti-Doping-Regime führen 

Bruyneel will bei Astana - die mit kasachischem Geld gesponserte Mannschaft wurde 2007 nach den Dopingfällen Matthias Kessler, Alexander Winokurow, Andrej Kaschetschkin und Eddy Mazzoleni zum Skandal-Team, das auch vorzeitig die Tour verließ - in Zukunft ein strenges Anti-Doping-Regime führen.

T-Mobile-Ex-Profi und Kronzeuge Patrik Sinkewitz (Fulda) hatte ausgesagt, nach der ersten Tour-Etappe 2006 von Straßburg mit dem Auto nach Freiburg gefahren zu sein, um sich dort unter der Regie der damaligen Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid Bluttransfusionen zu unterziehen.

Zwei Tage zuvor hatte das Team-Management seinen damaligen Kapitän Ullrich und den Spanier Oscar Sevilla wegen Doping-Verdachts suspendiert und aus der Tour- Mannschaft gestrichen.

Staatsanwaltschaft ermittelt bereits

Die Staatsanwaltschaft Freiburg, die gegen die früheren Klinik- Ärzte Heinrich und Schmid ermittelt, hatte am 18. Dezember von verschlüsselten Fahrer-Namen in Patienten-Akten der sportmedizinischen Abteilung der Uni-Klinik berichtet.

Staatsanwalt Wolfgang Maier sprach von "mindestens zwei Angaben von Namen", die nicht in den Komplex der ansonsten registrierten T-Mobile-Fahrer passten.

 Mit Veröffentlichungen zu dieser Sachlage werde die Staatsanwaltschaft erst in Erscheinung treten, "wenn die möglicherweise Betroffenen Gelegenheit hatten, sich bei uns zu äußern".

Rogge schockiert 

Bei einem Rückblick auf die Dopingfälle 2007 machten IOC-Präsident Jacques Rogge besonders die Vorfälle in der Uni-Klinik Freiburg fassungslos.

"Am meisten schockiert hat mich, dass in Freiburg ein derart organisiertes Doping mit der Komplizenschaft von zwei Leuten durchgeführt wurde, die bei so einer renommierten Universität tätig waren", sagte der Belgier in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

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