Handball

Handball - DHB-Team nach WM-Aus: Viel Frust und ein wenig Stolz

Das DHB-Team ist im WM-Halbfinale ausgeschieden.

Nach der 25:31-Niederlage im WM-Halbfinale gegen Norwegen herrscht beim DHB-Team Frust. Zu viele Dinge liefen gegen den Vizeweltmeister nicht wie geplant. Dabei hat die deutsche Mannschaft eigentlich allen Grund, stolz auf sich zu sein.

Silvio Heinevetter lehnte mit weit über den Kopf gezogener Kapuze am Torpfosten, Andreas Wolff saß minutenlang konsterniert auf der Bank und Hendrik Pekeler wollte einfach nur noch weg. Die Niedergeschlagenheit war beim DHB-Team nach dem WM-Aus allgegenwärtig.

"Es ist extrem bitter und enttäuschend", sagte Paul Drux in den Katakomben der Hamburger Barclaycard Arena. "Uns geht es beschissen", ergänzte Kapitän Uwe Gensheimer und blickte ins Leere.

Nach sechs Siegen und zwei Unentschieden hatte es gegen Norwegen die erste Niederlage des Turniers gesetzt. Ausgerechnet im Halbfinale gab es dieses eine "Scheißspiel", vor dem sich jeder Handballer bei einem großen Turnier fürchtet.

"Manchmal gibt es eben diese Spiele, in denen es nicht läuft", meinte Patrick Wiencek: "Es waren einfach zu viele Dinge, die nicht funktioniert haben."

Torhüter und Abwehr funktionieren nicht

Damit lag der Kieler zweifelsohne richtig. Die Torhüter Wolff (4 von 19, 21 Prozent) und Heinevetter (2 von 18, 11 Prozent) erwischten einen rabenschwarzen Tag, die bisher so grandiose Abwehr offenbarte Lücken.

"Unser Anspruch war es immer, die beste Abwehr der Welt zu stellen. Das hat diesmal nicht funktioniert. Wir haben es nicht geschafft, diese absolute Gemeinsamkeit hinzubekommen", analysierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Das klappte auch deshalb nicht, weil sich das DHB-Team sieben Zeitstrafen einhandelte. Pekeler musste nach seiner dritten Zwei-Minuten-Strafe in der 44. Minute mit der Roten Karte das Feld sogar komplett räumen.

"Wenn man ständig Zwei-Minuten-Strafen bekommt und mit einem Mann weniger hinten steht, ist es schwieriger, Tore zu verhindern", sagte Wiencek.

Schiedsrichter nicht entscheidend

Der Kreisläufer erklärte zwar, dass die tschechischen Schiedsrichter Vaclav Horacek und Jiri Novotny "komisch gepfiffen" hätten. Er stellte aber unmissverständlich klar, dass dies für beide Seiten gegolten und "die bessere Mannschaft gewonnen" habe.

Kein einziger DHB-Spieler nahm nach der Partie die kleinliche Regelauslegung der Unparteiischen als Ausrede her. "Es sind ein paar Zeitstrafen zu früh gekommen. Das zieht sich durch das Turnier. Aber man muss es schaffen, sich während eines Spiels darauf einzustellen", sagte Patrick Groetzki.

"Wir hätten einfach besser spielen müssen", wurde Drux deutlicher und fuhr fort: "Die Norweger haben das ganz souverän und clever heruntergespielt. Da kann man nur gratulieren."

Einen Sagosen oder Hansen hat Deutschland nicht

In der ersten Halbzeit war es vor allem Magnus Röd, der den Deutschen aus dem Rückraum einschenkte. Nach der Pause übernahm dann Superstar Sander Sagosen das Zepter und schraubte die deutsche Deckung mit insgesamt sechs Toren und zehn Assists förmlich auseinander.

Das DHB-Team hatte dagegen im Positionsangriff große Probleme. Jeder Treffer musste hart erarbeitet werden. Während der starke Fabian Böhm (6 Tore) und Fabian Wiede (5 Tore) dabei Akzente setzten, ging bei Steffen Fäth und Kai Häfner (beide 0 Tore) nichts.

"Im Angriff hat man zum allerersten Mal gesehen, dass uns der verletzte Julius Kühn fehlt. Wenn nichts geht, brauchst du mal einen, der ein einfaches Tor erzielt. Das haben wir nicht geschafft", meinte Hanning.

Man kann es auch folgendermaßen ausdrücken: Mit Mikkel Hansen, der 12 Tore beim Sieg der Dänen gegen Frankreich erzielte, und eben Norwegens Sagosen, haben zwei absolute Superstars des Handballs die WM-Halbfinals entschieden. Einen Spieler von diesem Kaliber hat Deutschland nicht.

"Die Norweger haben fehlerfreien Handball gespielt", hielt Hanning fest: "Deshalb müssen wir uns nicht schämen."

Prokop: "Wir können stolz sein"

Schämen muss sich das DHB-Team gewiss nicht. Die Mannschaft hat es bis ins Halbfinale geschafft und dabei die Sportfans in Deutschland begeistert. Es ist ein Erfolg, den ihr kaum jemand zugetraut hatte.

"Wir können stolz auf das sein, was wir geleistet haben", sagte Christian Prokop. Der Bundestrainer erinnerte außerdem an die Tatsache, dass am Sonntag um 14.30 Uhr im dänischen Herning ja noch das Spiel um Platz drei gegen Frankreich steigt.

"Wir haben noch eine Chance, bei einer WM eine Medaille zu erreichen. Das lassen wir uns nicht nehmen. Das Wichtige ist, dass die Nachhaltigkeit bleibt. Wir haben viele Idole geschaffen. Wir wollen weiter präsent sein", so der 40-Jährige.

"Wir hatten eine unglaubliche Stimmung, es war richtig geil", sagte Groetzki über die zurückliegenden Tage: "Aber im Moment tut es einfach nur weh."

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