Handball

Handball-WM - Wiencek und Pekeler: Die sanften Killer von der Förde

Von Felix Götz
Patrick Wiencek (l.) und Hendrik Pekeler räumen in der deutschen Abwehr auf.

Beim 24:19-Sieg im ersten WM-Hauptrundenspiel gegen Island hat sich einmal mehr die Abwehr um Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler als Prunkstück des DHB-Teams erwiesen. Das Duo vom THW Kiel bildet auf und neben dem Platz eine Einheit.

In den Katakomben der Kölner Lanxess Arena hatten sich zwei besonders große Journalisten-Trauben gebildet. Eine um Wiencek, eine um Pekeler.

Einige Meter weiter stand Finn Lemke und wurde weit weniger beachtet. Beim EM-Triumph 2016 in Polen war der 2,10-Meter-Riese der Hauptprotagonist in der deutschen Abwehr gewesen, diesmal sind eher seine Qualitäten als Aushilfe gefragt.

"Ich bin derzeit ein Rollenspieler. Wenn ich reinkomme, versuche ich, Energie auf das Feld zu bringen", sagte Lemke im Gespräch mit SPOX. Schlecht gelaunt oder gar unzufrieden ist er deshalb nicht. Der Spieler der MT Melsungen weiß, warum er aktuell nicht so viele Spielanteile bekommt.

"Wiencek und Pekeler machen das unfassbar, einfach herausragend. Sie haben unglaublich viel Erfahrung und schon einiges auf dem Kerbholz. Sie switchen die ganze Zeit in der Abwehrformation hin und her, weshalb es für die gegnerischen Spielmacher unglaublich schwierig ist, unser defensives Spiel zu lesen. Unser Mittelblock ist das Herzstück", erklärte der 26-Jährige.

Wiencek? "Ich liebe dieses Tier"

In der Tat: Wiencek und Pekeler geben der gesamten Mannschaft Stabilität, packen gnadenlos zu. Weil beide für ihre Größe von jeweils über zwei Meter erstaunlich gut auf den Beinen sind, enden selbst kleine und wendige Gegenspieler früher oder später in ihren Pranken.

Genau dafür werden sie von den Fans gefeiert - was derzeit vor allem für Wiencek gilt. "Ich liebe dieses Tier. So viel Herz und Leidenschaft", ist so ein Satz, den man dieser Tage in den sozialen Medien über den rund 110 Kilogramm schweren Koloss lesen konnte.

Pekeler wiegt etwas mehr als 100 Kilogramm und kommt entsprechend etwas weniger brachial daher. Er ist auch im Angriff eine ganz wichtige Option für Bundestrainer Christian Prokop. Entscheidend ist allerdings, dass sich beide sehr gut ergänzen.

Hanning: "Wir haben die stärkste Abwehr der Welt"

"Wir haben die stärkste Abwehr der Welt", war es bereits nach dem letzten Vorrundenspiel in Berlin aus DHB-Vizepräsident Bob Hanning herausgeplatzt.

"Ich muss meine Kritik an der Abwehr erneuern. Ich durfte wieder zehn Minuten nicht mitspielen, weil ich überhaupt keinen Wurf auf das Tor bekommen habe. Das werte ich fast als persönliche Beleidigung", meinte Torhüter Andreas Wolff nach dem Island-Spiel mit einem Augenzwinkern und ergänzte ernst gemeint: "Mit dieser Abwehr zu spielen, ist einfach geil."

Die Tabelle der Hauptrunde

TeamSpieleTordifferenzPunkte
Deutschland3+185
Frankreich3+55
Kroatien2+84
Spanien302
Brasilien2-150
Island3-160

DHB-Team kassiert im Durchschnitt 21,5 Gegentore

Die deutsche Mannschaft kassiert bei dieser WM bislang durchschnittlich 21,5 Gegentore pro Partie, der schlechteste Wert waren 25 gefangene Treffer beim Remis gegen Frankreich - im Handball eine herausragende Ausbeute.

Zum Vergleich: Beim EM-Titel 2016, der wie der aktuelle Erfolg bei der Heim-WM auf einer bärenstarken Verteidigung basierte, waren es am Ende des Turniers im Durchschnitt 25 Gegentore pro Spiel.

In Breslau und Krakau war der Mittelblock um Lemke und Pekeler dafür hauptverantwortlich, aktuell sind es Wiencek und Pekeler. "Seit wir in Kiel das gleiche System spielen, verstehen wir uns fast schon blind", erklärte Wiencek.

Der 29-Jährige, der in Duisburg geboren wurde, spielt seit seinem Wechsel vom VfL Gummersbach 2012 beim THW. Pekeler, ein echtes Nordlicht aus Itzehoe und zwei Jahre jünger, wechselte im vergangenen Sommer von den Rhein-Neckar Löwen an die Förde.

Pekeler: "Wiencek ist der liebste Kerl"

Dass es mit den beiden auf dem Spielfeld so gut funktioniert, liegt mitunter daran, dass es auch abseits der Platte Gemeinsamkeiten gibt. Während des Spiels echte Killer, schlagen Bam Bam, wie Wiencek in Anlehnung an den kräftigen Jungen aus der Zeichentrickserie Familie Feuerstein genannt wird, und Peke nach erledigter Arbeit nämlich eher leisere Töne an.

"Auf dem Spielfeld ist Patrick sehr aggressiv. Neben dem Spielfeld ist er der liebste Kerl, der nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun kann", sagte Pekeler über den Mann, mit dem er beim THW auf Reisen ein Zimmer teilt.

Und der gelernte Anlagemechaniker Wiencek, der es als Jugendlicher nicht einmal in die Niederrheinauswahl geschafft und deshalb nie mit einer Profikarriere gerechnet hatte, meinte über seinen Teamkollegen: "Peke ist ein sehr ruhiger Vertreter, so wie ich. Auf dem Spielfeld ist das aber anders."

Wiencek von Atmosphäre begeistert

Für den Rest der WM braucht die deutsche Auswahl Wiencek und Pekeler jedenfalls im Killer-Modus. Die Tatsache, dass die Mannschaft von den Zuschauern getragen wird, macht diese Aufgabe etwas leichter.

"Berlin war schon überragend, aber das erste Spiel in Köln war nochmal eine Steigerung. Bei der Nationalhymne hat es sich angefühlt, als hätten wir ein Orchester und einen Chor hinter uns", sagte Wiencek: "Wenn jede Aktion bejubelt wird, pusht das einen in der Abwehr und man will immer noch mehr."

Noch mehr? Die kommenden Gegner Kroatien (Mo., 20.30 Uhr im LIVETICKER) und Spanien (Mi., 20.30 Uhr im LIVETICKER) können sich also schon einmal warm anziehen.

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