Handball

Handball- Schwarzer über Reichmann: "Er hat sich seine Zukunft verbaut"

Tobias Reichmann hat mit seinem Verhalten für Wirbel gesorgt.

Das Thema Tobias Reichmann schlägt beim DHB zu Beginn der Weltmeisterschaft hohe Wellen. Im Gespräch mit SPOX äußerte sich nun Christian "Blacky" Schwarzer zum Verhalten des vorerst aus dem Kader gestrichenen Rechtsaußen.

Mit den Worten "Ich bin dann mal weg. Wieso, weiß ich gar nicht genau...Ahhh, doch...Spontanurlaub" und "Tschausen ihr Banausen" hatte sich Reichmann in den USA-Urlaub verabschiedet und damit große Irritationen bei den DHB-Verantwortlichen um Bundestrainer Christian Prokop ausgelöst.

Das Problem: Der 30-Jährige von der MT Melsungen hätte als Ersatzmann parat stehen sollen, falls Patrick Groetzki sich verletzt oder schwach spielt. Reichmann ist nämlich einer von lediglich zwei Rechtsaußen im 28er Kader der Nationalmannschaft. Nur aus diesem Pool darf der Bundestrainer Spieler nachnominieren.

"Ich kann seine Verärgerung ein Stück weit verstehen. So kurz vor einer Heim-WM aus dem Kader genommen zu werden, ist mit Sicherheit keine schöne Sache. Aber so muss man nicht reagieren. Meine Art wäre das sicher nicht gewesen. Ich habe generell ein Problem mit diesen Reaktionen von Spielern über die sozialen Medien auf solche Themen", sagte Kreisläufer-Legende Schwarzer dazu im Gespräch mit SPOX.

Schwarzer: "Dann ist Prokop nicht mehr handlungsfähig"

Laut Melsungen-Coach Heiko Grimm ist Reichmann bereit, im Falle einer Nachnominierung sofort aus Florida nach Deutschland zu reisen. In der Handball-Szene geht allerdings das Gerücht um, wonach sich Reichmann extra für ein fernes Urlaubsziel entschieden habe. Demnach will er überhaupt nicht nachnominiert werden.

Die Frage ist, ob Prokop, der nach dem Auftaktsieg gegen Korea leicht angefressen auf das Verhalten Reichmanns reagiert hatte, den Rechtsaußen jetzt überhaupt noch einmal zurückholen möchte.

"Ich denke, dass er sich damit seine Zukunft in der Nationalmannschaft verbaut hat. Ich weiß zwar nicht, wie Prokop auf solche Dinge reagiert, so richtig toll wird er es aber auch nicht finden. Ich kann mir vorstellen, dass Reichmann unter Prokop nicht mehr für Deutschland auflaufen wird", meinte Schwarzer dazu.

Und der Weltmeister von 2007 ergänzte: "Wenn jetzt Groetzki etwas passieren sollte, ist der Bundestrainer auf dieser Position quasi nicht mehr handlungsfähig. Das ist, um es mal deutlich zu sagen, ganz beschissen gelaufen."

Schwarzer: "Für Brand wäre das Thema erledigt gewesen"

Während die DHB-Macher auch bei der Pressekonferenz am Freitag darum bemüht waren, das Thema klein zu halten und sich nicht zu möglichen Sanktionen oder Konsequenzen für Reichmann äußerten, wurde der Melsunger von seinem Teamkollegen sogar unterstützt.

"Er ist Teil des Teams, ein Weltklassespieler. Dass die Frustration groß ist, ist verständlich", sagte Torhüter Silvio Heinevetter: "Aus Amerika ist man mittlerweile schneller wieder hier als wenn man mit dem Auto nach Italien fährt. Von daher ist das kein Problem."

Ex-Bundestrainer Heiner Brand hatte dagegen bereits am Donnerstag eine andere Meinung und meinte vielsagend, dass die Spieler, die unter ihm trainiert haben, genau wissen, wie er reagiert hätte.

"Für Heiner wäre das Thema nach so einer Aktion erledigt gewesen. Das hätte man nicht einmal mehr ansprechen müssen, da hätte er nicht mal mehr mit der Wimper gezuckt", sagte Schwarzer und erinnerte sich an das einst schwierige Verhältnis zwischen Stefan Kretzschmar und Brand.

"Ich weiß noch, wie es in der Anfangszeit mit Heiner und Kretzsche bei der Nationalmannschaft war. Kretzsche war im Prinzip auch raus. Da haben wir es als Mannschaft ein einziges Mal geschafft, dass Heiner über seinen Schatten gesprungen ist und ihm nochmal eine Chance gegeben hat. Da ist er sozusagen über seine Schmerzgrenze hinausgegangen", so Schwarzer.

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