Handball

Terminstreit im Handball: Rhein-Neckar Löwen gehen auf Konfrontationskurs

SID
Donnerstag, 08.03.2018 | 16:44 Uhr
Die Rhein-Neckar Löwen sind unzufrieden mit der Terminierung ihrer Spiele.
© getty

Großer Knall in der Dauerfehde zwischen EHF und HBL: Während der THW Kiel im Terminstreit einem Heimrecht-Tausch in der Champions League zähneknirschend zustimmte, treten die Rhein-Neckar Löwen nun mit ihrer zweiten Mannschaft an. Das gab es noch nie.

Der Eklat ist perfekt: Der deutsche Meister Rhein-Neckar Löwen schickt seine zweite Mannschaft zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League.

Weil die Badener im Terminstreit zwischen der Bundesliga (HBL) und der Europäischen Handball-Föderation (EHF) nicht zurückstecken wollen, treten nun die Amateure aus der 3. Liga beim polnischen Champion KS Vive Kielce an. Das Königsklassen-Duell verkommt damit zur Farce.

"Das ist ein Armutszeugnis für unsere Sportart und ein noch nicht abzusehender Schaden", sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann. Man sei sich "darüber bewusst, dass es damit leider zu keinem sportlich fairen Vergleich mehr kommen wird. Das tut uns sehr leid, aber wir werden aktuell durch die Haltung der Verbände zu diesem Schritt gezwungen. Der Schaden, der hier, und ich sage ausdrücklich durch zwei Verbände, an unserer Sportart verursacht wird, ist enorm."

Löwen lehnen Heimrechtetausch ab

Der Bundesliga-Spitzenreiter weigert sich gegen die EHF-Anordnung, das Heimrecht mit Kielce zu tauschen. Hintergrund ist, dass für den 24. März das Bundesliga-Topspiel zwischen Kiel und den Löwen angesetzt wurde. Dieses wird live in der ARD übertragen und verspricht wegen der fehlenden Konkurrenz durch die spielfreie Fußball-Bundesliga eine hohe TV-Quote.

Allerdings erfolgte die Ansetzung ohne Rücksicht auf die Champions League. Die EHF terminierte nun die Begegnungen in der Königsklasse ebenfalls auf den 24. März und ordnete einen Heimrechtetausch an, den die Löwen ablehnen.

"Ich persönlich hatte gehofft, dass die Konstellation mit Leipzig und Barcelona im vergangenen Herbst allen die Augen geöffnet hat. Dem ist leider nicht so", sagte Kettemann.

Bereits im November hatten die Löwen aufgrund schlechter Absprache von HBL und EHF zwei Spiele innerhalb von 25 Stunden absolvieren müssen. Bei der aktuellen Terminkollison habe man "sowohl der EHF wie auch der HBL viele Lösungsvorschläge angeboten und bedauern es sehr, dass hier ein Machtkampf auf dem Rücken der Clubs und Spieler ausgetragen wird".

Gibt es noch eine Chance, den Knall zu verhindern?

Die letzte Chance, den großen Knall noch zu verhindern, ist ein Löwen-Vorschlag, die von der EHF für den 24. März terminierte Partie zu verlegen und am 25. März in Kielce auszutragen. Am Donnerstag war ein solcher Kompromiss allerdings nicht in Sicht. Die EHF bestätigte am Nachmittag via offizieller Pressemitteilung die Spielansetzung.

Eine Verlegung des Liga-Spiels kommt unterdessen nicht infrage. "Mit einem Live-Spiel in der ARD erreichen wir mehr Zuschauer als bei sämtlichen Champions-League-Spielen der Löwen und Kiel in dieser Saison zusammen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Er hatte schon am Mittwoch klargestellt: "Wir werden unser Bundesliga-Spiel an dem geplanten Termin austragen."

Auch der THW Kiel ist restlos bedient

Der THW verzichtete seinerseits auf die offene Konfrontation zur EHF, kritisierte den Tausch seines Heimrechts aber scharf. Kiel muss gegen den ungarischen Meister Pick Szeged entgegen der sportlichen Qualifikationskriterien gemäß neuer Ansetzung zunächst zuhause antreten.

"Dieser Heimrecht-Tausch führt die sportliche Wertigkeit der gesamten Gruppenphase ad absurdum und wird dem Einsatz unserer Mannschaft für das Heimrecht im Rückspiel in keinster Weise gerecht", sagte ein "tief enttäuschter" THW-Sportchef Viktor Szilagyi. Der Tausch sei "nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein emotionaler und wirtschaftlicher Schlag."

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