Handball

Jannek Klein und Juri Knorr beim FC Barcelona: Deutschlands Handball-Zukunft spricht Spanisch

Juri Knorr (rechts) und Jannek Klein (zweiter von links) spielen beim FC Barcelona.
© twitter/fcbarcelona

Jannek Klein und Juri Knorr stehen seit dieser Saison beim FC Barcelona unter Vertrag. Ergibt das Sinn? Wie ergeht es den beiden deutschen Handball-Talenten in Katalonien? Wie groß sind die Hoffnungen auf eine glorreiche Zukunft? SPOX sprach mit dem früheren Barca-Profi Christian "Blacky" Schwarzer und Jochen Beppler, dem Nachwuchs-Chef-Bundestrainer des DHB.

Auftritte in der sagenumwobenen Halle Palau Blaugrana, eine Ausbildung in der legendären Talentschmiede La Masia, Spiele und Trainingseinheiten an der Seite von Stars wie Raul Entrerrios, Aron Palmarsson oder Victor Tomas: Für Jannek Klein und Juri Knorr ist dieser Traum seit dem vergangenen Sommer Realität.

Der Rendsburger Klein, 20 Jahre alt, im rechten Rückraum zu Hause und beim DHB im U21-Team aktiv, wechselte aus der Jugendakademie der SG Flensburg-Handewitt nach Spanien. Der Schwartauer Knorr, 18 Jahre alt, Spielmacher und für Deutschland in der U19 am Start, wagte von der HSG Ostsee aus der vierten Liga den Sprung zum neunmaligen Champions-League-Sieger.

Beide sind mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet. Das Duo spielt hauptsächlich in der zweiten Mannschaft in der zweiten Liga angeleitet von Coach Roi Sanchez, der bis 2017 bei der TSV Hannover-Burgdorf als Co-Trainer der Profis und als A-Jugendtrainer gearbeitet hat.

Doch Klein und Knorr, die ein bis drei Mal die Woche unter Trainer Xavier Pasqual Fuertes mit der ersten Mannschaft trainieren, haben auch schon Ligaspiele für die Profis auf dem Buckel. Klein durfte bislang einmal ran und wartet noch auf sein erstes Tor für Barcas Elite-Truppe, Knorr netzte dagegen bereits vier Mal in fünf Partien ein.

Talente im Ausland? Kein Problem für den DHB!

Dass es junge, aufstrebende deutsche Handballer so früh in ihrer Karriere ins Ausland zieht, ist nicht alltäglich. Gleichwohl gibt es nachvollziehbare Gründe dafür, wie DHB-Juniorencoach Jochen Beppler im Gespräch mit SPOX berichtete.

"So wie es beispielsweise bei Studenten in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger vorkommt, dass man sich in anderen Ländern weiterbildet, so ist das in einer globalisierten Welt auch im Handball. Es geht dabei auch um Persönlichkeitsentwicklung. Sorgen würde ich mir machen, wenn sie den Schritt nach Barcelona gemacht hätten, weil sie in Deutschland nicht die nötigen Strukturen vorfinden würden. Aber das ist ja nicht der Fall", sagte Beppler.

Beppler hält den DHB-Kontakt zum FC Barcelona

Klein und Knorr, die Beppler als bodenständig bezeichnet, lernen fleißig Spanisch, leben in Wohngemeinschaften von drei bis vier Juniorenspielern und werden in der schulisch-beruflichen sowie sportlichen Entwicklung individuell bestens betreut.

"Ich stehe nicht nur mit Juri und Jannek regelmäßig in Kontakt, sondern auch mit den Trainern Xavier Pascual und Roi Sanchez. Die Jungs sind dort gut aufgehoben", erklärte Beppler: "Ein Beispiel: Als ich das letzte Mal in Barcelona war und mit Xavier Pascual gesprochen habe, kam der nicht zum Gespräch und hat irgendwelche oberflächlichen Dinge gesagt. Er war perfekt vorbereitet und hat im Detail erklärt, wie er die beiden sieht und was er noch von ihnen erwartet."

