Handball

Handball - DHB-Team nach Halbfinal-Einzug: Auf der Welle nach Herning

Von Felix Götz
Das DHB-Team steht im Halbfinale der WM.

Deutschland hat durch den 22:21-Sieg gegen Kroatien das Ticket für das WM-Halbfinale in der Tasche. Trotz des grandiosen Erfolges bleibt die Mannschaft auf dem Teppich. Der einfache Grund: Sie will noch mehr.

Während in und rund um die Kölner Lanxess Arena noch die Jubelstürme der deutschen Fans zu hören waren, herrschte in der Mixed Zone nach dem kurzen Freudentanz zuvor schon wieder eine bemerkenswert sachliche Atmosphäre.

Nahezu alle DHB-Spieler hatten einen Becher mit dem "Zaubertrank" von Mannschaftsarzt Kurt Steuer in der Hand, der für eine schnellere Regeneration sorgen soll, und beantworteten unaufgeregt die Fragen der Journalisten.

Der Tenor: Das verletzungsbedingte WM-Aus von Martin Strobel ist tragisch, der Sieg gegen Kroatien und der damit verbundene Einzug ins WM-Halbfinale - der erste übrigens seit dem Wintermärchen 2007 - derweil nicht viel mehr als ein weiterer Schritt.

Böhm: "Das Grinsen ist irgendwo innen drin"

"Wir sind alle platt, es war ein sehr intensives Spiel. Das Grinsen ist nicht offensichtlich zu erkennen, aber es ist irgendwo innen drin", sagte Fabian Böhm. Diese Aussage des Rückraumspielers war im Vergleich zu dem, was seine Teamkollegen so von sich gaben, fast schon ein emotionaler Ausbruch.

Diese Mannschaft, das wurde überdeutlich, sieht sich keinesfalls am Ende ihres Weges angekommen. "Jetzt wollen wir auch den Pokal hochstemmen", machte Fabian Wiede klar, dass das Ziel nun das Erklimmen des Handball-Throns ist. Auf gar keinen Fall weniger als das Finale am 27. Januar im dänischen Herning soll es sein.

Für DHB-Vizepräsident Bob Hanning machte das nüchterne Verhalten der Spieler durchaus Sinn. Er habe jedenfalls noch nie davon gehört, referierte der 50-Jährige, "dass jemand ein Halbfinale verlieren möchte".

Prokop: "Das ist mir scheißegal"

Einige Meter weiter hinterließ der sonst eher sachliche Bundestrainer Christian Prokop bei der Pressekonferenz noch den euphorischsten Eindruck. Allerdings musste er damit warten, bis Kroatiens Coach Lino Cervar unverständlicherweise das Ende der Gerechtigkeit verkündet und seine Schiedsrichter-Schelte beendet hatte.

"Das ist mir scheißegal! Wir stehen im Halbfinale", antwortete Prokop auf die Frage nach den mäßigen bis schlechten Leistungen seiner Außenspieler Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki. Er strahlte beim Aussprechen dieses für ihn ungewöhnlichen Satzes bis über beide Ohren. Er platzte fast vor Stolz auf seine Truppe.

"Die Kroaten haben uns immer wieder Nackenschläge verpasst. Aber die Mannschaft ist daran nicht zerbrochen und hat nicht einmal daran gedacht, dann eben die zweite Türe nach Hamburg zu nehmen", sagte Prokop und verwies dabei auf das letzte Hauptrundenspiel am Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr im LIVETICKER), in dem es selbst bei einer Niederlage gegen Kroatien noch eine Chance zum Weiterkommen gegeben hätte: "Sie wollte die erste Türe. Das macht mich unglaublich stolz."

Spiel mit dem siebten Feldspieler funktioniert diesmal

Die Partie wurde aber nicht nur durch absoluten Willen entschieden, sondern auch durch taktische Kniffe. In der alles entscheidenden Phase trug das Spiel mit dem siebten Feldspieler, für das die deutsche Auswahl in Berlin gegen Serbien noch Pfiffe geerntet hatte, dazu bei, dass das Pendel in Richtung Deutschland ausschlug.

"Ich hatte auch die Pfiffe von Berlin noch im Kopf", sagte Prokop: "Aber da waren wir auch zu lässig. Trotzdem ist das ein Mittel, das helfen kann, wenn eine Mannschaft so Beton anrührt wie Kroatien. Mir war wichtig, dass das Team daran glaubt, dass es funktionieren kann. Und diesmal hat es funktioniert."

Fabian Wiede der gefeierte Held

Nicht ganz, aber fast so gut wie neben der einmal mehr überragenden Abwehr mit Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek im Mittelblock auch Wiede funktioniert hat. Der Mann von den Füchsen Berlin versenkte alle seine sechs Würfe und war damit bester Torschütze des DHB-Teams.

"Er hat ein unglaubliches Spiel gemacht, er hat uns hier getragen", meinte Torhüter Andreas Wolff. Pekeler pflichtete bei: "Wiede war überragend. Er wird jetzt noch mehr in Strobels Rolle hineinwachsen."

Hanning: "Wir müssen die Welle mitnehmen"

Blieb die Frage, wie es nun weitergeht? Gewinnt die deutsche Mannschaft gegen Spanien, ist ihr der Gruppensieg nur noch zu nehmen, wenn Frankreich gegen Kroatien siegt und dabei Deutschland in Sachen Tordifferenz übertrumpft. Das DHB-Team steht aktuell bei +19 Toren, die Franzosen bei +14.

Der Gruppensieg wäre deshalb wertvoll, weil das DHB-Team so wahrscheinlich im Halbfinale, das am Freitag in Hamburg steigt, den bislang übermächtig erscheinenden Dänen vorerst aus dem Weg gehen würde. Deutschlands Gegner wäre in diesem Fall Norwegen oder Schweden.

"Gegen Spanien dürfen wir auf keinen Fall taktieren oder einen Gang zurückschalten", meinte Hanning: "Wir sind auf einer Welle, die müssen wir mitnehmen bis nach Herning. Das heißt aber nicht, dass manche Spieler durchspielen müssten. Ähnlich wie gegen Serbien können wir Spielanteile verteilen und Kräfte sparen."

Der große Stress beginne schließlich erst jetzt, fuhr Hanning fort: "Spiel gegen Spanien, Reise nach Hamburg, Halbfinale, Reise nach Herning - und dann hoffentlich Endspiel."

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