DHB: Stefan Kretzschmar spricht über Dagur Sigurdsson

"Dagur-Abgang wäre erheblicher Imageschaden"

Montag, 07.11.2016 | 14:19 Uhr
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Die Hängepartie um die Zukunft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson beschäftigt auch Stefan Kretzschmar. Der 43-Jährige lobt die Arbeit des Isländers im Gespräch mit SPOX überschwänglich, nachdem er anfangs Zweifel gehegt hatte. Zudem wirft Kretzsche einen Blick auf mögliche Nachfolgekandidaten.

Offiziell ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen, doch vieles deutet darauf hin, dass Dagur Sigurdsson den DHB nach der Weltmeisterschaft im Januar 2017 in Frankreich verlassen wird. Für die deutsche Nationalmannschaft, die unter seinen Fittichen 2016 Europameister wurde und Olympia-Bronze holte, wäre dies ein herber Schlag.

"Diese Meldung kam für mich völlig unerwartet, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich bin fest davon ausgegangen, dass Dagur die Mannschaft zur Heim-WM 2019 und zu Olympia 2020 führen wird", sagte Stefan Kretzschmar gegenüber SPOX: "Dagur hat großartige Erfolge mit dem DHB gefeiert, die Leute bringen diese Erfolge mit seinem Namen in Verbindung."

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Dabei hatte es zu Beginn von Sigurdssons Amtszeit auch Kritiker gegeben. Kretzsche gibt unumwunden zu, ebenfalls dazu gehört zu haben. Heute müsse er sich dafür beim Bundestrainer entschuldigen.

Gedanke an Dagur-Abgang macht Kretzsche traurig

Doch warum hatte Kretzschmar überhaupt Zweifel an dem Coach, der das DHB-Team erstmals bei einem Turnier bei der WM 2015 in Katar betreut und bis 2015 die Füchse Berlin trainiert hatte? "Das hatte irgendwie patriotische Gründe. Wir haben in Deutschland so viele gute Coaches, es geht um den Posten des deutschen Nationaltrainers. Warum nimmt man dann keinen deutschen Trainer? So war meine Denkweise", erklärte Kretzschmar.

Heute müsse er allerdings konstatieren: "Dagur hat sich von diesem verkrusteten System beim DHB völlig losgelöst, hatte ganz neue Ansätze. Er war sehr mutig, hat viele junge Spieler eingeladen, die andere gar nicht auf der Rechnung hatten. Er hat den deutschen Handball in eine neue Richtung geführt. Das alles war letztlich das Geheimnis des Erfolges. Der Gedanke, darauf in Zukunft womöglich wieder verzichten zu müssen, macht mich traurig."

"Spieler orientieren sich an Dagur"

Wohin es Sigurdsson zieht, ist noch offen. Die heißeste Spur soll nach Japan führen, auch über ein Engagement bei Paris St.-Germain wird immer wieder spekuliert. Selbst die Möglichkeit, dass Sigurdsson sich nach Island zurückziehen und vom Handball ganz ablassen könnte, scheint nicht mehr ausgeschlossen.

DHB-Präsident Andreas Michelmann und Vizepräsident Bob Hanning werden dieser Tage nicht müde zu betonen, dass der DHB nicht von einzelnen Personen abhängig sei. Bei der Person Sigurdsson irrt sich das Führungsduo aber womöglich.

Michelmann im SPOX-Interview: "Dagur hat unglaubliches Rückgrat bewiesen"

"Meiner Meinung nach ist Dagur zu der Identifikationsfigur im DHB geworden. Die Spieler orientieren sich ebenso an ihm wie die Medien. Dieser Hype, der um die Nationalmannschaft entstanden ist, hat viel mit der Person Sigurdsson zu tun. Sein Abgang wäre deshalb ein erheblicher Imageschaden. Jetzt, wo es wieder steil bergauf geht, den Sympathieträger zu verlieren, würde der ganzen Sportart wehtun", erklärte Kretzsche.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft

Trotzdem muss es natürlich auch im Falle einer endenden Ära Sigurdsson beim DHB weitergehen. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger läuft, mehrere Namen wurden in den Medien bereits gehandelt. Dazu gehören beispielsweise Kiel-Coach Alfred Gislason, Flensburg-Trainer Ljubomir Vranjes, Markus Baur vom TVB Stuttgart oder Frauen-Bundestrainer Michael Biegler.

Weltreise statt HBL: Profi will Vertrag auflösen

Auch Kretzsche macht sich notgedrungen seine Gedanken. "Ein Nationaltrainer benötigt ein anderes Profil als ein Vereinstrainer. Bei einem Klub hast du mehr Zeit, um eine Mannschaft zu formen. Als Bundestrainer musst du eine Autoritätsperson mit einer klaren Linie sein, die eine klare Idee und Philosophie mitbringt. Du musst schließlich Spieler aus unterschiedlichsten Mannschaften schnell zu einem Team formen. Auch eine gewisse Erfahrung im Trainerjob kann da nicht schaden", sagte der 218-malige Nationalspieler.

Und der gebürtige Leipziger weiter: "Michael Biegler bringt dieses Anforderungsprofil ebenso mit wie Kai Wandschneider, der allerdings in Wetzlar verlängert hat. Auch Christian Schwarzer oder Markus Baur haben das Format, um die Nationalmannschaft zu führen - vielleicht sogar im Gespann."

Doch bei allen Gedankenspielen wäre für Kretzschmar eine Lösung die allerbeste: "Ich wünsche mir, dass Dagur bleibt."

Dagur Sigurdsson im Steckbrief

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