Handball

Kommentar zum DHB-Team: Big Boss Bob hat es allen gezeigt

Bob Hanning ist der Macher beim DHB.

Das DHB-Team hat die Handball-WM 2019 auf dem vierten Platz beendet. Es ist ein Erfolg, der zeigt: Vizepräsident Bob Hanning hat mal wieder vieles richtig gemacht. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Felix Götz.

Bob Hanning ist nicht Everybody's Darling - ganz im Gegenteil. Dafür ist der Macher der Füchse Berlin im Laufe der Jahre zu vielen Menschen aus dem Handball-Business mit Anlauf auf die Füße getreten.

Heiner Brand beispielsweise hatte 2015 dermaßen die Nase voll vom 1,68-Meter-Mann mit den hässlichen Pullovern, dass er sich in einem Interview zu einer knallharten Abrechnung mit seinem einstigen Co-Trainer hinreißen ließ. Hanning habe eine "narzisstische Persönlichkeitsausprägung", polterte Brand damals.

Der Weltmeister-Trainer hätte sicherlich richtiger gelegen, wenn er verbal nicht so über das Ziel hinausgeschossen wäre. Richtig ist: Hanning gefällt es enorm, der Mittelpunkt zu sein. Der gebürtige Essener tauchte auch bei der Heim-WM nach anfänglicher Zurückhaltung spätestens ab dem Frankreich-Spiel in der Vorrunde nach jeder Partie in der Mixed Zone auf und quasselte den Journalisten die Aufnahmegeräte voll.

Um bei der Wahrheit zu bleiben: Den Medien gefällt das. Denn Hanning spricht häufig Klartext, bessere Zitate für irgendwelche Berichte bekommt man rund um die deutsche Handball-Nationalmannschaft von keiner anderen Person.

Hanning ist der glasklare Boss

Wahrscheinlich gibt es in kaum einem Sportverband der Welt einen Vizepräsidenten, der so präsent ist. Auch das ist leicht erklärbar: Hanning mag auf dem Papier der zweite Mann sein, in Wahrheit ist er aber der glasklare Big Boss des ganzen Ladens.

Wer dafür noch einen Beweis gebraucht hätte, bekam ihn bei einem der DHB-Medientermine in Köln geliefert, als Hanning ein "Versprecher" herausrutschte: "Als ich entschieden habe, dass Christian Prokop Bundestrainer bleibt, war ich felsenfest von der Richtigkeit dieser Entscheidung überzeugt", sagte Hanning. "Ich!" Nicht etwa "wir".

Jedenfalls hat Hanning seit seinem Amtsantritt 2013 verdammt viele richtige Entscheidungen getroffen. Neben der Verpflichtung von Dagur Sigurdsson, mit dem Deutschland 2016 Europameister wurde und Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio holte, erwies sich nun auch das Festhalten an Prokop als richtig.

Hanning als Macher unumstritten

Einige Beobachter hatten nach der fürchterlichen EM in Kroatien gedacht, die Personalie Prokop würde Hanning um die Ohren fliegen. Pustekuchen! Das DHB-Team hat es ins WM-Halbfinale geschafft, die Kritiker sind erstmal verstummt.

"Jetzt glaubt keiner mehr, dass Prokop der falsche Bundestrainer ist - außer vielleicht Christian Schwarzer und Daniel Stephan", ätzte Hanning in Richtung der zwei Legenden des deutschen Handballs, die der Vizepräsident offenbar als die hartnäckigsten Kritiker der vergangenen Monate in Sachen Prokop ausgemacht hatte.

Der Typ Hanning ist auch aufgrund solcher Aussagen umstritten, der Macher Hanning wird dagegen selbst von seinen Feinden geschätzt.

Und sollte der Vizepräsident tatsächlich seine Ankündigung wahrmachen und 2020 aufhören, könnten auf den DHB komplizierte Zeiten zukommen.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung