Deutsche ohne Chance

McCormack gewinnt Ironman

SID
Sonntag, 14.10.2007 | 11:30 Uhr
chris mccormack triathlon ironman hawaii
© Getty
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Hawaii - Debakel statt Doppelsieg, Tränen statt Triumph: Im Glutofen auf der Vulkaninsel Hawaii haben die neuen Ironman-Sieger Chris McCormack und Chrissie Wellington die favorisierten deutschen Triathleten mit Titelverteidiger Norman Stadler an der Spitze zu Statisten degradiert.

Der mit großen Hoffnungen gestartete Mannheimer und der Münchner Faris Al-Sultan waren beim Kampf gegen die Naturgewalten wegen eines Magen-Darm-Virus chancenlos.

"Ich kann kaum glauben, was passiert ist. Ich habe mich absolut fit gefühlt. Ich wollte unbedingt erneut gewinnen", sagte der 34-jährige Stadler nach seinem vorzeitigen Ausstieg beim härtesten und bedeutendsten Triathlon der Welt fassungslos über so viel Pech und Ohnmacht. Noch vor der Hälfte der Radstrecke war Schluss für ihn.

Deutsche Siegesserie gerissen

Bereits eine Stunde vor dem Start hatte der Bayer Al-Sultan ebenfalls wegen eines Magen-Darm-Virus das Handtuch geworfen. Damit riss die drei Jahre währende deutsche Siegesserie von Stadler (2004 und 2006) und Al-Sultan (2005).

Als bester Deutscher kam der Darmstädter Frank Vytrisal nach 3,8 Kilometern Schwimmen im Pazifik, 180 Kilometern Radfahren und 42,125 Kilometern Laufen über die Vulkanfelder um das Urlaubsparadies Kona auf Rang 14 (8:37.44) vor Europameister Timo Bracht (8:37.52/Mannheim) ins Ziel.

Bei den Frauen setzte sich die Britin Wellington (9:08.45) vor den Amerikanerinnen Samantha McGlone (9:14.04) und Kate Major (9:19.13) durch. Duathlon-Meisterin Kathrin Paetzold (9:50:38/Sindelfingen) wurde 13. Andrea Brede (18./9:56:10/Bielefeld) spielte ebenso wenig eine Rolle wie die Darmstädterin Nicole Leder (37./10:36.18), die noch beim Ironman Frankfurt am 1. Juli den EM-Titel gewonnen hatte.

Stadler völlig demoralisiert

Völlig demoralisiert von seinem unerklärlichen Schwächeeinbruch saß Stadler aschfahl am Straßenrand und versuchte vor laufender Kamera sein Desaster zu erklären. Die Beschwerden hatten bereits in der Nacht begonnen. "Ich habe gehofft, dass es nur Nervosität vor dem Wettkampf wäre. Aber als die starke Übelkeit auch am Morgen nicht besser war, ahnte ich bereits, dass es hart für mich werden könnte", meinte Stadler.

Akribisch wie immer hatte er sich wochenlang im kalifornischen San Diego auf die Strapazen vorbereitet. Dies schien sich zunächst auszuzahlen, denn beim Schwimmen verlor Stadler nur zwei Minuten auf die Spitze. Zwei Mal musste der Mannheimer dann jedoch auf dem Rad anhalten, übergab sich und zog ärztliche Hilfe zu Rate, bis der Körper die Arbeit verweigerte.

"Man kann keinen Ironman Hawaii gewinnen, wenn man weder Nahrung noch Flüssigkeit bei sich behalten kann. Ich hatte nach knapp über drei Stunden keine Wahl mehr", beschrieb der Modellathlet seinen "erbärmlichen" Zustand.

Al-Sultan: "Es ging gar nichts"

Sein nationaler Rivale Al-Sultan hatte bereits vor dem Rennen den Traum vom zweiten Hawaii-Sieg begraben müssen. "Ich bin total fertig. Normal bin ich kein Typ, der aufgibt oder nicht antritt. Das ist mir in meiner Karriere erst zwei Mal passiert. Aber es ging gar nichts", klagte der Sieger von 2005.

Während die beiden deutschen Sieghoffnungen von ihren gesundheitlichen Problemen gestoppt wurden, lief der für seine Rivalität mit Stadler und Al-Sultan bekannte McCormack das Rennen seines Lebens und siegte als erster Australier seit Greg Welch (1994) bei dem Spektakel in der Südsee.

"Für dieses Rennen habe ich gelebt"

Der Ironman von Down Under hob schon vier Kilometer vor dem Ziel die Faust und lief nach 8:15:31 Stunden mit dem traditionellen Blumenschmuck um den schweißtriefenden Körper über die Linie. "Für dieses Rennen habe ich gelebt. Dafür habe ich meinen Traum von den Olympischen Spielen aufgegeben. Ich bin heute sehr, sehr glücklich", jubelte der 34-Jährige.

Zweiter wurde sein Landsmann Craig Alexander (8:19.04) vor dem Dänen Torbjörn Sindballe (8:21.30). Der Skandinavier hatte nach der Rad(tor)tour auf heißem Asphalt noch elf Minuten vor McCormack gelegen.

"Ich verspreche, dass ich im nächsten Jahr wieder starte", kündigte Stadler am Abend nach kurzer Erholungsphase an. Er will sich auch 2008 wieder dem Kraftakt gegen die Natur und gegen sich selbst stellen.

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