Handball

"Pokern war noch nie meine Stärke"

SID
Donnerstag, 25.10.2007 | 18:01 Uhr
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Dortmund - Die Vertragsunterschrift von Heiner Brand hat beim Deutschen Handballbund (DHB) für Erleichterung gesorgt. Nach neunmonatiger Bedenkzeit stimmte der Bundestrainer einer vorzeitigen Verlängerung seines Ende Dezember 2008 auslaufenden Kontraktes bis zum 30. Juni 2013 zu.

Damit setzt der DHB weiter auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Brand, der seit seinem Amtsantritt im Jahr 1997 viel bewegt hat. Brand: "Ich sehe das als Anerkennung für meine Arbeit." Unter seiner Regie wurde die Nationalmannschaft im Februar Weltmeister sowie 2004 Europameister und Olympia-Zweiter.

Was hat den Ausschlag gegeben, dem Angebot des DHB nach langer Bedenkzeit zuzustimmen?

Brand: "Ich musste zunächst für mich selbst eine Entscheidung treffen. Die Überlegung war: Will ich etwas anderes machen, muss ich es jetzt tun? Aber im Laufe der Zeit ist in mir die Erkenntnis gereift, dass mir die Tätigkeit als Bundestrainer am meisten Spaß macht. Außerdem wollten wir nicht das gefährden, was wir uns aufgebaut haben."

Angesichts der langen Laufzeit bis 2013 und Ihres Alters ist von einem Rentenvertrag die Rede. Wie finden Sie diesen Vergleich?

Brand: "Das klingt so negativ und ganz so, als ob mir jemand ein Zugeständnis gemacht hätte. Ich sehe das als Anerkennung für meine Arbeit. Aber in dem Moment, in dem ich mich für den DHB und gegen einen Wechsel entschieden hatte, war klar, dass ich langfristig arbeiten will. "

Wie konkret waren Ihre Überlegungen, den Job zu wechseln?

Brand: "Nach der WM, als der erste Stress vorbei war, gab es für mich ein konkretes Szenario, etwas anderes zu machen. Da habe ich mir sehr intensiv darüber Gedanken gemacht. Um andere Angebote habe ich mich jedoch in dieser Zeit nicht gekümmert."

Die lange Bedenkzeit hat Ihre Verhandlungsposition sicher nicht verschlechtert. Ist der neue Vertrag lukrativer?

Brand: "Ich habe noch nie - weder als Spieler, noch als Trainer - über Geld geredet. Wie viel ich verdiene, weiß nur meine Frau. Aber das Thema Geld war nicht die Grundlage der Diskussion. Pokern war noch nie meine Stärke."

Es heißt aber, Sie hätten sich in Ihrem neuen Vertrag mehr Kompetenzen festschreiben lassen?

Brand: "Ich habe mich schon vorher um Dinge gekümmert, die nicht festgeschrieben waren. Die sind jetzt festgeschrieben worden. Es war mir wichtig, jetzt auch offiziell die Verantwortung für den gesamten Männer-Bereich zu übernehmen."

Das stärkt Ihre Position - auch in der Dauerfehde mit einigen Vereinsvertretern. Wie berechtigt war die Sorge vieler Handball-Fans, Sie seien aufgrund der Diskussion über eine Ausländerbeschränkung und Veränderung des Terminkalenders amtsmüde?

Brand: "Ich sehe es auch weiterhin als meine Aufgabe an, auf bestimmte Entwicklungen hinzuweisen. Dann entsteht vielleicht ein öffentlicher Druck, damit nicht alles einfach hingenommen wird. Einige Herren fordern aus purem Egoismus eine geringere Belastung für die Spieler und den Wegfall jeder zweiten Welt- oder Europameisterschaft. Damit riskieren sie einen erheblichen Einbruch der Bedeutung unserer Sportart. Aber man sollte nicht alle Vereine über einen Kamm scheren."

Keine zwei Stunden nach Ihrer Vertragsunterschrift gab es eine Niederlage gegen Russland. Ein schlechtes Omen?

Brand: "Ich kann die Situation einschätzen. Es besteht kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Vielleicht war es sogar gut so. Alle wissen jetzt, dass jeder Sieg in der Weltspitze hart erkämpft werden muss. Um weiter im Konzert der Großen mitzuspielen, müssen wir uns steigern. Schließlich fällt in den nächsten großen Turnieren der Heimvorteil weg."

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