Reaktion auf die Becker-Kritik

"Ich muss mich vor niemandem verstecken"

Von Florian Regelmann
Sonntag, 21.10.2007 | 18:59 Uhr
kohlschreiber
© Getty
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München - Wer deutscher Tennisspieler ist, der muss täglich mit ihr rechnen. Mit der Kritik von Boris Becker. Unser Wimbledon-Held äußert sich oft und gern. Vor einer Woche traf es die zweite Garde des deutschen Tennis. 

"Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer, Benjamin Becker und wie sie alle heißen, die könnten noch einen Zahn zulegen", meinte Becker gegenüber der "Neuen Presse" in Hannover.

Besonders Kohlschreiber nahm sich Becker vor: "Das ist ein talentierter Spieler, der in die Top 10 kommen könnte. Man hat aber nicht den Eindruck, dass er das auf Teufel komm raus will." Rumms, das hat gesessen.

Die Motivation Beckers für seinen unvorbereiteten Angriff auf Kohlschreiber ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Der 24-Jährige hat sich seit Beginn des Jahres in der Weltrangliste von Position 62 auf aktuell Rang 34 nach vorne geschoben. Dazu gewann er bei den BMW Open in München sein erstes Turnier. Die Tendenz ist eindeutig und eigentlich für jeden erkennbar positiv.

"Kann nicht jeder mit 17 Wimbledon gewinnen" 

Kohlschreiber nimmt die Kritik gegenüber SPOX.com gelassen, setzt aber auch einen Konter: "Es ist natürlich schmeichelhaft, wenn ein ehemaliger Weltklassespieler wie Boris mich in den Top 10 sieht. Bisher geht mein Weg nach oben. Vielleicht nicht so schnell wie bei Boris damals, aber es kann auch nicht jeder mit 17 Wimbledon gewinnen."

In einem Punkt stimmt Kohlschreiber mit Becker überein. Sein Potenzial sieht er noch lange nicht erschöpft. "Ich arbeite stetig weiter an mir und an meinem Tennis und habe durchaus vor, mich noch weiter nach vorne zu entwickeln. Ob es schlussendlich für die ersten Zehn reicht, wird man sehen."

Vor den Top 10 wird Kohlschreiber im nächsten Jahr erstmal die Top 20 in Angriff nehmen. Auch weitere Turniersiege und bessere Resultate bei den Grand Slams und Masters-Series-Turnieren hat sich der Rechtshänder mit der starken Rückhand vorgenommen.

Mehr Konstanz 

Kohlschreiber weiß auch, was es noch zu verbessern gilt und seinem Spiel fehlt. Er bräuchte noch ein wenig mehr Konstanz, um in entscheidenden Phasen seinen Stil durchziehen und die wichtigen Punkte machen zu können. Insgesamt sieht er sich aber auf einem guten Weg: "Ich habe in den letzten Monaten bewiesen, dass ich mich vor niemandem zu verstecken brauche."

Während im Falle Kohlschreiber Beckers Beweggründe für die Kritik wohl sein Geheimnis bleiben werden, scheint sie bei Benjamin Becker und Florian Mayer schon eher angebracht.

Nachdem Becker bei den US Open wie Phönix aus der Asche aufgetaucht und kurzerhand die Karriere von Andre Agassi beendet hatte, ging es weiter bergauf. Der Lohn war Weltranglisten-Position 38 im März dieses Jahres.

Benjamin Becker durchlebt schwache Phase 

Seitdem lief bei Becker nicht mehr viel zusammen. Angefangen in Wimbledon kassierte er sieben Erstrunden-Niederlagen in Serie. Erst vor kurzem setzte er mit der Finalteilnahme in Bangkok wieder ein Ausrufezeichen, konnte das aber in den folgenden Turnieren nicht bestätigen. Auch bei Becker fehlt es an der Konstanz.

Zugute halten muss man dem 26-Jährigen allerdings, dass er nach seiner College-Karriere sein erstes richtiges Jahr auf der Tour spielt. Ein gewisser Gewöhnungsprozess ist also völlig normal.

Man kann davon ausgehen, dass Becker sich nächste Saison wieder von seiner aktuellen Ranglistenposition 78 weit nach oben schieben wird.

Mayer wiederum stagniert seit einigen Jahren tatsächlich. 2004 schon einmal auf Rang 34 geführt dümpelt Mayer seither zwischen Position 50 und 60. Eine Region, die seinen Möglichkeiten entspricht, nicht mehr und nicht weniger.

Keine Talente in Sicht 

Bezeichnend für die Situation im deutschen Tennis ist die Tatsache, dass die größten Hoffnungsträger alle mindestens 24 Jahre alt sind. Ein Novak Djokovic ist weit und breit nicht in Sicht.

Wenn man bei den Grand Slams auf den Junioren-Wettbewerb blickt, wird die ganze Trostlosigkeit deutlich. Deutsche Namen muss man mit der Lupe suchen.

Stattdessen dominiert Osteuropa. Die Top-Talente heißen Ricardas Berankis (Lettland) oder Vladimir Ignatic (Weißrussland). Einzige positive Ausnahme war die Viertelfinal-Teilnahme vom 18-jährigen Dimitris Kleftakos in Wimbledon.

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