Klein ist athletisch stark und muss noch in der Abwehr Fortschritte machen. Knorr, dessen Vater Thomas selbst deutscher Nationalspieler war, ist mit einem guten Auge und großem taktischen Verständnis ausgestattet.

Schwarzer: "Knorr und Klein haben großes Potential"

Problematisch wird es, wenn man Klein und Knorr persönlich zu ihrem Abenteuer in der katalanischen Metropole befragen möchte. Spieler aus der zweiten Mannschaft dürfen beim Weltklub - das gilt für Handballer ebenso wie für Fußballer und Basketballer - maximal in der Mixed Zone Rede und Antwort stehen. Barca begründet diesen Umstand damit, seine Talente schützen zu wollen.

Glücklicherweise gibt es neben Beppler noch eine weitere Person im deutschen Handball, die Auskunft geben kann: Christian "Blacky" Schwarzer. Der Weltmeister von 2007 trug von 1999 bis 2001 das Trikot des FC Barcelona und war erst im vergangenen Jahr vor Ort, um sich die Ausbildungsstätte La Masia, in der sich Talente aus verschiedenen Sportarten tummeln, zeigen zu lassen.

"Die Rahmenbedingungen sind top, man kümmert sich dort ausgezeichnet um die jungen Leute. Auch über den Sport hinaus", sagte Schwarzer, der die beiden DHB-Youngster ebenfalls persönlich kennt, im Gespräch mit SPOX: "Knorr und Klein sind charakterlich gute Jungs, die nicht auf den Kopf gefallen sind und großes Potential haben."

Schwarzer: "Ausbildungsstufen sind in Deutschland besser"

Allerdings erkennt "Blacky" einen Nachteil in der handballerischen Ausbildung in Spanien im Vergleich zu Deutschland. "Die Ausbildungsstufen sind in Deutschland besser", erklärte Schwarzer: "Man hat die A-Jugend-Bundesliga und die zweite Liga in Deutschland ist viel stärker als die zweite Liga in Spanien."

Bislang ist zwar unklar, wie es 2020 mit Klein und Knorr weitergeht. Sollte Barcelona das deutsche Duo aber länger als zwei Jahre an sich binden wollen, wäre nach Schwarzers Einschätzung ein Leihgeschäft eine Option.

"Ich könnte mir vorstellen, dass sie zu einem nicht ganz so großen Klub in die HBL ausgeliehen werden, wo sie sich weiterentwickeln können. Denn es ist auch wichtig, das körperliche Spiel kennenzulernen. Der Handball in Deutschland ist vergleichsweise eher körperlich geprägt, in Spanien eher technisch", so der 49-Jährige.

Wann sehen wir Klein und Knorr im DHB-Team?

Bleibt die Frage, bis wann Klein und Knorr in ihrer Entwicklung soweit fortgeschritten sind, um für Bundestrainer Christian Prokop eine ernsthafte Option zu sein?

Während Schwarzer der Meinung ist, dass es "über kurz oder lang" das Ziel des DHB sein müsse, beide in die Nationalmannschaft zu integrieren, schlägt Beppler an dieser Stelle etwas leisere Töne an.

"Zweifelsfrei haben Juri und Jannek großes Potential und wir verfolgen und begleiten beide sehr intensiv. So ist Jannek wichtiger Bestandteil der Junioren-Nationalmannschaft und sogar Mitglied unseres Elitekaders. Wir unterstützen beide in ihrer Entwicklung", sagte der Nachwuchs-Chef-Bundestrainer.

Und Beppler weiter: "Ihnen darüber hinaus einen Rucksack voller Erwartungen aufzubinden, möchten wir nicht. Beide sind ehrgeizig genug und haben ihre Ziele klar vor Augen. Wir können uns auf zwei gute Spieler freuen."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung